14.10.2020 - 17:10 Uhr
AmbergOberpfalz

Fliegende Semmeln und SMS: Stalker machte Ex-Freundin das Leben schwer

Auf dem Richtertisch liegen 13 Leitzordner mit mehreren Tausend Protokollseiten. Darin ist schriftlich festgehalten, wie ein 43-Jähriger über fast drei Jahre hinweg seiner Ex-Freundin nachstellte.

Ein 43-Jähriger hat vor dem Landgericht Amberg Revision beantragt. Er war wegen Stalkings verurteilt worden.
von Autor HWOProfil

"So etwas habe ich in meiner langen Laufbahn noch nicht erlebt", zog der Amberger Strafkammervorsitzende Peter Hollweck Bilanz. Er meinte damit etliche Dutzend Vorfälle, die zwischen 2017 und 2019 eine Polizeidienststelle im südlichen Landkreis Schwandorf beschäftigten. Dort war eine heute 29-Jährige nahezu ununterbrochen erschienen und hatte Anzeigen gegen ihren Ex-Partner erstattet. Nach der Trennung war der 43-Jährige im wahrsten Sinn des Wortes nicht zu bremsen: Er verfolgte die Frau mit seinem Auto und zu Fuß, bremste sie aus, startete Kanonaden mit Vorwürfen, tauchte am Elternhaus seines verängstigten Opfers auf. Buttersäure wurde ausgeschüttet, eine Ladung Semmeln flog ans Fenster.

Üble Drohanrufe

Die Ex-Freundin erhielt üble Drohanrufe, wurde mit SMS-Nachrichten überflutet. Drei Mal wechselte ihre Telefonnummer. Als Polizisten ermittelten, gerieten auch sie ins Visier des Mannes: Er setzte zu Beleidigungen an, zeigte den Stinkefinger.

Heuer im Frühjahr kam es zu Prozessen vor den Amtsgerichten Amberg und Schwandorf. Dabei gab es Haftstrafen von zwei Jahren und in der zweiten Verhandlung von zwei Jahren und drei Monaten. Seit Juli 2019 saß der 43-Jährige in U-Haft. Die Richter setzten ihn nicht auf freien Fuß. "Ihm mangelt es an Reue und Einsicht", hieß es.

Vor dem Landgericht Amberg kam es jetzt zu einem Berufungsverfahren, bei dem beide Ersturteile zur Debatte standen. Elf Prozesstage hatte die Dritte Strafkammer dafür angesetzt. Doch schon nach vier Stunden war die Verhandlung beendet. Der Beschuldigte beschränkte seine Einsprüche auf den sogenannten Rechtsfolgenausspruch, focht nur noch die Höhe der Freiheitsstrafen an. Gleichzeitig aber hatte er damit auch zugegeben, dass alles, was er als Dauer-Stalker angestellt hatte, seine Richtigkeit besaß. In den ersten Instanzen waren von ihm nahezu sämtliche Vorwürfe bestritten worden.

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Grafenwöhr

"Halten Sie sich fern"

Die Kammer musste eine Gesamtstrafe bilden und sie hatte dabei das ihr nun vorliegende Geständnis zu würdigen. Das führte zu einer Gesamtstrafe von zweieinhalb Jahren Gefängnis. Nach 15 Monaten U-Haft wurde der Angeklagte vorerst auf freien Fuß gesetzt. Er muss allerdings wegen Fluchtgefahr seine Personaldokumente abgeben, hat in den kommenden zwei Jahren keinen Führerschein und bekam regelmäßige Meldungen bei der Polizei zur Auflage. Am wichtigsten aber erschien Richter Hollweck diese Weisung: "Halten Sie sich von der Frau fern."

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