Update 24.08.2018 - 13:58 Uhr
AmbergOberpfalz

Wie die Dürre das Land verändert

Was für Deutschland und Bayern im Ganzen gilt, gilt auch für den Landkreis Amberg-Sulzbach: Trockenheit und Ernteausfälle treffen den Norden am schlimmsten. Allenfalls der Mais könnte jetzt noch für einen Lichtblick sorgen.

Wenn es bei Erntearbeiten rund um Edelsfeld heuer mehr staubt als anderswo, ist das kein Zufall: In diesem Teil des Landkreises fielen 2018 nicht einmal halb so viel Niederschläge wie im langjährigen Mittel.

(ll) Diese Pflanze bedeckt immerhin gut 22 Prozent der Ackerfläche im Landkreis. Das heißt, im nördlichen Teil ist der Mais - anders als im Süden - jetzt schon ziemlich abgeerntet, weil die Dürre ihm so zugesetzt hat.

Eigentlich sei Mais ja eine sogenannte C4-Pflanze, die mit Hitze recht gut zurechtkomme, erläutert Matthias Feierler, der Sachgebietsleiter Landwirtschaft am Amberger Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF), doch heuer hat ihm die Trockenheit übel mitgespielt: "Wichtig ist, dass er zur Zeit der Blüte Wasser bekommt, damit er Kolben bilden kann." Das war aber heuer nicht überall der Fall.

Wirkung von Gewittern

Wobei sowohl Feierler als auch der Amberger AELF-Chef Wolfhard-Rüdiger Wicht im Ernte-Pressegespräch mit der AZ das seltsame Bild von den Maisflächen erwähnen, die an einer Stelle ganz manierlich grün ausschauen und 100 Meter weiter total ausgedörrt und braun wirken. "Da sieht man ganz gewaltige Unterschiede, wo lokale Gewitterwolken niedergegangen sind", bemerkt Feierler dazu.

Noch gibt es keine gesicherten Zahlen, um wie viel die Maisernte heuer unter dem langjährigen Mittel liegen wird. Doch die Experten des Amtes gehen inzwischen davon aus, dass die Einbußen beim Mais wohl doch nicht so stark ausfallen wie beim Getreide. Da hat die Trockenheit erhebliche Ernteausfälle bewirkt: um die 40 Prozent bei der Sommergerste, rund 22 Prozent bei der Wintergerste, etwa 15 Prozent beim Raps. Beim Weizen - er wächst bei einer Temperatur von 18 Grad optimal - dürfte es auf 20 bis 25 Prozent hinauslaufen.

Der größte Ausfall droht - bei weiterhin ausbleibendem Regen - im Grünland. "Die Häfte oder noch mehr", schätzt Feierler. Graswurzeln gingen ja nur etwa zehn Zentimeter in den Boden, deshalb müsse man sich nicht wundern, wenn die Wiesen überall ganz braun seien.

Weniger Tiere

Was aber sind nun die Folgen der diesjährigen Dürre? Müssen die Viehhalter ihre Tierbestände reduzieren, weil sie nicht mehr genügend Futter haben? Das wird nicht ausbleiben, vermutet Wolfhard-Rüdiger Wicht. Zumindest einzelne Betroffene stellten diese Überlegung wohl schon an. Andererseits könne man Futter zukaufen (bald durch staatliche Förderung unterstützt), und vorausschauende Landwirte betrieben nach Möglichkeit eine Vorratshaltung, mit der sie die Entwicklung in einem solch extremen Jahr abdämpfen könnten.

An eine Welle von Betriebsaufgaben nach dem Dürrejahr glauben weder der AELF-Leiter noch der Bauernverband. "Dafür ist das zu sehr ein Einzelereignis", begründet Wicht diese Einschätzung. Dagegen habe sich etwa die Entwicklung beim Milchpreis klar als langfristiges Strukturproblem mit einem entsprechenden Druck in Richtung Hofaufgabe erkennen lassen.

Wird der regional orientierte Verbraucher infolge der Trockenheit und der dadurch bedingten Ernteausfälle mit Preiserhöhungen für Agrarprodukte rechnen müssen? Eher nicht, sagen Wicht und Feierler. Der Preisanteil von Rohstoffen an Brot oder Bier sei zu gering, um hier groß durchzuschlagen. Und lokale Direktvermarkter wüssten um die abschreckende Wirkung von großen Preissprüngen auf ihre Kundschaft.

Die klarsten Auswirkungen des heißen Jahres 2018 sehen die beiden Agrar-Experten bei der Entscheidung der Landwirte, was sie in Zukunft anbauen. Wer weiter auf Mais setze, werde sich stärker trockentoleranter Sorten bedienen, um so eine Ertragsabsicherung zu erreichen. Für andere werde Soja in den Blickpunkt rücken, weil diese Pflanze mit Trockenheit gut zurechtkomme.

Der Wandel kommt

Die Notwendigkeit von Veränderungen habe sich mit dem Klimawandel schon länger abgezeichnet: "Denn was heute angebaut wird, ist ja alles mit Blick auf unsere bisherigen klimatischen Bedingungen gezüchtet."

Im Blickpunkt:

Das Nord-Süd-Gefälle bei der Trockenheit findet sich auch in den Werten der beiden Wetterstationen des AELF im Landkreis:

Am Jura-Standort Edelsfeld, der sonst über Regen nicht klagen kann, fielen 2018 bisher nur 306 Millimeter Niederschlag; gegenüber dem langjährigen Durchschnitt von 656 Millimeter ein Rückgang um 54 Prozent. Die Temperatur lag hier um 2,8 Grad über dem sonstigen Mittelwert.

Die Station in Hiltersdorf bei Kümmersbruck verzeichnet dagegen nur 30 Prozent weniger Niederschlag und ein Temperaturplus von 1,7 Grad.

Insgesamt lassen sich laut den AELF-Experten innerhalb des Landkreises große Schwankungen in der Niederschlagsverteilung feststellen, weil zwar schon seit Monaten kein Landregen fiel, aber etliche heftige und lokal begrenzte Starkregen-Ereignisse auftraten. (ll)

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