10.01.2019 - 11:23 Uhr
AmbergOberpfalz

Ehering zurück, Führerschein nicht

Plötzlich zieht sich ein betrunken von der Polizei aus seinem Auto geholter Mann den Ehering vom Finger und wirft ihn zwei Beamten vor die Füße. Im Gerichtssaal bekommt er das gute Stück ausgehändigt. Seinen entzogenen Führerschein nicht.

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von Autor HWOProfil

Der 55-Jährige ist bei den Behörden kein Unbekannter. Schon einmal war er mit über zwei Promille Alkohol am Steuer ertappt worden. Man nahm ihm den Führerschein ab und bewilligte nach längerer Zeit die Rückgabe der Lizenz. Doch seit März 2018 ist der Lappen, wie manche zu sagen pflegen, erneut weg. Bitter für den 55-Jährigen, der nun vor Amtsrichter Markus Sand saß und mit Hilfe seines aus Regensburg angereisten Verteidigers Helmut Mörtl den Versuch startete, die Lage zu erklären.

Unerwartete Krise

Kaum wieder im Besitz seiner Fahrerlaubnis, war der Mann zu einer Sauftour in Amberg aufgebrochen. Der Grund: Eher unerwartet sah er sich mit einer Ehekrise konfrontiert. Seine Sorgen schüttete er nicht nur in ein einziges Gläschen Wein. Der zutiefst gekränkte 55-Jährige hob etliches an Alkohol und startete dann zur Heimfahrt.

Über einen Anruf hatte die Polizei erfahren, dass da jemand quasi schwer beladen am Steuer saß. Sie schickte Streifenbesatzungen los und stoppte das Fahrzeug am Stadtrand von Amberg. Dort geschah Zweierlei: Zunächst ergab ein Alkotest den stattlichen Wert von 2,15 Promille.

Dann zog sich der ertappte Verkehrssünder zornig seinen Ehering vom Finger und warf ihn den erstaunten Ordnungshütern vor die Füße. Die Uniformierten hoben den goldenen Reif auf und verwahrten das Schmuckstück bei den Akten. Nun bekam der 55-Jährige von einem der Polizisten im Gerichtssaal den Ring zurück. Viel lieber aber hätte der Angeklagte Licht am Ende des Tunnels seiner Führerscheinlosigkeit gesehen. Doch da blieb es dunkel.

Seit Monaten abstinent

Obgleich er dem Richter schilderte, dass schon seit vielen Monaten absolute Abstinenz bei ihm eingekehrt sei. Amtsrichter Markus Sand glaubte ihm das zwar, doch große Hoffnungen konnte er nicht machen. Nur diese: "Ein Freiheitsentzug muss hier nicht verhängt werden."

Staatsanwältin Kathrin Heitzer verlangte eine fühlbare Geldstrafe in Höhe von 120 Tagessätzen zu je 40 Euro - insgesamt also 4800 Euro. Außerdem empfahl sie dem Vorsitzenden, eine noch weiter andauernde Führerscheinsperre von 15 Monaten ins Urteil zu schreiben. "90 Tagessätze zu 30 Euro sind genug und elf Monate Sperre reichen aus", beschrieb Anwalt Mörtl seine Auffassung.

2700 Euro zu zahlen

Richter Sand beließ es bei 90 Tagessätzen zu 30 Euro (2700 Euro). Außerdem verordnete er dem 55-Jährigen, dass er aus gerichtlicher Sicht weitere zwölf Monate zu Fuß gehen muss. In diesem Zusammenhang verwies Sand aber darauf, dass die Verkehrsbehörde nach Ablauf dieser Frist nicht gleichzeitig die Lizenz wieder herausgeben müsse.

"Das", ließ der Vorsitzende anklingen, "dürfte schwierig werden angesichts zweier Alkoholfahrten mit jeweils über zwei Promille."

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