24.01.2020 - 11:18 Uhr
AmbergOberpfalz

Drogenkuriere bis nach Berlin geschickt

Der Mann ist angeblich weitgehend ahnungslos und will mit drei Pfund Marihuana nichts zu tun haben. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 28-Jährigen aber vor, ein mit professionellen Wassern gewaschener Drogendealer zu sein.

Ein 28-Jähriger muss sich vor Gericht verantworten. Er soll Drogenkuriere bis nach Berlin geschickt haben.
von Autor HWOProfil

Das Schöffengericht hat bisher keine leichte Aufgabe in diesem Prozess. Doch man weiß aus vergleichbaren Verfahren: Geht es um Drogenhandel im Zusammenhang mit Asylbewerbern, ist die Beweisführung zäh. Polizeifahnder und Staatsanwaltschaft hatten in zwei Anklageschriften zusammengetragen, was da mutmaßlich in den Jahren 2016 bis 2019 lief. Etliche kleinere Deals, dazu aber auch ganz große. Der Mann auf der Anklagebank, vor der Flucht angeblich in seiner arabischen Heimat Soldat, soll von einer Unterkunft in der nördlichen Oberpfalz aus operiert haben. Er hielt sich aber auch in Amberg auf, war in einem Heim an der Kümmersbrucker Straße zugange und ging zudem in einer Bleibe für Obdachlose ein und aus.

Dass er da nicht hindurfte, kümmerte den Mann wenig. Weit über ein Dutzend einzelner Begebenheiten listete Oberstaatsanwalt Stefan Täschner auf. Der markanteste: Der Beschuldigte, in U-Haft genommen und dann per Beschwerde durch das Oberlandesgericht Nürnberg auf freien Fuß gesetzt, soll einen Landsmann nach Berlin zum Abholen von zwei Pfund Marihuana geschickt haben. Der Kurier wurde auf der Rückfahrt in einem Reisebus von Fahndern festgenommen. Der Handel trieb angeblich noch andere Blüten. Der Oberstaatsanwalt las vor: Per erteiltem Kurierauftrag 300 Gramm Marihuana aus Regensburg holen lassen, in Nürnberg zwei Haschischplatten gekauft, mit Ecstasy-Tabletten in Amberg gehandelt, als Verkäufer bei Einzelabnehmern aufgetreten. Das war nicht alles. Die Behörden erfuhren von einem Nasenbein, das der 28-Jährige angeblich einem Widersacher brach und sie erhielten auch Nachricht davon, dass er 5000 Euro von Verwandten überwiesen bekam. Das Geld wurde denen verschwiegen, die ihm Unterstützung bewilligten.

Der Angeklagte wurde eine Stunde lang von der Gerichtsvorsitzenden Katrin Rieger befragt. Auf einzelne Vorhalte ging er nicht ein. Zusammenfassend ließ sich feststellen: Fast alles seien unwahre Unterstellungen. Gleichsam böswillig inszeniert und nur in ganz kleinen Details der Realität entsprechend. "Ich rate Ihnen dazu, hier auszupacken", empfahl der Oberstaatsanwalt. Dann kamen die ersten Zeugen. Manche hatten, weil selbst an den Transaktionen beteiligt, ein Aussageverweigerungsrecht. Ein anderer empörte sich darüber, dass die Polizei Angaben ins Protokoll schrieb, "die ich nie gemacht habe."

Zwei weitere glänzten durch Abwesenheit. Unter ihnen auch ein Mann, der nach Berlin geschickt worden war, um zwei Pfund Marihuana abzuholen. Bei seiner Festnahme hatte er den jetzt angeklagten 28-Jährigen als Auftraggeber identifiziert. Nun ließ er mitteilen, er habe "Zeug geraucht" und könne leider nicht kommen. Er wird wohl kommen müssen. Anfang Februar geht es vor Gericht weiter.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.