07.05.2019 - 19:16 Uhr
AmbergOberpfalz

"Erlebnis Glaskathedrale Amberg": Besucher staunen über Gropius' letztes Bauwerk

Mit der Eröffnung der Stadtmuseums-Zweigstelle in der Glashütte der Firma Riedel/Nachtmann rückt Amberg die versteckte Perle ins Licht der Öffentlichkeit. Jetzt will man sich möglicherweise auch um den Titel Unesco-Weltkulturerbe bewerben.

Bayerns Minister für Wissenschaft und Kunst, Bernd Sibler, (Dritter von links) lässt sich die besondere Architektur der Amberger Glaskathedrale von Oberbürgermeister Michael Cerny (links) zeigen.
von Stephanie Wilcke Kontakt Profil

Die Glasmacher aus dem Bergsteigviertel hätten schon immer gewusst, welch besonderes Gebäude in der Rosenthalstraße stehe, sagte Oberbürgermeister Michael Cerny bei der Eröffnung der Zweigstelle mit dem schmuckvollen Namen „Erlebnis Glaskathedrale Amberg“. „Jetzt wollen wir die versteckte Perle ins Licht der Öffentlichkeit rücken. Das Juwel soll stärker sichtbar werden.“

Den Besucher erwartet im Nebenraum des Industriedenkmals, in dem heute noch genau wie vor knapp 50 Jahren Glas geblasen wird, eine moderierte Multimedia-Show. Es ist eine Reise von den Anfängen der Glaskathedrale in den 1960er Jahren bis in die Gegenwart. „Ohne Übertreibung kann man sagen, dass die Glaskathedrale einer der wichtigsten Nachkriegsbauten im Bereich der Industriearchitektur ist.“ Die Wirkung ihres Schöpfers Walter Gropius auf Architektur-Interessierte ist gerade im Bauhausjahr gigantisch. „Die Begeisterung und Anfragen überrollen uns nahezu.“

Auch Bayerns Minister für Wissenschaft und Kunst, Bernd Sibler, gab sich zur Eröffnung ein Stelldichein. „Es ist sensationell, wenn man in die Senke fährt und dieses großartige Gebäude sieht. Es ist Industriekultur, die mit toller Architektur kombiniert wurde“, war der Politiker angetan. „Die Architektur bringt die Philosophie von Gropius auf den Punkt: Wenn man arbeitet, sollen die Räume schön sein.“

In der Zweigstelle des Stadtmuseums mit dem Namen "Erlebnis Glaskathedrale Amberg" erfahren die Architektur-Interessierten alles zur Geschichte und Gegenwart der Glashütte.

Exakt drei Jahre sei es nun her, dass Kulturreferent Wolfgang Dersch und Baureferent Markus Kühne ins US-amerikanische Boston geflogen sind, um Gropius’ rechte Hand, Alexander Cvijanovic, zu besuchen. „Wir wussten nicht, was uns erwartet“, erinnerte sich Dersch. Zurück kamen die beiden mit den Plänen sowie Entwürfen der Glaskathedrale und dem regen Briefwechsel zwischen Auftraggeber Philip Rosenthal und Gropius. Schnell entstand die Idee, die Glaskathedrale irgendwie der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. „Vielen Dank an die Firma Riedel/Nachtmann“, sagte Dersch. Man dürfe schließlich nicht vergessen, dass hier immer noch produziert werde.

Informationen sammeln und eine umfangreiche Dokumentation zur Entstehung: Das seien die Voraussetzungen dafür gewesen, sich überhaupt mit einer möglichen Bewerbung um den Titel Unseco-Weltkulturerbe zu befassen, erklärte Cerny. „Die Diskussion gibt es schon länger, aber jetzt kann die Ausstellung auch zeigen, was wir bereits haben.“ Der Weg zu einer Bewerbung sei lang, „das Jubiläumsjahr des Bauhauses ist jedoch ein guter Zeitpunkt, um zu starten.“

Amberg
Shealagh de Beurges Rosenthal, Tochter von Auftraggeber Philip Rosenthal, ist für die Eröffnung der Stadtmuseums-Zweigstelle nach Amberg gereist.

Ein Eröffnungsgast, der Walter Gropius wirklich kennengelernt hat, ist Shealagh de Beurges Rosenthal, Philip Rosenthals Tochter. Sie freut sich, dass das Interesse an dem Industriedenkmal, dessen Aussehen und Gestaltung ihr Vater wesentlich mit beeinflusst hat, so groß ist. Die Ideen, die in dem Bauwerk stecken, seien heute aktueller denn je.

„Die Art zu Lüften, der Umgang mit Energie und der Schwerpunkt auf das Grün für die Arbeiter im Umfeld. Das alles steckte schon damals im Denken der beiden.“ Sie weiß, dass ihre Eltern 1964/65 extra nach New York reisten, um Gropius für dieses Projekt zu gewinnen. „Später hat er uns oft in Selb besucht.“ Dort sei auch rege diskutiert worden. „Mein Vater hat viel über Ideen gesprochen.“ Vielleicht nicht jede Idee sei von ihm realisiert worden. „Doch dann stand sie schon mal im Raum.“ Amberg hat Glück, dass Rosenthal diese eine Vision so wunderbar umgesetzt hat.

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