16.09.2020 - 17:20 Uhr
IllschwangOberpfalz

Geplante Bahnstromtrasse: Drei Varianten auf dem Prüfstand

Aus einer "Diesel-Insel" soll ein elektrifiziertes Bahnstrecken-Netz werden. Dazu sind in Nordostbayern neue Stromleitungen notwendig. Diese stoßen auf Widerstand. Die Bahn setzt auf Dialog, bei den Bürgern bleiben Zweifel.

Die drei Varianten für die Bahnstromtrasse im freien Verlauf (blau), entlang der B 85 (gelb) oder auf der Bahnlinie (rot).
von Andreas Royer Kontakt Profil

Bürgern, die mit der von DB Netz geplanten Stromtrassen-Führung nicht einverstanden sind, bietet die Deutsche Bahn auch Online-Inforunden an. Für den Bereich Illschwang und Umgebung ging ein solcher Austausch, bei dem Interessierte ihre Fragen mit Klarnamen oder anonymisiert stellen konnten, am Dienstag über zwei Stunden virtuell über die Bühne. Moderiert von Marion Fink (DB Netz), stellten sich der stellvertretende Leiter Bahnausbau DB Netz Michael Engelmann sowie Achim Saßmannshausen, Leiter Bahnstromleitungen DB Energie, den Fragen der Öffentlichkeit.

Strom für 500 Bahnkilometer

Zunächst ging es in einer generellen Ausführung um die Gesamtplanung der Bahnstrecken-Elektrifizierung in Nordostbayern und um die technische Seite der Bahnstrom-Versorgung bzw. Streckenführung auf dem Gemeindegebiet von Illschwang und Sulzbach-Rosenberg.

Bereits eingangs und auch bei der folgenden Fragerunde, die von 200 Besuchern mit rund 180 Fragen genutzt wurde, machten die Bahnvertreter deutlich, dass zur Versorgung von rund 500 Bahnkilometern in Nordostbayern eine eigene Stromleitung unverzichtbar sei. Wo diese bestenfalls verlaufen könne, müsse mit verschiedenen Alternativen gutachterlich geprüft werden. Dazu setze DB Netz auf die Einbindung der Betroffenen via Bürger-Dialog. Noch bis 30. September 2020 könnten beispielsweise weitere Trassen-Vorschläge eingebracht werden.

Gegenwärtig gebe es laut DB drei alternative Trassenführungen: die auf starken Widerstand stoßende freie Streckenführung, die verschiedene Gemeinden im westlichen Landkreis tangiert; eine Leitung entlang der Bundesstraße 85 oder die Trassenführung entlang der Bahnlinie. Hier sei, so die Botschaft der DB-Vertreter, noch nichts entschieden. Erst nach Abwägung aller Punkte, die letztlich einer Kosten/Nutzen-Rechnung gleichkommen, werde eine Entscheidung fallen.

Mehr zum Widerstand gegen die Bahnstromtrasse

Sulzbach-Rosenberg

Auch zur technischen Ausführung gab es mehrere Fragen zu klären. Hier war es vor allem Achim Saßmannshausen, der eine eigene Bahnstromleitung für den Bereich Nordostbayern unter Berücksichtigung aller Gegebenheiten, als alternativlos bezeichnete. Sicher gebe es Bereiche in Deutschland und Europa, in denen Umrichter-Technik oder ähnliches für Bahnstrom störungsfrei funktioniere. In unserer Region wäre das nach Bahn-Ansicht nicht die beste Lösung, um einen reibungslosen Schienenverkehr gewährleisten zu können.

Angst vor Natur-Zerstörung

Die Vielzahl an Bürger-Fragen - wenn auch manchmal inhaltlich gleich - machte beim Online-Infotermin deutlich, wie wichtig ihnen eine klare Aufklärung über die Trassierung und die damit verbunden Folgen für Landschaft und Menschen ist. Fragesteller erkundigten sich unter anderem nach Zerstörung der Natur, Nutzung von grünem Strom für das Projekt, Wasserstoff-Technologie, Flächenverlust, Beeinträchtigungen durch Elektrowellen und Lärm, Projektverlauf, dezentrale Versorgung, Kosten oder den Zeitplan der Umsetzung.

Wie die Bahnvertreter verdeutlichten, gehe es beim Schienennetzausbau in Nordostbayern um sieben Streckenabschnitte mit fast 500 Kilometern Länge. Einer dieser Abschnitte sei auch die Verbindung von Nürnberg über Schwandorf bis nach Furth im Wald in Richtung Tschechien. Die Planung für diese 163 Kilometer lange Strecke ist derzeit noch nicht bei der DB beauftragt, aber im Bundesverkehrswegeplan vorgesehen. Die Bahnstromtrasse sei aber letztlich für die gesamte Streckenertüchtigung in Nordostbayern unverzichtbar.

Bündelung von Leitungen

Wiederholt war in den Bürger-Fragen auch von Natur- oder Waldzerstörung und Flächenverbrauch die Rede. Hier sicherten die Experten - sollte es zu der frei geführten Trasse kommen - jeweils Umweltverträglichkeitsprüfungen und Machbarkeitsstudien zu, um die Eingriffe möglichst gering zu halten. "Bei der freien Führung haben wir eine Strecke gewählt, die nach Möglichkeit über Ackerflächen läuft, um möglichst wenig Wald zu beeinträchtigen", so Achim Saßmannshausen. Grundsätzlich gebe es auch ein Bündelungsgebot, bei der neue Leitungen auf bestehenden Trassen laufen sollten.

"Wir gehen davon aus, dass wir bis Ende des Jahres einen optimierten Leitungs-Entwurf vorstellen können", so Marion Fink, die wie ihre beiden Kollegen weiterhin auf eine gemeinsame Lösung mit den Bürgern und einen sachlichen Austausch setzen.

Der Online-Infotermin zum Nachhören

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