Amberg
05.12.2025 - 10:35 Uhr
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Eskalation nach Unfallflucht führt zu Bewährungsstrafe

Ziemlich viel auf einmal. Erst Unfallflucht, dann bewusst herbeigeführter Zoff mit zwei Polizisten. Beim Amtsgericht Amberg setzt es dafür ein halbes Jahr Haft mit Bewährung für einen 68-Jährigen. "Es tut mir alles sehr leid", sagt er.

Renitent zeigt sich ein 68-Jähriger bei der Überprüfung durch die Polizei. Der Vorfall landet vor Gericht. Symbolbild: Boris Roessler/dpa
Renitent zeigt sich ein 68-Jähriger bei der Überprüfung durch die Polizei. Der Vorfall landet vor Gericht.

Es geschah an einer Straßeneinmündung im nördlichen Landkreis Amberg-Sulzbach. Dort kam ein Autofahrer mit seinem Pkw leicht von seiner Richtung ab und touchierte einen Wagen, der sich gerade näherte.

Beide Fahrer stiegen aus, besahen sich den eher minimalen Schaden und redeten kurz. Dann fuhr der Verursacher weiter. "Ich hatte dem Mann meine Visitenkarte gegeben", hörte jetzt die Amberger Amtsrichterin Franziska Paintner von dem 68-Jährigen. Ob das tatsächlich stimmte, konnte im Prozess nicht näher aufgeklärt werden. Fakt war allerdings: Obgleich der Geschädigte zunächst von 4000 Euro Schaden an seinem Auto ausging, waren es letztlich nur 600 Euro. "Und ich", ließ parallel dazu der Beschuldigte wissen, "habe an meinem Fahrzeug nichts festgestellt, was man hätte reparieren müssen."

Von Polizei gestoppt

Die Polizei in Auerbach bekam noch am gleichen Tag eine Meldung von der Unfallflucht. Sie wusste, nach wem zu suchen war, und schickte einen Tag später eine Streifenwagenbesatzung zu dem 68-Jährigen. Auf der Anfahrt sahen die beiden Uniformierten den Gesuchten, stoppten ihn in seinem Pkw und wollten eben mit einer Absuche des Wagens auf mögliche Schäden hin beginnen, als der Mann plötzlich aggressiv wurde und ausrastete.

Was dann passierte, hatte Staatsanwalt Sven Oliver Lehner in einer längeren Anklageschrift aufgelistet. Darin stand, dass die beiden Beamten den Wagenschlüssel sicherstellen wollten, dabei sofort Widerstand zu spüren bekamen und körperlich zupacken mussten, um den renitenten Rentner zu Boden zu bringen. Die Ordnungshüter mussten Tritten ausweichen und hatten Mühe, den sich sperrenden Mann zu ihrem Dienstwagen zu verfrachten. Dabei trugen die Polizisten Schürfwunden davon und bekamen Schimpfworte wie "Rotzlöffel" zu hören.

Mehrere Straftatbestände

Was aus diesem Einsatz resultierte, war ein Straftatenpaket: Körperverletzung, tätlicher Angriff, Widerstand, Beleidigung. Über seinen Anwalt Helmut Miek ließ der allein lebende Rentner die Vorwürfe einräumen und entschuldigte sich bei den Polizeibeamten. "Es geht nicht, wie ich mich verhalten habe", sagte er und ergänzte, er habe eigentlich "nicht gewusst, was die von mir wollten."

In der Zusammenfassung ließ Staatsanwalt Lehner in seinem Schlussvortrag anklingen, dass die Unfallflucht "wohl nicht so gravierend war, wie sie sich anfangs darstellte." Allerdings brandmarkte der Anklagevertreter den Angriff auf die Polizisten als "sehr heftig" und ließ anklingen, es habe keinerlei Grund dazu bestanden, "sich so aufzuführen." Auf sechs Monate und zwei Wochen Haft mit Bewährung lautete der Strafantrag Lehners. Dieser Forderung setzte Verteidiger Miek entgegen: "Hier reicht doch eine Geldstrafe aus."

Führerschein zurück

Richterin Paintner stellte sich an die Seite des Staatsanwalts, verhängte eine Bewährungsstrafe von sechs Monaten und zwei Wochen gegen den mehrfach vorgeahndeten Mann. Außerdem setzte sie 1000 Euro Geldauflage hinzu. Angesichts der nicht sehr gravierenden Unfallflucht bekam der 68-Jährige seinen Führerschein zurück. Die Lizenz war heuer im Sommer von den Behörden sichergestellt worden.

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