20.05.2020 - 15:52 Uhr
AmbergOberpfalz

Drei Zeugen auf Schlingerkurs

Was soll ein Gericht mit Zeugen anfangen, die zuerst schwere Anschuldigungen erheben und sich später an wenig bis nichts erinnern? Da kann der wegen Drogenhandels angeklagte Amberger nur freigesprochen werden.

Einen wegen Drogenhandels angeklagten Amberger hat das Schöffengericht freigesprochen.
von Autor HWOProfil

Die Leute kannten sich und rauchten wohl ab und zu einen Joint zusammen. Nur das stand nach einem zweitägigen Prozess vor dem Schöffengericht fest. Seit 2017 waren Ermittlungen gegen einen Amberger (36) gelaufen, der angeblich mit größeren Mengen Marihuana und Haschisch handelte. Er selbst sagte vor Gericht: "Ich bin in einem gut bezahlten Job und hatte so etwas nie nötig".

2017 hatte der Mann Besuch von einer 38-Jährigen bekommen. Gegenüber der Polizei gab sie später an, ihr sei eine 250 Gramm schwere Haschischplatte für 300 Euro angeboten worden. "Ein utopisch niedriger Preis", wie Verteidiger Karl Holzapfel jetzt feststellte und die Frau am zweiten Tag des Verfahrens damit konfrontierte. In der ersten Runde war sie nicht erschienen.

Was sich bei der Vernehmung vor dem Schöffengericht abspielte, war ein Schlingerkurs. Zunächst hatte die Zeugin Lücken im Gedächtnis, dann erinnerte sie sich vage an das Angebot. Nicht brauchbar für die Richter unter Vorsitz von Kathrin Rieger. Offen blieb: Waren es tatsächlich 250 Gramm Haschisch für 300 Euro? Das wäre mehr als nur ein Dumpingpreis gewesen.

Es gab noch einen weiteren Vorwurf. Der 36-Jährige sollte, ebenfalls 2017, in seiner Wohnung ein Pfund Marihuana und 300 Gramm Haschisch zum Verkauf bereit gehalten haben. Das wollten, laut polizeilicher Protokolle, seine Ex-Freundin (39) und ein Bekannter von ihr (36) gesehen haben. Auch diese Anschuldigungen erwiesen sich als Schlag ins Wasser. Der 36-Jährige ("Es ist alles schon so lange her") mochte sich an nichts erinnern und die Ex-Freundin war unsicher in der Bewertung ihrer damaligen Beobachtungen. Damit stand fest: Auf solche Zeugen ließ sich keine Verurteilung stützen.

Staatsanwältin Julia Weigl und Verteidiger Holzapfel verlangten Freispruch. Dafür entschied sich auch das Schöffengericht. Womit der Vorhang über einem Drogenfall fiel, zu dem der Angeklagte von Beginn an gesagt hatte: "Ich bin sprachlos gegenüber dem, was man mir hier vorwirft". Ab und zu ein Joint. "Aber niemals Rauschgift in solchen Mengen." Der Beschuldigte konnte ohne Ahndung gehen.

Mehrere Richter und Staatsanwälte hatten sich im Vorfeld des Prozesses mit dem Fall beschäftigen müssen. Mehrfach kam es zu Nachermittlungen. Das Ergebnis: Freispruch, weil ein vermeintlicher Cannabis-Umschlagplatz nicht nachzuweisen war.

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