Amberg
07.11.2019 - 09:12 Uhr

EU-Urheberrechtsreform: Die Krake Google an der OTH

Google als Online-Krake, die die Daten seiner Nutzer gnadenlos abgreift und weiterverkauft. Ist das so? Darüber und über das neue EU-Urheberrecht diskutierten Experten beim 4. Technik-Forum der OTH Amberg-Weiden.

Beim Technik-Forum der OTH diskutierten sie über das EU-Urheberrecht (von links): Patrick Santy, Prof. Dr. Fabian Brunner, Prof. Dr. Andrea Klug, Viola Vogelsang-Reichl und Prof. Dr. Maximilian Kock. Bild: Petra Hartl
Beim Technik-Forum der OTH diskutierten sie über das EU-Urheberrecht (von links): Patrick Santy, Prof. Dr. Fabian Brunner, Prof. Dr. Andrea Klug, Viola Vogelsang-Reichl und Prof. Dr. Maximilian Kock.

Der Dekan der Fakultät Elektrotechnik, Medien und Informatik, Professor Dr. Maximilian Kock, hatte das Thema ausgewählt, vielleicht weil es ihm selbst auf den Nägeln brennt. Er komponiert in seiner Freizeit Musikstücke und hat einschlägige Erfahrungen bei der digitalen Verbreitung seiner Werke gemacht. "Das geistige Eigentum wird scheinbar immer weniger Wert", beklagte er und outete sich sehr schnell als Freund der Urheberrechtsreform, die das Europäische Parlament im Frühjahr 2019 auf den Weg gebracht hat.

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Deutschland und die Welt26.03.2019

Demnach findet künftig ein Paradigmenwechsel statt. Große Internetplattformen wie Google oder sein Tochterunternehmen Youtube können sich nicht länger auf die unverfängliche Rolle des Nachrichtenüberbringers zurückziehen und damit einen Großteil der Verantwortung für die Inhalte, die sie verbreiten, von sich weisen. Vielmehr sind sie dazu verpflichtet, Lizenzen bei den Rechteinhabern einzuholen und bei Urheberrechtsverstößen zu haften.

Nur, wie soll das umgesetzt werden, bei einem Videoportal wie Youtube, bei dem weltweit pro Minute Videomaterial mit einer Länge von rund 500 Stunden hochgeladen wird? Genau das sollte nicht das Problem des einzelnen Nutzers, sondern des Online-Giganten sein, war eine der Meinungen bei der anschließenden Diskussion. Als probates Mittel gilt bislang die Anwendung von Upload-Filtern - Computerprogrammen, die Inhalte automatisch erkennen, kennzeichnen, zuordnen und bei Urheberrechtsverstößen gegebenenfalls blockieren. Professor Dr. Fabian Brunner erklärte, wie diese funktionieren. Doch diese technische Lösung führt zu etlichen Problemen. Patrick Santy, Technischer Leiter bei der Firma Bewegewas in Amberg, bracht sie auf den Punkt: "Upload-Filter sind nicht in der Lage, zu unterscheiden, ob Material gerecht verwendet wird, oder nicht." In vielen Fällen leide der Urheber darunter, also eigentlich derjenige, den das EU-Parlament schützen will.

Die Rechtsreform betrifft nicht nur Musik und Video, sondern auch Fotos und textbasierte Nachrichten. Deswegen war Viola Vogelsang-Reichl, geschäftsführende Verlegerin von Oberpfalz-Medien, gekommen, um ihre Sicht der Dinge darzustellen. Die Zeitungsverlage stünden der Reform positiv gegenüber, sagte sie, weil die Hoffnung bestehe, dass große Internetplattformen zumindest einen Teil ihrer Einnahmen an die Urheber abgeben müssen. "Qualitätsjournalismus kostet was", sagte sie und verwies darauf, dass Oberpfalz-Medien in der Region 400 Mitarbeiter, darunter 85 Redakteure beschäftige, um lokale Nachrichten zu produzieren. Es könne nicht sein, dass Google auf die Werke einzelner Journalisten oder mittelständischer Medienhäuser zugreife und damit Gewinne generiere ohne die Leistungserbringer zu beteiligen.

Die Urheberrechtsreform ist EU-weit noch lange nicht umgesetzt. In Frankreich ist im Oktober ein erstes Gesetz dazu in Kraft getreten, das offenbar die Erwartungen der Urheber bislang nicht erfüllt. In Deutschland ist die konkrete Ausgestaltung noch offen. "Die Frage, welchen Vorschlag die Bundesregierung dem Deutschen Bundestag (…) unterbreiten wird, ist noch nicht entschieden", antwortete das Bundesjustizministerium im September auf eine Anfrage der FDP im Parlament.

Handelsblatt-Bericht zum Stand des Gesetzgebungsverfahrens in Deutschland

 
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