16.09.2019 - 16:19 Uhr
AmbergOberpfalz

Fausthiebe unter Verlobten

Streithaftes Paar hält Polizei auf Trab und ist dennoch inzwischen miteinander verlobt. Der Fall aus dem Kreis Amberg-Sulzbach beschäftigt dennoch die Justiz.

Symbolbild
von Autor HWOProfil

Gut möglich, dass sich jetzt Polizisten in Franken mit einem leicht in Harnisch zu bringenden Paar abärgern müssen. Dort sind die Leute hingezogen. Vielleicht fliegt ja auch am neuen Wohnsitz der Fernseher aus dem Fenster, setzt es Hiebe, werden Uniformierte als Streitschlichter gebraucht.

Die Sache war ebenso markant wie rasch erledigt. Denn nach offenbar lautstark geführter Auseinandersetzung schwieg jetzt das männliche Opfer bei einem Prozess vor Amtsrichter Markus Sand. Auf der Anklagebank saß die Verlobte des 45-Jährigen. Sie sollte, wie der Vorwurf lautete, in einer Oktobernacht 2018 ihren Lebensgefährten mit Fausthieben traktiert haben.

Schauplatz des Geschehens war eine Wohnung im nördlichen Landkreis. Sulzbach-Rosenberger Ordnungshüter hatten sich immer wieder mal dort einfinden müssen, um heftigem Rumoren Einhalt zu gebieten. Um 1.20 Uhr rückten die Uniformierten damals an, zwei Stunden später mussten sie dort abermals auftreten.

Das Paar hatte dem Alkohol sehr ausgiebig zugesprochen, beim männlichen Part des Duos wurden satte drei Promille festgestellt. Aber auch die jetzt der Körperverletzung beschuldigte Frau war alles andere als nüchtern.

Den Unterlagen entnahm der Richter, dass der 45-Jährige im Verlauf länger andauernder Streitereien den Fernseher aus dem Wohnzimmerfenster warf. Dann bekam er von seiner Freundin zwei Fausthiebe. Einen ins Gesicht, den anderen an die Brust. Die 41-Jährige bestritt das nicht. Allerdings unterstrich sie mit Nachdruck, die Schläge seien dem Partner in höchster Not verabreicht worden. "Er ist", wie Richter Sand vernahm, "mit einer Riesenwucht auf mich zugekommen".

Weil das Paar neuerdings miteinander verlobt ist, hatte der mit Hieben zurechtgewiesene Mann ein Aussageverweigerungsrecht. Er machte Gebrauch davon - und schon war das Verfahren beendet.

"Müssen wir noch weitere Feststellungen treffen?", fragte der Richter. "Nicht erforderlich", hörte er von Staatsanwältin Vanessa Merl und Verteidiger Andreas Lösche. Beide plädierten auf Freispruch, Richter Sand schloss sich an. Danach verließ das Paar den Saal und kehrte zurück in die neue Heimat Franken. Die Sulzbach-Rosenberger Polizei wird nicht traurig über diesen Umzug sein.

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