30.10.2019 - 17:41 Uhr
AmbergOberpfalz

Föst kritisiert Freie Wähler: "Aiwanger will gar nichts"

Der Landesparteitag der FDP findet zum dritten Mal in Amberg statt. Vorsitzender Daniel Föst verrät im Interview, warum die Partei so gut dasteht und warum Energieversorgung so wichtig ist.

Daniel Föst will wieder Landesvorsitzender der FDP werden. Die Wahl findet beim Landesparteitag in Amberg am 16. November statt.
von Elisabeth Saller Kontakt Profil

Beim Landesparteitag der FDP im ACC in Amberg (16. und 17. November) haben die Delegierten nun die Wahl zwischen den Bundestagsabgeordneten Daniel Föst aus München und Ulrich Lechte aus Regensburg. Im Interview erläutert der 43-jährige Föst, warum er entspannt bleibt und was er von der AfD hält.

ONETZ: Sie haben mit Ulrich Lechte einen Gegenkandidaten. Wie entspannt sehen Sie die Wahl?

Daniel Föst: Daniel Föst: Wir haben in den letzten zwei Jahren sehr gut in der FDP Bayern gearbeitet. Wir haben ein großes Programm gestartet, das die FDP Bayern gleichermaßen für Frauen und Männern attraktiv macht. Es gibt einen Rekord bei den Mitgliedszahlen und an Mittelzuflüssen. Wenn man am Landesparteitag bewertet, wie die FDP Bayern heute dasteht, bin ich ganz entspannt.

ONETZ: Waren Sie über die Gegenkandidatur überrascht?

Wir arbeiten seit 2013 an der Modernisierung der FDP. Nicht jeder ist damit immer glücklich, das habe ich bemerkt. Würde es aber keinen Wettbewerb beim Landesparteitag geben, wäre es die erste Wahl seit acht Jahren ohne eine solche Wettbewerbssituation. Es ist also fast schon Tradition bei uns.

ONETZ: Was soll im Leitantrag stehen?

Wir stellen den Landesparteitag unter das Motto „Bayern wächst mit seinen Menschen“. Wir beraten im Leitantrag, wie wichtig die Kommunen in Bayern sind, wie die Infrastruktur in ländlichen Raum ausgebaut und das Gefälle Land-Stadt überwunden werden kann.

ONETZ: Wo gibt es in der Oberpfalz interessante Kandidaten für die Kommunalwahl?

Überall. Wir haben in Regensburg mit Horst Meierhofer einen sehr profilierten Kandidaten als OB. Auch zum Beispiel in Sulzbach-Rosenberg mit Christian Weiß und Neumarkt mit Peter Fuhrmann gibt es spannende Kandidaten.

ONETZ: Haben die denn eine Chance?

Die FDP stellt momentan acht Bürgermeister in Bayern. Zu jedem hat man gesagt: „Du hast doch keine Chance.“ Wenn man mit einem guten Programm, Geschlossenheit und charismatischen Kandidaten in die Kommunalwahl geht, ist nichts unmöglich.

ONETZ: Wo sind die Unterschiede zu den Freien Wählern?

Die Freien Wähler haben bei der Energiepolitik rückwärtsgewandte Ansichten. Energieminister Aiwanger will keine Windräder, keine Stromtrassen, gar nichts. Das ist gefährlich, Bayern ist ein Wirtschaftsstandort, wir brauchen eine sehr verlässliche Energieversorgung. Auch brauchen wir eine bessere digitale Entwicklung in Bayern, auch in der Oberpfalz. Das ist wichtig für die Jobs in der Region. Die Freien Wähler haben das nicht auf dem Schirm.

ONETZ: Würde Ihre FDP auch mit der CSU koalieren wie Aiwanger?

(lacht) Die Frage stellt sich erst bei der nächsten Landtagswahl. Wir stehen grundsätzlich zur Verfügung, wenn wir merken, dass wir moderne Politik machen können. Das einzige, was für uns nicht geht: eine Koalition mit AfD oder Linke. Aber die Linke spielt in Bayern keine große Rolle.Sie sitzen im Bundestag.

ONETZ: Was ist dort die liberale Handschrift?

Ja, uns sind mehrere Punkte gelungen, insbesondere der Digitalpakt für die Schulen und dass die Grundsteuer nicht das Bürokratiemonster wird, das Scholz haben wollte.

ONETZ: Wie ist es mit der AfD? Kann man mit denen reden?

Ganz schwierig. Das sind unangenehme Zeitgenossen. Wir sitzen im Bundestag direkt neben ihnen, da werden ordentlich Beleidigungen rübergebrüllt. Ich würde lieber woanders sitzen. Es gibt ein paar, die moderater sind. Aber jeder, der heute noch in der AfD ist, trägt den Rechtskurs von Höcke mit. Das ist für mich schwer zu verdauen.

ONETZ: Werden Sie Zeit haben, sich in Amberg auch kurz umzusehen?

Weniger als mir lieb ist. Wir sind zum dritten Mal für den Parteitag in Amberg. Was die Stadt bietet, ist toll. Ich war letztes Jahr am Ende des Parteitags noch mit meiner Familie auf dem Maria-Hilf-Berg. Mir gefallen auch die Abende im Schloderer Bräu. Wenn ich mal Zeit habe, würde ich mir gerne das Luftmuseum ansehen.

Zur Person:

Daniel Föst ist 43 Jahre alt, verheiratet und hat zwei Söhne. Er stammt aus der Röhn, hat nach dem Abitur eine Lehre zum Möbelverkäufer gemacht und dann Betriebswirtschaftslehre studiert. Föst lebt in München. 2005 trat er in die FDP ein, seit 2017 ist er Landesvorsitzender. Ebenfalls seit 2017 ist er Bundestagsabgeordneter für den Wahlkreis München-Nord.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Maria Estl

Mit Verlaub, Herr Föst, sind Sie nicht informiert oder sagen Sie bewusst die Unwahrheit? Hubert Aiwanger hätte gern viel mehr Windräder und wird dafür von den Windkraft- und Energiewendegegnern des VLAB immer wieder kritisiert. Wer die Windkraft verhindert, ist die CSU, sie hat 2014 ohne Not 10H in Bayern etabliert und damit den Zuwachs am sauberen Strom der Windkraft in Bayern zum Erliegen gebracht. Gegen den überdimensionierten Stromnetzausbau ist Aiwanger freilich zu Recht, und dafür erhielt er bei der Gründungsveranstaltung des Landesverbands Erneuerbare Energien (LEE) auch Beifall.
Aktuell sind die Freien Wähler die politische Gruppierung, die die Energiewende mit allen ihren Facetten in Bayern wieder auf die Tagesordnung gebracht hat. Wohingegen die FDP in den Bundesländern Nordrhein-Westfalen und Hessen strikt dagegen ist. So hat man in NRW die 10H Regel eingeführt und in Hessen handelte sich Ihr Parteikollege Rene Rock, FDP-Fraktionsvorsitzender im hessischen Landtag, eine Abmahnung in seinem Kampf gegen Windkraft ein. Seine Pressemitteilung zu einem Windpark in Hessen war von „Fake News“ geprägt.

31.10.2019