20.03.2019 - 15:33 Uhr
AmbergOberpfalz

Fastenprediger Matthias Schöberl findet den Heiligen Gral der Politik

Noch einmal hat er sich die Bruder-Barnabas-Kutte übergestreift und zum Rundumschlag auf die Politik-Prominenz in Amberg ausgeholt: Matthias Schöberl klopfte an Josefi zum achten und letzten Mal den Volksvertretern auf die Finger.

Ein letztes Mal "Prost" als Bruder Barnabas hieß es am Dienstagabend für Matthias Schöberl, der seine Kutte nach acht Jahren an den Nagel hängt.
von PKMOProfil

Wie schon 2018 eröffnete mit Maximilian Winkler bereits die nachfolgende Generation die Josefifeier im Winkler-Bräuwirt. Anders als alle seine Vorgänger in der Familie trägt er den „Josef“ nur als zweiten Vornamen. Freibier für alle Namensvettern (auch die weiblichen) gab es am Namenstag trotzdem.

„Wie ich sehe, sind wir auch dieses Jahr wieder beschlussfähig“, freute sich Maximilian Winkler über die Anwesenheit der Stadträte und von Oberbürgermeister Michael Cerny. Der Oberpfälzer Sommelier-Begriff „hinterfotzig“ galt nicht nur für das Bockbier – sondern vor allem für die Rede von Matthias Schöberl.

Der Heilige Gral der Politik

Gleich zu Beginn verkündete Schöberl die frohe Botschaft: „Ich habe den Heiligen Gral der Politik gefunden.“ Damit meinte er keinen Maßkrug, sondern die heilsame Wirkung eines Rücktritts. Die Merkel und „der Seehorster“ hätten das schon begriffen.

So gut wie allen erwähnten Politikern gab Schöberl deshalb an diesem Abend stets den Tipp: „Treten S’ zurück!“ Der Einzige, den er ausdrücklich nicht dazu aufforderte, war der Oberbürgermeister. Für den gab es Lob für sein Verhalten nach der Prügel-Attacke: „Sie hatten sich in der Krise als gescheit und standhaft bewiesen. Selbst als sie der Claus Kleber konsequent mit „Herr Bürgermeister“ angeredet hat, haben sie nicht „Herr Slomka“ zu ihm gesagt.“

Über die Täter sagte Schöberl: „Leute, die nicht von hier kommen – sowieso. Aber die waren nicht nur nicht von hier, sondern nicht einmal von da.“ Es wäre nur wieder typisch: „Wenn man selbst mit dem Zug nach Amberg kommen will, dann geht alles schief. Aber wenn sich vier Asylbewerber zum Krawall verabreden, ist die Bahn natürlich pünktlich.“ Und obwohl die jungen Asylbewerber jede und jeden geschlagen hätten, habe es „zu einer soliden Sachbeschädigung am Miro-und-Poldi-Kunstwerk am Multifunktionsplatz natürlich wieder nicht gereicht“.

Vom Ende einer gescheiterten Liebe

Doch sogleich ging es zurück „in die Niederungen der Stadtpolitik“. Als „totalen Aufreger der letzten Monate“ bezeichnete er Birgit Fruth (SPD). Zuerst ihre Liaison mit Dieter Mußemann (CSU). Begonnen hatte alles an Josefi, da ist Schöberl sicher: „Da mutierte der Mußemann zum Schmusemann. Es war so harmonisch: Du und der Dieter. Die Schöne und das Biest. Die tollste Liebesgeschichte seit Romeo und Alpha.“

Dass es letztendlich in die Brüche geht, war Schöberl aber klar: „Die Ehe der Stadtrats-CSU und der Amberg-Sozis war von jeher eine Sünde wider die Natur und die Vernunft.“ Die Trennung per Zeitung war da nur konsequent, aber Schöberl mahnte: „Das macht man doch nicht! Die CSU ist ja nicht einmal fremdgegangen. Die haben’s ja nur selbst gemacht.“ Und stellte schließlich fest: „Selbst denken hat in der Politik immer etwas Irritierendes.“ Aber er selbst wäre natürlich nie auf solche schlüpfrigen Vergleiche gekommen, die lieferte Birgit Fruth schon selbst mit ihrer Aussage am politischen Aschermittwoch: „Es war ein ganz schlechter One-Night-Stand.“

Für den zweiten Aufreger sorgte Fruth mit der Wahl eines schulterfreien Kleides beim Neujahrsempfang: „Wenn Sie nicht pleite sind, warum können Sie sich dann nur noch ein halbes Kleid leisten?“ Schöberl stellte zwei Thesen auf, warum Fruth zu diesem Kleid griff: „Herr Mußemann, entweder die Frau will Sie zurück. Oder sie sucht verzweifelt einen Neuen. Ja, ich partei-shippe jetzt. Alle 18 Minuten verliebt sich ein Single in die SPD.“ Diese Pointe bescherte Schöberl einen tosenden Saal und überschwänglichen Applaus.

