23.04.2020 - 10:34 Uhr
AmbergOberpfalz

Erinnerung an ein Mammutprojekt

Nur für die Renaturierung der Vils werden 18 000 Kubikmeter Erde bewegt. Das Ergebnis bestaunen ab 26. April 1996 die Besucher der Landesgartenschau "Leben am Fluß" in Amberg.

Das Baustellenfest wurde 1995 gefeiert. Im Hintergrund ist das ehemalige Maschinenhaus des Klärwerks zu sehen.
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Von Dieter Dörner

Landesgartenschauen dienen der Renaturierung von Industriebrache, der Regionalentwicklung, der Verbesserung der Lebensqualität und damit der Schaffung von Naherholungsgebieten. Angenehme Begleiterscheinungen sind die Verschönerung des Ortsbildes und damit - auch im touristischen Sinne - die Steigerung der Attraktivität der Stadt. Dies alles traf und trifft auf die 1996 in Amberg unter dem Motto "Leben am Fluß" stattgefundene Landesgartenschau zu.

1980 entstand die Idee der Bewerbung um die Ausrichtung einer Landesgartenschau, die 1987 umgesetzt wurde. Drei Bereiche bezog das beauftragte Planungsbüro Professor Reinhard Gerbe aus Nürnberg in die Bewerbung ein:

1. den Alten Dultplatz, genutzt als Großparkplatz, mit dem benachbarten Hallenbad. Geplant war, die Teerdecke des Dultplatzes abzutragen und durch eine Grünanlage zu ersetzen, das Hallenbad durch einen Neubau (heute "Kurfürstenbad") abzulösen und ein Kongresszentrum (heute ACC) mit einem Hotel auf diesem Gelände zu errichten.

2. die sich anschließenden Kleingärten mit dem jenseits der Vils liegenden Sportgelände weitgehend in die Landesgartenschau einzubeziehen und

3. die im Bereich des Drahthammers noch existenten Becken der inzwischen stillgelegten Kläranlage zu renaturieren und das zugehörige im Jugendstil erbaute Maschinenhaus (ehemaliges Pumpwerk) als Jugendzentrum einzurichten.

Unter Federführung des Wasserwirtschaftsamtes Weiden war weiterhin die Fortführung der Renaturierung der Vils im Landesgartenschaugelände und damit eine Vergrößerung der Wasserfläche inklusive Altarmen um etwa ein Drittel geplant.

1989 kam es zu einem Ideen- und Realisierungswettbewerb, 1991 zur Gründung der LGS Amberg und schließlich 1992 zum Beginn der Arbeiten, wobei die Bepflanzung von März 1994 bis März 1996 geschah. Das Gelände der Landesgartenschau ohne das benachbarte Kurfürstenbad und das ACC umfasste 33 Hektar, zu etwa je einem Drittel aufgeteilt in die drei angeführten Bereiche. Die Renaturierung der Vils lief bereits seit geraumer Zeit. Dass eine solche Baumaßnahme nicht ohne Überraschungen abgehen würde, war sicher allen Beteiligten klar.

So kam das erste Staunen nach dem Abtragen der Teerdecke auf dem Alten Dultplatz. Darunter befand sich großteils eine über einen Meter starke Schlackenschicht aus mittelalterlicher Eisenverhüttung. Hier sollten Rasen und Pflanzgärten angelegt werden. Die Schlacke zu entfernen scheiterte an den Kosten und (vermutlich) auch an der Zeit. Also musste diese nach einem Zehn-mal-Zehn-Meter-Raster durchbohrt, die Löcher mit Erde aufgefüllt und so eine Kapillarwirkung zum gewachsenen Boden hergestellt werden.

Es galt Hallen für die Blumenschauen, für die Gastronomie zu errichten, einen Pavillon für Schmetterlinge, für Info-Zentren, eine Fischerhütte, ein Biber-Freigehege, die Kneippanlage, den Vesuna-Turm, das Modell der Kathedrale von Périgueux, die Plätten für die Vilsschifffahrt zu bauen und schließlich von 54 Gärtnern 471 Bäume, 7680 Sträucher, 118 000 Stauden, 2165 Rosen, 68 000 Zwiebeln und 80 000 Quadratmeter Rasen zu pflanzen. Das ehemalige Brauhaus-Gelände, heute Neuer Dultplatz, wurde zum Besucherparkplatz umfunktioniert. Schließlich mussten auch etwa 30 Landesgartenschau-Führer ausgebildet und geprüft werden.

Anlässlich der Renaturierung der Vils wurden 18 000 Kubikmeter Erde bewegt, die Ufer mit Weidenfaschinen gesichert, eine Fischtreppe angelegt, Schwarzerlen und Bruchweiden gepflanzt.

Im September 1995 stellten die Verantwortlichen der Bevölkerung das bis dahin Geschehene anlässlich eines Baustellenfestes vor.

Wenige Tage vor der Eröffnung am 26. April vernichtete ein Unwetter einen Großteil der Bepflanzung, der unter gewaltigem Zeitdruck "rekultiviert" werden musste. (ddö)

Die Vils im Landesgartenschaugelände vor der Renaturierung.
Die Vils im Landesgartenschaugelände 1996 nach der Renaturierung.
Die Rekultivierung der Vils.
So sah der Alte Dultplatz 1993 aus.
Und so im Jahr 1996.

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