10.05.2020 - 18:47 Uhr
AmbergOberpfalz

Erster Sonntagsgottesdienst mit Corona-Schutz: Desinfektion statt Weihwasser

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"Längst ist nicht alles normal", betonte Pfarrer Ludwig Gradl in Hl. Dreifaltigkeit. Es war sein erster Sonntagsgottesdienst in der Coronakrise, den auch Gläubige mitfeiern durften.

In der Dreifaltigkeitskirche in Amberg verteilt Pfarrer Ludwig Gradl im Sonntagsgottesdienst die Kommunion mit Handschuhen und Maske.
von Heike Unger Kontakt Profil

Vorher anmelden, Mund-Nasen-Bedeckung mitbringen, sich vor der Kirche noch einmal melden, dann Hände desinfizieren und dem Platzanweiser folgen: Es gibt einige Regeln, die die Gottesdienstbesucher an diesem Sonntag in der Dreifaltigkeitskirche befolgen müssen. Aber sie freuen sich, endlich wieder eine Messe besuchen zu können: Unter der Woche gab es hier schon die ersten Gottesdienste mit Gläubigen, nun dürfen sie erstmals auch am Sonntag wieder dabei sein.

Mit Anmeldung und Einlasskontrolle

Christine Schwarz vom Pfarrgemeinderat steht am Seiteneingang der Kirche, der ungewohnte Zugang neben der Sakristei ist mit einem Bauzaun markiert. Auf einem Zettel sind die Gläubigen notiert, die sich vorher im Pfarrbüro angemeldet haben: Das ist erforderlich, um in der Kirche den notwendigen Abstand zwischen den Gottesdienstbesuchern sicherstellen zu können. Schwarz hakt jeden Namen ab. 32 Personen sind in der Dreifaltigkeitskirche erlaubt. Dass es heute 38 sind, liegt daran, dass Ehepaare und Familien als "eine Person" berechnet werden, weil sie zueinander keinen Abstand halten müssen.

Ungewöhnlich: Gottesdienst mit Anmeldung und "Einlasskontrolle". Christine Schwarz vom Pfarrgemeinderat hakt auf einer Liste die Namen der angemeldeten Besucher ab – so ist sichergestellt, dass die Personenzahl-Beschränkung eingehalten wird.

Kaplan Florian Weindler fungiert im Gottesdienst um 10 Uhr als "Platzanweiser". Statt in den (derzeit leeren) Weihwasserkessel greifen alle Besucher zum Händedesinfektionsmittel, das im Eingangsbereich bereit steht. Der Blick zu den Kirchenbänken zeigt, dass es kein gewöhnlicher Gottesdienst ist: Die Gläubigen stehen weit voneinander entfernt, alle tragen die vorgeschriebenen Alltagsmasken, jede zweite Bankreihe bleibt frei.

Desinfektionsmittel statt Weihwasser: Bevor sie die Kirche betreten, sind die Gläubigen aufgefordert, die Hände zu desinfizieren.

Ein bisschen Kirchen-Alltag

Und doch ist da ein kleines bisschen lang ersehnter "Alltag", als Kirchenmusiker Christian Farnbauer mit dem Orgelspiel beginnt. Er singt auch während des Gottesdienstes - die Gemeinde soll dies allenfalls ganz leise tun, Atemluft ist schließlich ein Sicherheitsthema in Coronazeiten.

Auch ungewöhnlich: Kaplan Florian Weindler fungiert auch als Platzanweiser. Die Gläubigen müssen Abstand voneinander halten, jede zweite Bankreihe muss frei bleiben.

Pfarrer Ludwig Gradl erinnert seine Gemeinde in der Predigt an die besonderen Umstände: "Wir leben immer noch in der Corona-Pandemie, auch wenn es Lockerungen gibt", sagt er: "Wir leben mit Regeln, Anweisungen, Anordnungen, Auflagen – und das ist gut so." Alleine die Tatsache, "dass wir nur wenige sind, ist ein Zeichen, dass längst nicht alles normal ist, dass wir weiterhin stellvertretend auch für die anderen die heilige Messe feiern", betont er. Dabei verhehlt er nicht, dass es durchaus ein Für und Wider gebe, Gottesdienste in der Coronakrise so zu feiern, wie es gerade vorgeschrieben wird – oder doch erst "später, wenn die Pandemie vorbei ist", wieder ganz wie gewohnt.

