21.01.2019 - 16:49 Uhr
AmbergOberpfalz

Feinschliff für die Todsünden beim Amberger Welttheater

Der König verpasst seinen Auftritt. Gewollt. Dann steht er da wie ein Häufchen Elend. Ebenfalls gewollt. Das Publikum soll ruhig sehen, welche Dilettanten sich anschicken, den Winterkönig in einer Parodie zu verspotten.

Noch ohne schrille Kostüme, aber mit viel Herzblut bei der Sache: Die Komödiantentruppe, die im Welttheater den Winterkönig verspottet, probt in der Alten Reitschule der Knappschaftskapelle.
von Kristina Sandig Kontakt Profil

Bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt scheint es absurd, an ein Freilufttheater an einem lauen Frühsommerabend zu denken. Doch der kommt schneller als man denkt - und damit auch die Premiere des Welttheaters "Der Herbst des Winterkönigs" am Freitag, 24. Mai, auf dem Mariahilfberg. Die Proben dafür haben begonnen.

Königin führt jetzt Regie

"Ich werde es ertragen, sollen sie nur über mich lachen, es ist nur ein Spiel", sagt Andy Kuntz, der heuer zum dritten Mal in die Rolle des Winterkönigs schlüpfen wird. Nicht mehr an seiner Seite sein wird Astrid Vosberg als seine Frau, die schottische Königstochter Elisabeth Stuart. Vosberg ist jetzt die Regisseurin. Mit der Szene, in der Friedrichs Kammerdiener Jan (Reinhold Escherl) den König davon abhalten will, das Schmähstück, mit dem eine fahrende Schauspielertruppe den glücklosen Regenten verspottet, anzuschauen, ist Vosberg noch nicht so ganz zufrieden. "Mach das mal schärfer, das ist mir noch zu weich", fordert sie Kuntz auf.

Gewollte Übertreibung

Auch einige Darsteller der fahrenden Schauspielertruppe samt ihres Ansagers (Jürgen Huber) warten auf ihren Auftritt bei der Probe in der Alten Reitschule. "Ihr dürft ruhig übertreiben", sagt Astrid Vosberg zu den Akteuren, die auf dem Gaukler-Wagen Elisabeth und Friedrich, aber auch Neid und Hoffart mimen werden. Der Spielansager soll zunächst den König ankündigen, doch der ist noch gar nicht in Position, muss erst auf die Bühne gezerrt werden. Jürgen Huber ist Vosberg dabei nicht energisch genug. "Da darfst schon hinlangen", sagt sie. Und Huber lässt sich nicht zweimal bitten.

Die beiden Schauspieler, die die Todsünden darstellen, gucken zu. Noch. Denn gleich werden sie ihren Auftritt verpatzen. Auch das ist gewollt. "Da darf man schon ein bisschen die Komödie bedienen", erklärt Vosberg. Sie lässt die Szene nochmals spielen. So ganz zufrieden ist sie immer noch nicht. Das nächste Mal klappt es schon besser, viel besser. Der Neid säuselt dem Winterkönig-Parodisten ins Ohr, er möge Lisabeth von Engeland, wie die künftige Gemahlin Friedrichs spöttisch genannt wird, gut festhalten. "Sonst fliegt dein Goldfasan davon." Astrid Vosberg ist dies keck genug. "Sehr gut", lobt sie die Laien. Vosberg sagt den Darstellern immer wieder, sich dieses und jenes zu denken - denn mit Gedanken kommen Mimik und Gestik.

So wird sich im Frühsommer Jürgen Huber auf dem Mariahilfberg an den Pfosten des Wagens seiner fahrenden Truppe lehnen und sich denken: "Was für Vollpfosten." Momentan muss er zwar mit dem gusseisernen Rahmen des Schaukastens im Probenraum der Knappschaftskapelle vorlieb nehmen, doch die Fassungslosigkeit, welch Gurkentruppe auf seinem Gaukler-Wagen steht, steht ihm jetzt schon ins Gesicht geschrieben. Zufrieden nickt Astrid Vosberg. Vor ihr und den Akteuren liegt noch jede Menge Arbeit bis zu den Aufführungen. Doch Spielfreude und Zusammengehörigkeitsgefühl sind schon jetzt deutlich zu spüren.

Zeit für Scherze bleibt freilich auch. Zum Beispiel, wenn Jürgen Huber an Andy Kuntz' Hemd zieht. "Er ist der einzige König, der ein Fan-Shirt von seinem Diener hat", zieht er den Winterkönig-Darsteller auf, der ein Shirt mit dem Konterfei von Reinhold Escherl in dessen legendärer Boandlkramer-Rolle bei der Aufführung des Brandner Kaspers auf dem Wutschdorfer Kirchplatz trägt.

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