Die Reisepässe sind abgeholt. Schon bald hebt der Flieger ab Richtung Curacao. Franz Schuh (7) aus Schäflohe bei Amberg tritt eine große Reise an. Eine Reise, die ihm Zugang zu einer anderen Welt ermöglichen soll. Bei dem Schüler wurde der äußerst seltene Gendefekt "DYKRA 1A" diagnostiziert.
Es könnte helfen
Franz entwickelt sich stark verzögert, reagiert extrem auf alle möglichen Reize. Er hat einen ausgeprägten Fluchtreflex, er spricht und er isst nichts – außer einer ganz bestimmten Sorte Paprika-Chips. Die Delfine – so hoffen die Eltern – könnten Franz helfen. Es gibt Berichte, wonach der Kontakt zu den Tieren Betroffenen eine ganz neue Möglichkeit der Wahrnehmung eröffnet hat. Schon ein kleines bisschen davon könnte Franz' Leben enorm verbessern.
Es geht ins mehr als 8000 Kilometer entfernte Curacao in der Karibik. Dank einer Spendenaktion konnten Lisa und Marco Schuh für August einen Besuch des Therapiezentrums auf der niederländischen Übersee-Insel buchen. Die Vorbereitungen laufen seit Wochen, denn für einen Menschen mit "DYKRA 1A" und seine Begleiter ist eine solche Reise ein Mammutprojekt.
"Jetzt haben wir den Reisepass abgeholt", erzählt Lisa Schuh. "Das biometrische Bild war eine Riesen-Herausforderung, weil Franz einfach nicht gerade in die Kamera schaut und den Mund nicht schließen kann. Aber es ging dann durch." Derweil steht sie ständig mit dem Therapiezentrum in Kontakt, um die Reise im Detail vorzubereiten. Für den Weg vom Flughafen zur Unterkunft zum Beispiel muss ein spezieller Transfer organisiert werden.
Inklusion im Supermarkt
Währenddessen tut sich auch in Amberg was. "Da haben wir gerade eine richtig schöne Erfahrung gemacht", berichtet Lisa Schuh. "Franz geht ja super gerne mit zum Einkaufen. Aber er ist jetzt mit 22,5 Kilogramm und 1,26 Metern zu groß und zu schwer für den Einkaufswagen." Sie erzählte einer Bekannten davon, die sich bei den Amberger Wirtschaftsjunioren engagiert. "Sie hat es vermittelt, dass Edeka Wiesmeth den ersten behindertengerechten Einkaufswagen angeschafft hat."
Der Inhaber des Supermarktes sei sofort angetan von der Geschichte gewesen, habe recherchiert und direkt ein Testmodell besorgt. Der Wagen hat in der Anschaffung etwa 500 Euro gekostet und steht aktuell im Markt in der Pfistermeisterstraße. Eventuell sollen jetzt auch die anderen Edeka-Märkte in der Umgebung so ausgestattet werden. "Das ist ein riesiger Schritt zur Inklusion", freut sich Franz' Mama - nicht nur für ihren Sohn, sondern auch für andere Betroffene.



















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