05.07.2018 - 15:54 Uhr
AmbergOberpfalz

Düsteres Bild von der Zukunft mit ungeahntem Happy End

Die Theatergruppe "Die Oscars" des Gregor-Mendel-Gymnasiums hat sich für ihre Aufführung einen modernen Klassiker ausgesucht: George Orwells "Farm der Tiere". Eine Fabel, die ein düsteres Bild von der Zukunft entwirft.

George Orwells „Die Farm der Tiere“ dient der Theatergruppe des Gregor-Mendel-Gymnasiums als Vorlage für ihren Beitrag zu den Schultheatertagen.

Spielleiterin Claudia Ried schrieb den Text jedoch so geschickt um, dass nicht nur aus dem Prosatext ein Theaterstück wurde, sondern dass es das Publikum auch mit Aufmerksamkeit, Anteilnahme und Begeisterung verfolgte. In der ersten Spielsequenz wird vor Augen geführt, wie schlecht es den Tieren auf der Farm von Bauer Jones und seiner Frau geht: Laurin Wiedenbauer und Fabienne Rauscher stellten das Ehepaar dar, das nicht nur mit dem Leben auf dem Bauernhof, sondern auch miteinander unglücklich ist.

Die desolate Lage (Hunger und Kälte) bringt die Tiere dazu, dass sie sich heimlich versammeln und sich gegenseitig ihr Leid klagen. Von allen Seiten hört man Beschwerden, und man muss den beiden Katzen (Alina Dotzler, Julia Neuberger) zustimmen, die in koketter Kätzchenmanier immer wieder maunzen: "Bauer Jones ist böse!" Die wichtigste Person aber ist das Schwein Old Major (würdevoll-kämpferisch: Simon Böller), das die Tiere zum Widerstand aufruft.

Nach anfänglichem Zögern - denn eigentlich ist Hahn Ronaldo der Tollste (meint er, selbstbewusst verkörpert von Niko Tadin) - schließt sich auch das Federvieh an (Jessica Urbanovic und Laura Tschursin als elegante Hennen), und die anderen Tiere folgen. Besonders die Schafe tun sich hervor, wenn es gilt, kämpferische Slogans zu rufen. Das gelingt der Darstellerinnen Julia Depperschmidt, Mabel Kigadye und Leonel Lopez Schmidt überzeugend: "Vier Beine gut, zwei Beine schlecht!" So greifen die Tiere die Bauersleute an und vertreiben sie vom Hof.

Und hier kommt ein sehr gelungener Theaterkniff erstmals zum Einsatz: Während die Tiere regungslos auf der Bühne verharren, wird eine Erklärebene eingezogen. Der Autor George Orwell - intellektuell und ernsthaft gespielt von Richard Römmich - und eine kritische Gesprächspartnerin namens Ellen (mit viel Engagement und Empathie: Paula Schißlbauer) betreten die Bühne, und George muss sich gleich rechtfertigen, dass er in der Geschichte Tiere zu sprechenden Hauptfiguren macht. Für diejenigen im Publikum, die Orwells Text noch nicht kannten, bietet die folgende Erklärung eine wertvolle Verständnishilfe: Die Handlung erzählt die Entwicklung des sowjetischen Kommunismus nach, beginnend mit der Revolution 1917, bis zur Gegenwart des Autors, der den Text 1943/44 verfasste. George und Ellen schalten sich später noch mehrmals ein, um die Entwicklung zu erklären und den Zusammenhang mit der Fabel-Handlung aufzuzeigen.

Die Freude der Tiere ist groß, als sie feststellen, dass sie nun frei sind. Aber der Visionär Old Major ist in der Aufregung gestorben - und nun übernehmen die anderen Schweine das Kommando, angeblich, weil dies der letzte Wille des Anführers gewesen sei. Schon hier zeigt sich, dass die idealistische Schneeball (treffend gespielt von Alicia Schroers Gómez) von den anderen Schweinen ausgetrickst wird, die nicht das große Ganze im Sinn haben, sondern nur ihren eigenen Vorteil. Die Rücksichtslosigkeit und Kaltblütigkeit der neuen Chefs stellten Ayana Bauer, Katharina Filimonov und Celina Fink in Mimik und stimmlichem Ausdruck gut dar.

Leider hilft es den anderen Tieren zunächst nicht, die Situation richtig zu analysieren, wie es die nachdenkliche Eselin Cassandra tut (Marion Hopfenzitz). Auch die Hunde und Pferde (Ida Hanft, Violetta Kaiser, Pongsawat Permpoksub, Natalia Matula und Vivian Gier) können sich nicht dagegen wehren, dass die Schweine sie zum Arbeitseinsatz einteilen. Die Tiere werden schließlich von den Schweinen genauso ausgenutzt wie vom Bauern. Doch am Ende (anders als im Original) gelingt noch einmal eine Wende: Orwells Gesprächspartnerin Ellen hat Mitleid mit den Tieren und überredet den Autor, ein Happy End zu schreiben. Dies deutet sich am Schluss an, als sich die Tiere verabreden, die Schweine zu vertreiben.




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