Amberg
12.03.2019 - 20:37 Uhr

Drogensüchtige Häftlinge schlagen Wachmann nieder

Wie brennt man Schnaps im Gefängnis? Dazu gibt es eher spärliche Details, als zwei Männer aus Franken vor die Erste Strafkammer des Landgericht geführt werden. Dafür wird umso ausführlicher acht Stunden lang debattiert, weshalb die Gefangenen eine Art Revolte starteten, um an Alkohol und Opiate zu gelangen.

Symbolbild. Bild: Uli Deck/dpa
Symbolbild.

Es ist angerichtet: In seiner Vier-Mann-Zelle brannte ein 29-Jähriger in der JVA Amberg Schnaps. Was er dazu brauchte, wurde jetzt vor dem Landgericht nur skizzenhaft deutlich: Früchtetee, einen Eimer, außerdem einen Tauchsieder. Der Trank wurde am 6. Januar 2018, dem Feiertag Dreikönig, bei einem Hofgang an Kumpels ausgereicht.

Dieser Alkoholgenuss führte zu einem, wie es die Strafkammervorsitzende Roswitha Stöber formulierte, "aussichtslosen Plan". Der 29-Jährige und sein wie er rauschgiftabhängiger Zellengenosse wollten Opiate aus einem Medizinschrank haben, der sich im Büro der Wachmannschaft befand. Der 29-Jährige (22 Vorstrafen) brach ein hölzernes Stuhlbein in der Zelle ab und lockte zusammen mit seinem 26-jährigen Kumpan (12 Vorstrafen) einen Bediensteten in den um 16.45 Uhr bereits verschlossenen Haftraum.

Dann ging buchstäblich alles Schlag auf Schlag: Das Duo attackierte den Beamten, brachte ihn zu Boden, wurde massiv gewalttätig. Der Angegriffene wehrte sich, rief laut um Hilfe und schlug mit dem einem der Täter entrissenen Stuhlbein die Glasscheibe eines Melders ein. Doch der Alarm blieb aus. Allerdings eilte eine Justizbeamtin herbei. Kurz danach war der Aufstand beendet. Die Häftlinge kamen in ihre Zelle zurück. Es folgte eine schwer ausgerüstete Sicherungsgruppe, die den Raum stürmte. Einer der Täter ergab sich sofort, der zweite leistete Widerstand und wurde in ein für solche Fälle gedachtes Verließ bugsiert. Dann bekam er eine Papierunterhose.

Warum wollten die Drogensüchtigen unbedingt Opiate haben? Sie sagten übereinstimmend, dass es zur damaligen Zeit schwierig gewesen sei, in der JVA Amberg an Drogen zu gelangen. Andererseits aber: Einer von ihnen hatte sich wenige Stunden zuvor noch ein eingeschmuggeltes Fentanyl-Schmerzpflaster in Wasser ausgekocht und den Sud konsumiert.

Die über ihre Verteidigerinnen zum Prozessauftakt abgelegten Geständnisse verkürzten die Verhandlung gegen beide knasterfahrenen Männer erheblich. Nach acht Stunden stand fest: Der 26-Jährige bekam drei Jahre und neun Monate Haft, der 29-Jährige muss vier weitere Jahre hinter Gitter. Wegen Meuterei und versuchten schweren Raubes.

Das deckte sich nahezu mit den Anträgen der Staatsanwältin. Die Strafen bestehen allerdings nur auf dem Papier. Weil beide schwer drogensüchtig sind, gewährte ihnen die Strafkammer eine jeweils zweijährige Entzugstherapie. "Zumindest in einem Fall nahezu aussichtslos", hatte ein Sachverständiger attestiert. Doch die Richter starteten erneut den Versuche, die Männer von ihrer Sucht zu befreien. Das erfreute beide. Der attackierte JVA-Beamte ist bis heute in psychologischer Behandlung. Die Polizei war erst zwei Tage später über den Vorfall informiert worden. Auch das gehörte zu den Erkenntnissen dieses Prozesses.

 
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