26.01.2020 - 14:02 Uhr
AmbergOberpfalz

Flashmob der Musiker: Abgesang aufs Amberger Josefshaus

Der Wind pfeift durch das Gerippe, das vom legendären Amberger Kulturtempel übrig geblieben ist. Noch einmal spielt hier die Musik, wenn auch nur für zwei Songs. Musiker erweisen dem Josefshaus als Stück Stadtgeschichte die letzte Ehre.

Stilecht mit Kaffee, Schwarzwälder Kirsch, frühlingshaften Tulpen und natürlich dem richtigen Sound verabschieden sich die Amberger Musiker von Special Gue$t und Major Knockout vom legendären Kulturtempel namens Josefshaus.
von Kristina Sandig Kontakt Profil

Bei einem Flashmob am Samstagnachmittag haben Amberger Musiker dem Josefshaus als Kulturtempel der Stadt die letzte Ehre erwiesen. Die Idee zu dieser Guerilla-Aktion, wie man die kleine, aber feine Abschiedsfete für das altehrwürdige, zwischenzeitlich entkernte Josefshaus auch nennen könnte, hatte Stefanie Zehetbauer.

Das entsteht aus dem Josefshaus

Amberg

Sie ist erfreut, dass so viele zum Flashmob gekommen sind: Musiker, aber auch Zuhörer, die sich das allerletzte Konzert, das dort über die nicht mehr vorhandene Bühne gehen wird, nicht entgehen lassen wollen. Die Leute schleppen Instrumente ran, holen einen Tisch aus einem VW-Bus, stellen ihn dort auf, wo früher legendär gefeiert wurde. Eine Tischdecke, eine Schwarzwälder Kirschtorte, Kaffee und frische Schnittblumen in einer Vase: Der Abgesang auf das Josefshaus hat Stil, gar keine Frage.

Der Flashmob im Video

Und dann legen die Musiker auch schon los, spielen einen legendären Song der nicht minder legendären Amberger Band Major Knockout: "I'm a Backstreet Lover". Selbstverständlich mit dabei: Helmut Spörl, der es über Jahrzehnte mit Major Knockout anständig rocken ließ, eben auch im Josefshaus. Wehmütig erinnert er sich an die glorreichen Zeiten des Hauses. Hier hatte er vor über 50 Jahren seinen ersten Auftritt. Damals war er 15, die Band hieß Holy Slow Train. Dass er traurig ist über das Ende des Josefshauses, verhehlt er nicht. Ein Tempel für die Amberger Musiker sei es gewesen, erzählt er. Eine Schande ist es in seinen Augen, "dass der Saal weggekommen ist". Aus Helmut Spörl sprudeln große Namen nur so heraus: Udo Jürgens, Willy Brandt, die Krautrockbands Guru Guru und Kathargo, Herman Brood und natürlich Mitch Ryder aus den USA. Sie alle und noch viele andere hat der Saal des Josefshauses gesehen.

Mit "Riot crew" von Special Gue$t geht das allerletzte Konzert munter weiter. Und weil's so schön ist, gibt's als Zugabe die Songs gleich nochmal. Dann aber ist endgültig Schluss mit dem Josefshaus als Konzertbühne. "Servus, Josefshaus", schreien die Musiker ihren Wehmut hinaus und verneigen sich vor jenem Ort, der über Jahrzehnte die Kultur in der Stadt mitgeprägt hat. "Es war eine ganz geile Party", sagt Winni Rudrof, Flashmob-Mitorganisator. Vor allem freut er sich, dass so viele Musiker gekommen sind, "die im Josefshaus groß geworden sind".

Da geht’s lang: Der Weg zum allerletzten Auftritt im Josefshaus führt über das Baugerüst.

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