30.07.2019 - 18:13 Uhr
AmbergOberpfalz

Darum feiern so viele Feuerwehren in der Region 150. Geburtstag

Viele Feuerwehren aus der Region sind vor 150 Jahren gegründet worden und feiern das. Der Amberger Feuerwehr-Historiker Heinrich Scharf erklärt, woran das liegt - und welche Wehr die älteste der Oberpfalz ist.

Gruppenbild der Amberger Feuerwehr vor ihrer umgebauten Wache im Jahr 1892 - fast dreißig Jahre nach der Gründung.
von Julian Trager Kontakt Profil

Der durchschnittliche Oberpfälzer sagt ja "Feierwehr" statt "Feuerwehr" - und zurzeit liegt er damit absolut richtig. In der ganzen Region feiern viele Feuerwehren ihren 150. Geburtstag. Große, oft dreitägige Feste, unter anderem in Wildenau und Plößberg (beide Kreis Tirschenreuth), Pleystein und Etzenricht (beide Kreis Neustadt/WN), Stadlern und Pfreimd (beide Kreis Schwandorf). Auch in den vergangenen Jahren stiegen viele solcher Partys in der Oberpfalz. Und in den kommenden Jahren wird sich das auch nicht ändern.

Will man wissen, woran das liegt, landet man im Büro von Heinrich Scharf, der bei der Stadt Amberg für die Verwaltung der Feuerwehr zuständig ist und sich als studierter Historiker mit der Geschichte der Oberpfälzer Feuerwehr beschäftigt.

Wenn's mal wieder länger dauert

Also: Warum feiern zurzeit so viele Wehren 150. Geburtstag? Scharf muss ausholen. Zurück ins Jahr 1848. Nach der bürgerlichen Revolution seien in Deutschland die ersten Vereine gegründet worden, und damit auch die ersten Feuerwehren. "Denn was anderes wie ein Verein waren die auch nicht", sagt Scharf. Der Obrigkeit habe es allerdings weniger gut gefallen, dass sich die Bürger erstmals selbst organisierten.

Bis in der Oberpfalz die ersten Feuerwehren entstanden, dauerte es aber noch ein paar Jahre. "Bei uns in der Gegend war das tatsächlich erst in den 1860er Jahren", sagt Scharf. Da war die Revolution schon weit weg, und die Obrigkeit habe die neuen Verhältnisse bereits geduldet.

Weniger rebellisch

Aber selbst die anscheinend weniger rebellischen Oberpfälzer mussten irgendwann reagieren und Feuerwehren gründen. Wegen der Industrialisierung und der vielen technischen Errungenschaften kam es damals zu großen Bränden, in Fabriken, Theatern. "Da ist der Gedanke des Feuerwehrwesens entstanden", sagt Scharf, dessen Büro ein Mix aus Museum (viele ausländische Feuerwehrhelme) und Bibliothek (sehr viele Feuerwehrbücher) ist.

Die älteste Wehr der Oberpfalz ist die Freiwillige Feuerwehr Regensburg. Sie wurde 1858 gegründet, zwei Jahre später entstand in Roding (Kreis Cham) die zweitälteste des Bezirks. Die Feuerwehr Weiden gibt's seit 1861, die Amberger seit 1865.

Die ersten Wehren rekrutierten sich vor allem aus Turnvereinen. Weitere Vorläufer sind die Steigercorps, die nicht nur fürs Löschen, sondern auch fürs Retten des Hab und Guts zuständig waren, erklärt Scharf. Das war dann auch eine der Aufgaben der früheren Feuerwehren. Der klassische Feuerwehrmann war zu dieser Zeit Hausbesitzer, gehobenes Bürgertum - einer, der Besitz und damit bei Bränden etwas zu verlieren hatte.

Früher viel mehr Leute

Die größten Unterschiede zwischen damals und heute, abgesehen von der Technik? Früher stand vor allem die Brandbekämpfung im Vordergrund, sagt Heinrich Scharf. Der größte Unterschied sei die technische Hilfeleistung. Bei Verkehrsunfällen, Wohnungsöffnungen, Ölspuren. "Das gab's früher im selbstverständnis der Feuerwehr nicht." Heute machen "solche Geschichten 70 Prozent der Arbeit aus".

Bis vorm Zweiten Weltkrieg waren "viel, viel mehr" Leute bei der Feuerwehr. In Amberg waren es zu Beginn des 20. Jahrhunderts mehr als 400. Heute sind es 119, inklusive Jugend. "Damals hast du die Manpower aber auch gebraucht, es gab ja keine Maschinen", sagt Scharf. An einer Spritze waren bis zu 16 Mann, alle 15 Minuten mussten die ausgewechselt werden, "weil sie vom Pumpen platt waren".

Zudem hat sich die Einstellung der Menschen geändert - nicht zum Vorteil der Feuewehren. Früher sei es noch selbstverständlich gewesen, zur Feuerwehr zu gehen. "Auf dem Dorf ist das noch immer so, in den Städten aber nicht", sagt Scharf. "Dort hat man zu kämpfen, gut funktionierende Freiwillige Feuerwehren aufrechtzuerhalten."

Die Situation der Oberpfälzer Feuerwehr:

161 Jahre nach der Gründung der ersten Wehr gibt es in der Oberpfalz 1037 Feuerwehren und 53 589 Feuerwehrleute, 9096 davon sind Jugendliche. „Die Nachwuchssituation ist immer noch gut“, sagt Heinrich Scharf, der auch Bezirksjugendwart ist. Aber: Es werde zunehmend schwieriger, neue Mitglieder zu werben. Vor allem in den Ballungszentren wie Weiden oder Amberg werde sich das Feuerwehrwesen professionalisieren.

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