24.09.2018 - 18:50 Uhr
AmbergOberpfalz

Flashmob ist plötzlich keiner mehr

Die Stimmung ist entspannt beim Flashmob. Hin und wieder brandet Applaus auf, wenn Stadträte vorbeigehen, die das Anliegen der IG Menschengerechte Stadt unterstützen. Auch die plötzlich auftauchende Polizei wird nicht zum Störenfried.

Mit Transparenten zeigen am Montagabend die Flashmob-Teilnehmer auf dem Marktplatz den Stadträten ihre Meinung zum Bauvorhaben auf dem Bürgerspitalgelände.
von Markus Müller Kontakt Profil

Mit einem spontanen Flashmob wollte die Interessengemeinschaft Menschengerechte Stadt am Montagabend vor der Sitzung des Stadtrats mit der Abstimmung über den Bebauungsplan zum Bürgerspitalgelände noch einmal ihre Ablehnung des Bauvorhabens von Investor Ten Brinke demonstrieren.

"Ich glaube nicht, dass wir unmittelbar was bewegen können", meinte IG-Vorstandsmitglied Stefan Reuther gegenüber der AZ. Möglicherweise könne man noch dem einen oder anderen SPD-Stadtrat ein schlechtes Gewissen machen, aber das Stimmenverhältnis im Gremium sei ja eigentlich klar. Man sehe den Flashmob als "letzte Möglichkeit, auf schiedlich-friedliche Weise zu zeigen, was wir davon halten". Danach stehe aber immer noch der juristische Weg offen, die Normenkontrollklage.

Der recht knapp erscheinende IG-Vorsitzende Achim Hüttner (er war auf der Heimreise von Berlin in einen Stau geraten) wurde schon von zwei Polizeibeamten erwartet. Sie machten ihm nach eigener Aussage klar, dass der genehmigungsfreie spontane Flashmob in dem Moment zu einer meldepflichtigen politischen Kundgebung wurde, als die Amberger Zeitung darüber vorab berichtete. Negative Konsequenzen hatte das für die Veranstaltung aber nicht. Sie zog rund 120 Unterstützer auf die Fläche um den Hochzeitsbrunnen, also deutlich mehr als die 83 Mitglieder der IG. Ihre Transparente gingen von zurückhaltenden Parolen wie "Kein Betonklotz im Ei" oder "Stadtbild erhalten statt spalten" bis hin zu recht deftigen Aussagen: "Wackersdorf ist Amberg - Hallo liebe SPD-Stadträte, ihr seid nicht besser als Franz Josef Strauß, wenn ihr dem zustimmt".

Achim Hüttner war mit der Resonanz "total zufrieden". In einer kurzen Ansprache warf er der Stadtratsmehrheit eine "rückwärtsgewandte Politik" vor. Überall in Deutschland diskutiere man, wie man Autos aus den Innenstädten rausbringe, in Amberg dagegen hole man sie mit einem "Einfahrts-Moloch" hinein. Die Stadt habe hier ihren Einfluss aus der Hand gegeben, jetzt bestimme der Investor. Stadtrat Klaus Ebenburger (Grüne) forderte die Demonstranten auf, mit in die Sitzung raufzugehen, um so ihr Anliegen zu unterstützen. Doch nur einige wenige kamen mit in den Rathaussaal.

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