Auch für Pfarrer Ludwig Gradl ist es nicht einfach, eine Messe mit speziellen Sicherheitsvorgaben zu feiern. Bei der Predigt muss er immerhin keine Mund-Nasen-Bedeckung tragen.

Pfarrer: "Es ist nicht einfach"

Der Pfarrer gesteht auch: "Ich muss Ihnen sagen, es ist nicht einfach, so die heilige Messe zu feiern, wie wir sie jetzt feiern." Trotzdem tue er dies gern, "auch unter diesen Bedingungen". Denn so können "wir gemeinsam das Wort Gottes hören, wir können die Orgelmusik auf uns wirken lassen, wir können uns bewusst machen, welche Nöte uns zurzeit bedrängen, wir können einander sehen und füreinander beten – auch für die, die jetzt nicht da sein können."

Kommunion in Coronazeiten: Die Gläubigen bleiben an ihren Plätzen, Pfarrer und Kaplan kommen mit Maske und Handschuhen zu ihnen. Wenn sie die Hostie empfangen, dürfen die Besucher ihre Masken kurz abnehmen.

Die, die da sein können, können heute auch wieder die Kommunion empfangen. Dazu streift sich auch Pfarrer Gradl eine Maske über, zieht Handschuhe an: In Coronazeiten bleiben die Gläubigen zur Kommunion an ihren Plätzen, damit sich ihre Wege nicht kreuzen. Stattdessen kommen Pfarrer und Kaplan zu ihnen – wer die Kommunion empfangen möchte, nimmt kurz seine Maske ab und bekommt die Hostie in die Hand gelegt. Eben ein etwas anderer Gottesdienst. Der damit endet, dass der Pfarrer vor dem Segen noch einmal an die Anmeldungen erinnert, die jetzt auch für die kommenden Gottesdienste in Dreifaltigkeit gelten. Auch wenn die Teilnehmerzahl begrenzt bleibt: Alle Messen finden wie gewohnt statt, zu den üblichen Uhrzeiten.

Reaktionen:

Ungewohnt, aber schön, dabei sein zu können

"Ungewohnt" sei es gewesen, schildert Renate Weigl ihre Gefühle nach dem Sonntagsgottesdienst mit Corona-Regeln – und trotzdem etwas ganz anderes als die Messen, die sie in den vergangenen Wochen nur im Fernsehen mitverfolgen konnte. Sie war mit ihrem Mann Josef in der Kirche: Beide freuen sich, dass sie wieder persönlich mitfeiern konnten, mitbeten, mitsingen.

Kaplan Florian Weindler, der einen kleinen "Vorsprung" hat, weil er schon seit vergangenem Mittwoch wieder Gläubige in der Kirche sieht, fand es am Anfang auch "sehr, sehr ungewohnt", hat aber schnell gemerkt, "wenn man sich darauf einlässt" seien die Einschränkungen gar nicht so schlimm und das Erlebnis sei dennoch ein besonderes. Das hätten ihm auch schon mehrere Gläubige bestätigt, denen es ähnlich ergangen sei. "Man muss halt aus der Not eine Tugend machen", meint er.

Für Leonard Skorczyk war es "wirklich besonders für mich, wieder den Leib Christi empfangen zu können". Zuletzt habe er Gottesdienste im Internet-Stream mitverfolgt, doch die Kommunion sei eben "nur in Person hier möglich". In der vergangenen Woche war der junge Gläubige schon in St. Martin im Gottesdienst, jetzt war es die erste Sonntagsmesse in der Coronakrise. "Es ist sehr ungewohnt", meint er, freut sich aber trotzdem, auch wenn ihn die Regeln einschränken: "Ich bin jemand, der gerne mit anderen Gläubigen Kontakt hat. Mit anderen Gläubigen zu reden, ist wichtig für mich. Aber ich bin erstaunt darüber, wie gut beten und sogar singen unter der Maske funktioniert."

Gottesdienste: Gläubige dürfen wieder mitfeiern

Amberg
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