Update 19.08.2018 - 12:49 Uhr
AmbergOberpfalz

Erinnern statt verschweigen

Von 1922 bis 1933 hat die Amberger SPD einen Vorsitzenden, der weitere elf Jahre später in einem KZ ermordet wird. Jetzt bekommt Franz Xaver Kemeter eine Gedenktafel.

Enthüllung der Franz-Xaver-Kemeter-Gedenktafel: Der stellvertretende Vorsitzende des SPD-Stadtverbandes, Dieter Weiß (Sechster von links), skizzierte vor führenden Vertretern der SPD und AWO die Lebensstationen des standhaften Sozialdemokarten, der nun Namensgeber des SPD- und AWO-Büros in der Seminargasse ist.
von Autor GFRProfil

Amberg. (gfr) Für soziale Gerechtigkeit sei Franz Xaver Kemeter eingetreten, er habe aktiven Widerstand gegen das NS-Regime geleistet und sei schließlich in einem KZ ermordet worden, so raffte Martin Seibert, Vorsitzender des SPD-Stadtverbands, die Hintergründe zusammen, weshalb "zum Gedenken an diesen standhaften Sozialdemokraten" am SPD- und AWO-Büro in der Seminargasse eine Gedenktafel enthüllt wurde.

Die Partei und der Wohlfahrtsverband erinnerten am Freitagabend gemeinsam an Franz Xaver Kemeter, der wegen seines Engagements um soziale Gerechtigkeit und seinen aktiven Widerstand gegen die Nazi-Herrschaft ermordet wurde. Heute sei ein besonderer Anlass, betonte Seibert. "Denn heute denken wir an eine Zeit zurück, in der Deutschland in Schutt und Asche gelegt worden ist, aber heute denken wir auch an Menschen, die sich dem Nazi-Regime widersetzt haben, die für ihre Meinung auch gestorben sind."

Franz Xaver Kemeter sei einer dieser standhaften Persönlichkeiten gewesen. Das Leben dieses Mannes, der von 1922 bis 1933 Vorsitzender der Amberger SPD war und sich zusammen mit Josef Regner und Christian Endemann in der Arbeiterwohlfahrt engagierte, hatte Dieter Weiß zusammengestellt.

Das Schicksal

Vier Sozialdemokraten, Kemeter, Regner, Andreas Heuberger und Hans Ries seien im April 1933 Mitglied des Amberger Stadtrates geworden, aber bereits zwei Monate später zusammen mit 33 weiteren Parteimitgliedern verhaftet und in sogenannte Schutzhaft genommen worden. Kemeter internierten die Nazis im Konzentrationslager Dachau, nach seiner Entlassung flüchtete er in das Sudetenland, um vor dort aus sozialdemokratischen Widerstand zu organisieren. Schließlich wurde Kemeter doch wieder verhaftet, ins KZ Buchenwald gebracht und bald darauf in das KZ Majdanek überstellt. Am 20. Juli 1944, so die offizielle Darstellung, wurde der Sozialdemokrat von Wachsoldaten ermordet, die näheren Umstände seines Todes seien aber nicht bekannt, so Weiß. Mit der am Freitag enthüllten Tafel am Eingang zum SPD- und AWO-Büro solle dauerhaft an diesen Kämpfer für Freiheit, Demokratie und Menschenrechte erinnert werden. "Denn unsere Zeit", unterstrich Weiß, "braucht Vorbilder, denn Tausende Rechtsradikale feiern auf ihren Konzerten, völkische Reden werden im deutschen Parlament gehalten und konservative Politiker überholen sogar schon rechte Populisten rechts".

Nicht jedem recht

Der Sozialdemokrat mutmaßte zudem, dass es in Amberg wohl schon Leute geben werde, die sich über diese Namensgebung ärgern würden, weil sie lieber einen Schlussstrich des Verschweigens unter die Aufarbeitung der nationalsozialistischen Vergangenheit ziehen würden.

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