30.09.2020 - 12:30 Uhr
AmbergOberpfalz

Fraktionsübergreifende Einigkeit: Bahn muss nachbessern

Das Thema Bahnstromausbau elektrisiert weiter. Nun haben Landrat und Stellvertreter sowie Fraktionsvorsitzende im König-Ruprecht-Saal im Amberg-Sulzbacher-Landratsamt eine gemeinsame Stellungnahme dazu unterzeichnet.

Fraktionsübergreifende Einigkeit herrschte bei der Unterzeichnung der Gemeinsamen Stellungnahme zum Bahnstromausbau durch den Landkreis Amberg-Sulzbach und die Stadt Amberg. Landrat Richard Reisinger hält das Dokument in die Kamera.
von Externer BeitragProfil

Die Bürgermeister der betroffenen Kommunen haben schon unterzeichnet, jetzt setzten auch die stellvertretenden Landräte und Fraktionsvorsitzenden des Landkreises Amberg-Sulzbach ihre Unterschrift unter die „Gemeinsame Stellungnahme zum Bahnausbau Nordostbayern-Bahnstrom (Elektrifizierung) im Landkreis Amberg-Sulzbach und der Stadt Amberg“. Auf Einladung von Landrat Richard Reisinger trafen sich die Unterzeichner dazu im König-Ruprecht-Saal des Landratsamtes und einigten sich auf ein gemeinsames Vorgehen. Ihr Ziel ist es, die Deutsche Bahn bei der Planung der Stromtrasse zum Nachbessern aufzufordern, heißt es in einer Presseinformation dazu. „Wir wünschen uns die Elektrifizierung der Bahn durch den Landkreis, damit wir die infrastrukturelle Zukunftsfähigkeit unserer Region voranbringen können. Damit dies menschen- und landschaftsverträglich geschieht und Stromtrassen vermieden werden, müssen jedoch alle technischen Möglichkeiten ernsthaft geprüft und realisiert werden“, erklärte der Landkreischef.

Geschlossenes Vorgehen

Die Bürgermeister der betroffenen Kommunen hatten auf Initiative von Landrat Richard Reisinger die Stellungnahme im Vorfeld formuliert und am 17. August 2020 signiert. Mit den zusätzlichen Unterschriften der Landratsstellvertreter und Fraktionsvorsitzenden wird sie als Zeichen eines geschlossenen politischen Vorgehens in der Region dem zuständigen Bahnvertreter Matthias Trykowski, Leiter des Portfolios Großprojekte Nordbayern, dem Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur, Andreas Scheuer, dem Regierungspräsidenten der Oberpfalz, Axel Bartelt sowie den Bundestagsabgeordneten Alois Karl (CSU), Karl Holmeier (CSU), Peter Aumer (CSU) und Uli Grötsch (SPD) zugestellt.

Die Betroffenen sprechen sich in dem Papier deutlich für den elektrischen Antrieb der Schienenfahrzeuge auf der Bahnstrecke Nürnberg – Schwandorf aus, sind aber nicht davon überzeugt, dass hierfür ergänzende Infrastruktur zum vorhandenen öffentlichen Stromnetz benötigt wird. "Als Erstes muss der fehlende Planungsauftrag für die Metropolenbahn von Nürnberg über Neukirchen nach Schwandorf gesichert sein – die Aufnahme in den vordringlichen Bedarf (aktueller Stand) ist zu unkonkret. Erst danach kann ernsthaft über eine Stromversorgung gesprochen werden", heißt es in dem Schreiben. Weiter lehnen die betroffenen Kommunen es ab „Bahnstrom als Sicherheitsreserve für andere bereits geplante Strecken durch ihre Gemeinden zu führen“. Im Interesse des Landkreises Amberg-Sulzbach und der Stadt Amberg müssen vor der Elektrifizierung Alternativen geprüft werden. Folgende Alternativen seien dabei mindestens zu prüfen: Elektrifizierung der Strecke mit Fahrstrom aus dem öffentlichen Netz (Einspeisung über Umrichter); Batterieelektrischer Antrieb der Schienenfahrzeuge – wie z. B. in Schleswig-Holstein ab 2022 praktiziert; Wasserstoffantrieb der Schienenfahrzeuge überall dort, wo die Reichweite der Akku-Züge für nicht ausreichend erachtet wird.

Erdverkabelung möglich

Die Kritik der Unterzeichner bündelt sich unter anderem in folgenden Punkten: Entgegen der Aussagen des Planers der DB sei eine Erdverkabelung in Teilabschnitten möglich. Gefahren für die Gemeinden im Landkreis und die Stadt Amberg werden darin gesehen, dass die Lasten (Kosten/Nutzen) unerträglich werden würden, und damit für die Bürger nicht tragbar. Große Gefahren sehen die Bürgermeister darin, dass die Region aufgrund des fehlenden Planungsauftrags nicht mit dem Ausbau der Metropolenbahn Strecke München – Regensburg – Schwandorf – Amberg – Nürnberg versorgt wird. Die Region sollte Gewähr bekommen, dass auch hier der Ausbau der Metropolstrecke erfolgt. Zu beachten gelte es auch, dass bei Nichtrealisierung der Landkreis und die Stadt Amberg sowie andere Gemeinden wirtschaftlich abgehängt werden. Als fördertechnisch gesehener „Raum mit besonderem Handlungsbedarf“ wäre dies besonders fatal.

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