16.01.2020 - 14:21 Uhr
AmbergOberpfalz

Familienvater schrammt haarscharf am Gefängnis vorbei

Es gibt Gerichtsverhandlungen, die sich um Unspektakuläres drehen und erst zum Schluss dramatisch werden. Wie die Geschichte vom Familienvater, der sich im Wirtshaus aufführt und dann eigentlich für längere Zeit ins Gefängnis müsste.

Ein Familienvater wird im Wirtshaus aggressiv - und muss deswegen fast ins Gefängnis. Eine Strafe bekommt er trotzdem.
von Autor HWOProfil

Manchmal arbeitet die Justiz im Eiltempo. Erst vor wenigen Wochen von der Polizei angezeigt, fand jetzt ein Prozess wegen Körperverletzung und Sachbeschädigung vor Amtsrichter Florian Meißner statt. Mit zwei Promille Alkohol war ein 41-Jähriger im November 2019 in einem Amberger Lokal ausgerastet. Der Mann wollte nach Zeugenangaben "etwas klären" und griff dem Wirt, der ihn nach seinen Angaben "hinauskomplimentieren" wollte, an den Hals. "Nicht würgend, eher als Abwehrbewegung", wie der Gastronom jetzt dem Richter sagte. Verletzungen seien dabei nicht entstanden.

Der Hausherr rief die Polizei. Das geschah in erster Linie, um den Mann zur Räson zu bringen. Dies taten zwei uniformierte Beamte nachts um 1.15 Uhr. Sie fuhren den 41-Jährigen heim zu seiner Familie und nahmen mit in ihre Anzeige auf, dass der in dem Gasthaus bekannte Mann auch noch einen Tisch und einen Stuhl in seinem Zorn umgeworfen hatte. Die Marmor-Tischplatte zersprang. Wieder nüchtern, hatte der Täter gegenüber dem Wirt angekündigt, den Schaden zu begleichen.

Ein Fall, der in die Akten kam. Eigentlich kaum der Rede wert, nachdem der Lokalbetreiber dem Richter erklärt hatte, dass er kein Interesse an einer Ahndung habe. Doch kaum hatte er den Gerichtssaal verlassen, bekam die Sache eine gewisse Dramatik. Mit folgenden Komponenten: Eine Form von Körperverletzung hatte stattgefunden, außerdem war ein umgeworfener Tisch zu Schaden gekommen. Hinzu gesellte sich, dass der 41-Jährige unter Bewährung stand und bei einer Verurteilung für längere Zeit in das Gefängnis gemusst hätte. Und das alles wegen eines Auftritts, den der geschädigte Gastwirt längst abgehakt hatte. Zum Schluss des Prozesses wurde lange diskutiert. Richter Meißner brachte die Einstellung des Verfahrens gegen Geldauflage ins Gespräch. Doch der Angeklagte hätte lieber soziale Arbeitsstunden abgeleistet. Doch allein darauf mochte sich der Vorsitzende nicht einlassen. Deshalb kam es zu einer Art Kompromisslösung: Der Familienvater, in Schichtbeschäftigung hauptberuflich tätig, wird 40 Stunden ohne Bezahlung zum Allgemeinwohl tätig. Er zahlt ferner 300 Euro Schadensausgleich an den Wirt und weitere 700 Euro an eine gemeinnützige Organisation. Mit dem Fazit: Es hätte weitaus schlimmer für ihn kommen können.

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