09.07.2019 - 16:45 Uhr
AmbergOberpfalz

Sich wie ein Flüchtling fühlen

"Was würdest du mitnehmen, wenn du noch heute dein Zuhause verlassen müsstest?" So lautet nur eine der vielen Fragen, denen sich Besucher der Wanderausstellung Youniworth im Jugendzentrum stellen können.

von PKMOProfil

Kopfhörer auf, Lebensgeschichte an: Bernadette hat drei Geschwister und kommt aus dem Kongo, heute lebt sie in Bad Kreuznach in Rheinland-Pfalz. Ihre Geschichte teilt sie, genau wie drei weitere Jugendliche, mit den Besuchern der Wanderausstellung Youniworth, die es jetzt im Jugendzentrum Klärwerk an der Bruno-Hofer-Straße zu erleben gibt. Initiiert wurde die Präsentation vom CJD-Jugendmigrationsdienst Sulzbach-Rosenberg.

"Für mich stehen die Jugendlichen heute im Fokus, deshalb will ich gar nicht lange reden", erklärte Schirmherr Landrat Richard Reisinger bei der Eröffnung am Montagabend. Gerne sei er trotz der vielen Termine um diese Jahreszeit gekommen. Schirmherrin Bürgermeisterin Brigitte Netta übermittelte eine Videobotschaft aus der Partnerstadt Périgueux in Frankreich. "Nur wer das Andere kennt, weiß, dass wir gemeinsam die Zukunft in der Hand haben", beendete sie ihren Video-Gruß. "Weil Musik verbindet", wie Respekt-Coach Sinah Mönch erklärte, gab es eine Tanzeinlage von Schülerinnen. Schnell trauten sich die engagierten Mädchen ins Publikum und rissen viele Besucher mit ihrem Tanz mit.

Interaktiv und multimedial

"Verstehen - Begegnen - Zusammenleben!", lautet das Motto der Ausstellung, die junge Menschen in Austausch und Dialog bringen und für die Themen Jugend und Migration sensibilisieren soll. An sieben Stationen sollen die Jugendlichen erfahren, was Flucht bedeutet und welchen Problemen Flüchtlinge auf ihrer beschwerlichen Reise ausgesetzt sind. Der rote Faden dabei ist, dass die Inhalte multimedial und interaktiv vermittelt werden. Von der Selfie-Station über einen Selbsttest zu Vorurteilen bis hin zum virtuellen Packen des Fluchtkoffers per Touch-Screen. Überall gibt es Schübe, die man herausziehen kann, Tafeln, die man umklappen muss oder Kopfhörer, die einem Musik vorspielen. Besonders beliebt: Die Station "Wörter mit Migrationshintergrund". Auf großen gelben Tafeln stehen vermeintlich deutsche Wörter. Beim Umklappen der Tafeln wird man eines Besseren belehrt. Viele Wörter der deutschen Sprache haben eine exotische Herkunftsgeschichte. So stammt der Tollpatsch eigentlich aus der ungarischen Sprache und Joghurt wurde aus dem Türkischen entlehnt. Aktionen wie diese sollen Jugendlichen helfen, Migration zu verstehen, Menschen zu begegnen und ihr friedliches Zusammenleben zu gestalten.

Gelungener Start

"Wir hatten heute Vormittag schon die erste Klasse hier, und die Ausstellung kam super an. Die geplanten 90 Minuten haben nicht gereicht, weil es so viel zu entdecken gibt", erklärte Andrea Rausch vom CJD. Noch bis Mittwoch, 17. Juli, bleibt die Wanderausstellung in Amberg. Sie ist vor allem ein Angebot für Schulklassen und Jugendgruppen. Für die Öffentlichkeit ist die Präsentation am Freitag, 12. Juli, von 18 bis 21 Uhr, am Samstag, 13. Juli, von 12 bis 16.30 Uhr und am Sonntag, 14. Juli, von 14 bis 18 Uhr, geöffnet. Zudem gibt es ein Rahmenprogramm.

Rahmenprogramm:

Rahmenprogramm

Den Auftakt macht am Mittwoch, 10. Juli, um 19 Uhr der Vortrag "Let's talk about Socialmedia". Am Donnerstag, 11. Juli, gibt es um 18 Uhr eine Lesung mit Nicole Allwang, Gewinnerin des Deutschen Jugendbuchpreises 2018. In Kooperation mit der Umweltwerkstatt Amberg folgt am Freitag, 12. Juli, ein "Friday for future"-Special" in Form einer Klima-Chaos-Rallye. Und am Samstag, 13. Juli, beteiligt sich die Ausstellung mit einer "Respekt- Wand" am Spendenlauf der Luitpold-Mittelschule. (kmo)

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.