Der Smaragd an der Vils

Natürlich wurden auch die Stadträte Hans-Jürgen Bumes und Klaus Ebenburger von den Grünen sowie Eberhard Meier von den Freien Wählern nicht verschont. Wenigstens haben die Freien Wähler jetzt einen jungen OB-Kandidaten, der Amberg für einen ungeschliffenen Diamanten hält. Schöberl fragte: "Wieso nicht mal ein Smaragd? Der Smaragd an der Vils. Oder Bernstein. Passt farblich besser zum Bier."

Für die "Schweinstreiber von der AfD" hatte Schöberl nicht viel übrig: "Wenn ich sage, dass die AfD im Arsch ist, dann ist das auch keine Beleidigung. Denn der Gauland sagte doch selbst: Die AfD ist das Fieberthermometer der Republik."

Was an diesem Abend nicht fehlen durfte: Ambergs neues Wahrzeichen. Das Klebebildchen auf dem Parkdeck in der Marienstraße, über dessen gute Sichtbarkeit sich streiten lässt. Für den "nörgelnden" Stadtrat Rupert Natter hatte Schöberl einen Tipp: "Wenn Sie sich von der Brücke, vom Geländer, mim linken Fuß hinhängen und kopfüber, die Bauchmuskeln anspannen und sich quasi mitm Feldaufschwung nach oben ziehen und gleichzeitig den Kopf drehen und schielen - dann sehen Sie des doch ganz genau, des Bild."

Bayerisches Silicon Valley

Ministerpräsident Söders neue Bescheidenheit gefiel Schöberl dafür ganz und gar nicht. Zum Abschluss träumte er deshalb noch von Zukunftsvisionen der Vilsstadt: "Wir brauchen ein bayerisches Silicon Valley! Eine bayerische Mauer, die man vom Weltall aus sehen kann und die die Oberpfalz von Franken trennt. Und eine Tiefgarage so groß wie das Saarland, direkt in den Mariahilfberg gebaut. Und obendrauf ein Aussichtspoint-Pommes-Tanzsaal-Center. So groß wie das Schottenhammel-Zelt. Make Amberg great again!"

Stets über die Wunderwirkung des Rücktritts philosophierend, schloss sich am Ende von Schöberls Rede dann der Kreis: "Ich trete heute als euer Bruder Barnabas zurück", verkündete er das Ende einer Ära. Nach acht Jahren Levitenlesen und Zuprosten hängt Matthias Schöberl seine Bruder-Barnabas-Kutte an den Nagel. Unter Standing Ovations verabschiedete er sich mit den Worten: "Denkt immer daran, zu denken!" An Spekulationen über seine Nachfolge wollte er sich, ganz in Mönchs-Manier, aber nicht beteiligen.

Standing Ovations gab es nach seiner letzten Josefi-Rede für den scheidenden Fastenprediger Bruder Barnabas, alias Matthias Schöberl.
Die besten Schöberl-Sprüche:

Zum Kleid von Birgit Fruth beim Neujahrsempfang: "Wenn dieses Kleid eine politische Botschaft haben soll, dann müsste es schon der Martin Seibert anziehen. So stellt sich der Wähler die SPD vor."

Über Brigitte Netta: "Die musste Bürgermeisterin werden, und vorher hatte sie einen ehrbaren Beruf. Naja, Fachkräftemangel."

Zu Stadtrat Hans-Jürgen Bumes: "Wo haben S' denn den Karl Dall gelassen? Der ist doch ausweislich Ihrer Landtagswahlplakate für Sie angetreten, oder nicht?"

Zum Amberger Bunt: "Der Amberger Bunt ist so lebendig wie a doude Leich."

Zum Thema Artenvielfalt: "Früher, wenn die CSU einen Runden Tisch zur Artenvielfalt veranstaltet hat, nannte man das Jägerstammtisch."

Zur Bildungspolitik: "Wir müssen den skandinavischen Bildungsoasen und chinesischen Bildungsfabriken etwas Bayerisches entgegensetzen: das Schafkopfspiel."

Zu den Freien Wählern: "Die haben ganz genau studiert, wie man bei den Parteifinanzen tricksen kann. Christsoziales Trainingslager: Oberseminar für innovative Buchhaltung in Wildbad Kreuth."

Zur Airbus-Panne der Kanzlerin: "Ich vermute ja, dass der Seehorster die Bremsschläuche durchgeschnitten hat." (kmo)

Ambergs Polit-Prominenz bewies an Josefi Humor im Winkler-Bräuwirt.
Ein letztes Mal "Prost" als Bruder Barnabas hieß es am Dienstagabend für Matthias Schöberl, der seine Kutte nach acht Jahren an den Nagel hängt.
Ein letztes Mal "Prost" als Bruder Barnabas hieß es am Dienstagabend für Matthias Schöberl, der seine Kutte nach acht Jahren an den Nagel hängt.
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