22.10.2018 - 17:28 Uhr
AmbergOberpfalz

Mit Falschgeld auf Einkaufstour

Ein Amberger fährt zwei Stunden lang durch die Stadt Cheb. Ein damals 25-Jähriger stoppt an Tankstellen, geht in Geschäfte. Er kauft ein, zahlt mit falschen 50-Euro-Scheinen. Die Behörden im Nachbarland beginnen zu ermitteln.

Symbolbild
von Autor HOUProfil

Der Fall ist seit drei Jahren aktenkundig. Die Polizei im tschechischen Cheb (Eger) wurde nach dem 19. Juni 2015 tätig, als aus neun ortsansässigen Unternehmen nach und nach Anzeigen eintrudelten. Daraus formte sich das Gesamtbild: Ein mehrfach von Videokameras aufgenommener junger Mann war innerhalb von zwei Stunden in neun Tankstellen und Geschäften aufgetaucht. Er kaufte ein, zahlte mit 50-Euro-Scheinen, ließ sich Wechselgeld herausgeben und verschwand. Bei den Banknoten handelte sich um Fälschungen.

Tschechische Ermittler sammelten die Anzeigen, werteten sie aus und überließen alle weiteren Nachforschungen der Staatsanwaltschaft Amberg. Sie übernahm das Verfahren und klagte den mutmaßlichen Täter wegen Geldfälschung an. Daraufhin kam es vor geraumer Zeit zu einem Prozess. Doch er wurde abgebrochen. Denn damals stellte sich die Frage, ob der auf den Videos der Überwachungskameras gezeigte Mann tatsächlich auch der Verdächtige aus Amberg sei. Einem Fachgutachter lagen danach rund 90 Bildausschnitte vor. Der nun von weit her angereiste Experte im Professoren-Rang sah eine Identität mit nahezu 100-prozentiger Sicherheit gegeben. Doch mit seinem Referat konnte er sich vor dem Schöffengericht kurzfassen. Denn vorher hatte der heute 28-Jährige auf Anraten seines aus Bremen angereisten Verteidigers Hans Meyer-Mews zugegeben, dass er mit den falschen Fünfzigern in Tschechien gezahlt hat.

Eine Brücke zu diesem Geständnis hatten ihm auch Richter Markus Sand und Staatsanwalt Tobias Kinzler gebaut. In Übereinstimmung stellten sie dem Mann eine Strafe mit Bewährung in Aussicht. Unter Einbeziehung eines unlängst gegen ihn ergangenen weiteren Urteils bekam der Angeklagte 23 Monate Gefängnis, die er allerdings nicht abzusitzen braucht, wenn er sich drei Jahre straffrei führt. Außerdem muss der 28-Jährige 80 Arbeitsstunden zum Wohl der Allgemeinheit ableisten.

Woher die gefälschten Geldscheine stammten, mochte der Amberger nicht sagen. So blieben Mutmaßungen zurück. Eine lautete: Irgendwer jubelte ihm die Blüten in Tschechien unter und er gab sie, insgesamt 17 Banknoten, innerhalb von zwei Stunden aus, um sich schadlos zu halten. Deshalb lautete das Urteil nicht auf Geldfälschung, sondern darauf, dass wissentlich falsche Scheine in den Zahlungsverkehr gebracht wurden.

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