Amberg
10.09.2026 - 08:32 Uhr

Endlich eine Tradwife

Kneten, falten, formen: Sauerteigbrotbacken ist das ultimative Tradwife-Hobby. Was eine Tradwife ausmacht, erklärt Redakteurin Stefanie Swann – und auch, wieso das gar nicht mal so cool ist.

Sauerteigbrotbacken ist das ultimative Tradwife-Hobby. Redakteurin Stefanie Swann hat es versucht, aber weiß, sie wird nie eine "perfekte" Tradwife. Bild: Stefanie Swann
Sauerteigbrotbacken ist das ultimative Tradwife-Hobby. Redakteurin Stefanie Swann hat es versucht, aber weiß, sie wird nie eine "perfekte" Tradwife.

Ich stehe in meiner Küche. 20 Gramm Mehl, 20 Gramm Wasser. Damit füttere ich meinen Roggen-Vollkornmehl-Sauerteig-Starter. Denn ich bin seit heute unter die Brotbäcker gegangen. Bin ich jetzt offiziell eine Tradwife? Tradwife? Was ist das genau?

Der Begriff ist neuartig und setzt sich zusammen aus den englischen Begriffen traditional (traditionell) und wife (Ehefrau). Das Bild der Tradwife ist in den vergangenen Jahren durch die sozialen Medien entstanden. Hier präsentieren sich Frauen, die sich bewusst für ein ultrakonservatives Leben entscheiden. Und damit meine ich nicht die klassische Hausfrau, die sich gern um den Haushalt oder die Familie kümmert. Die Tradwife ist extrem. Sie ordnet sich der Autorität ihres Ehemannes unter, sie kümmert sich ausschließlich um Haushalt, Kinder und das Wohl des Mannes. Sie macht ihre eigene Butter und filmt das alles mit.

Und während sie den ganzen Tag in der Küche steht, schaut sie natürlich auch perfekt aus. Sie trägt nur Kleider und Röcke, hat aufwendige Frisuren und Make-up, das große Haus mit stilvoller Landhausküche ist immer tipptopp aufgeräumt. Sogar das Badschrubben ist ästhetisch. Die Tradwife aus dem Internet ist jung, schlank, hübsch und besonders feminin. Und sie backt ihr eigenes Brot. Das Sauerteigbrotbacken ist das ultimative Symbol für die gute Tradwife im Internet geworden. Natürlich sind das alles Aufgaben, die eine Frau gern übernehmen darf. Wer bin ich, zu sagen, wie jede Frau individuell zu leben hat? Aber die Tradwife glorifiziert einen Lebensstil, der viele Probleme mit sich bringt: finanzielle Abhängigkeit, Überlegenheitsgefühl des Mannes, leichter Machtmissbrauch, unrealistische Anforderungen an die Frau. Eine kritische Auseinandersetzung mit dem Familienmodell gibt es nicht.

Lese ich mir das alles hier oben durch, bemerke ich, was für eine schlechte Tradwife ich wäre. Während das Brot backt, explodiert in meinem Ofen eine Keramikform, von der ich dachte, sie sei feuerfest. Gleich danach geht das Backpapier in Flammen auf. Meine Haare stehen wie elektrisiert zu allen Seiten ab, in der Hitze und dem Stress bin ich rot angelaufen. Und das Brot schaut alles andere als gut aus. Aber – und das macht mich stolz – es war richtig lecker.

Man kann das Sauerteigbrot also ein Tradwife-Hobby nennen. Oder aber man lässt es mit Internet-Trends und lebt ein selbstbestimmtes Leben und macht, was man möchte. Für mich bedeutet das: Das Backen war cool, aber solange der Sommer noch nicht vorbei ist, möchte ich das Leben draußen nicht verpassen. Also habe ich meinen Sauerteigstarter auf unbekannte Zeit in den Kühlschrank verbannt und bin dann mal klettern.

Info:

Hintergrund

Wir sind junge Mitarbeiter von Oberpfalz-Medien. In unserer Kolumne "OTon" schreiben wir einmal in der Woche über das, was uns im Alltag begegnet – was wir gut finden, aber auch, was uns ärgert. Dabei geht es weniger um fundierte Fakten, wie wir sie tagtäglich für unsere Leser aufbereiten, sondern um unsere ganz persönlichen Geschichten, Erlebnisse und Meinungen. Wir wollen zeigen, dass nicht nur in Hamburg, Berlin oder München Dinge passieren, die uns junge Menschen bewegen.

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