Amberg
05.11.2018 - 13:41 Uhr

Freie Wähler heiß auf das Regieren

Jahrelang waren sie in der Opposition, jetzt bestimmen die Freien Wähler auf einmal (mit), wo es in Bayern langgeht. Wie gehen FW-Politiker aus Amberg und der Region mit ihrer Rolle um?

Hubert Aiwanger ist die Leitfigur der Freien Wähler. Bild: Matthias Balk/dpa
Hubert Aiwanger ist die Leitfigur der Freien Wähler.

Plötzlich regierungspartei - ist das nicht ungewohnt? "Nein", sagt die Ammerthaler Bürgermeisterin Alexandra Sitter. "Schauen Sie sich doch mal an, wie viele bayerische Kommunen von Freien Wählern regiert werden." Der Amberg-Sulzbacher FW-Kreisvorsitzende Albert Geitner aus Ursensollen pflichtet ihr bei: "Auf kommunaler Ebene sind wir es ja auch gewohnt, den Ton direkt anzugeben."

Kein Fraktionszwang

Auch auf Landesebene seien die FW längst "Schrittmacher für wichtige Themen". Geitner erinnert an die Abschaffung der Studiengebühren und der Straßenausbaubeiträge oder die Wiedereinführung des neunjährigen Gymnasiums. Insofern hätten sich die Freien Wähler in der Vergangenheit auch inhaltlich positioniert. "Es ist ein Trugschluss, dass die Freien Wähler kein parteipolitisches Profil hätten", erklärt Geitner. Die Königsteiner Ortsverbandsvorsitzende und Landtagskandidatin Doris Lehnerer erinnert an den Markenkern: "Die Freien Wähler haben seit Jahrzehnten durch ihre erfolgreiche Tätigkeit in den Kommunen einen klaren Auftrag angenommen, nämlich Themen unabhängig und sachpolitisch zu bearbeiten." Aber geht das in einer Regierungskoalition mit der CSU so einfach? Lehnerer pocht hier auf ihre Grundsätze: "Sachpolitik ohne Fraktionszwang sollte und muss das Ziel aller sein und endlich auch in den Köpfen der Basisfremden ankommen."

Der Draht zu Aiwanger

Für die Freien Wähler in der Region gibt es viele Baustellen: Die Stichworte dezentrale Versorgung und gleichwertige Lebensverhältnisse fallen dabei immer wieder. "Weg vom Größenwahn", umreißt etwa Kreisrat und Bezirkstagskandidat Thorsten Grädler aus Vilseck die FW-Agenda. "Wir brauchen in Bayern kein eigenes Weltraumprogramm für einen dreistelligen Millionenbetrag, keine teuren Reiterstaffeln und auch keine dritte Startbahn in München, um nur drei Beispiele verfehlter Politik der Vergangenheit zu nennen." Der Ursensollener Bürgermeister Franz Mädler rückt stattdessen "eine professionellere Behandlung der Breitbandverkabelung, die Mobilfunkversorgung und die Tankstellen für E-Autos" in das Blickfeld. "Diese Themen gehören auf eine deutlich höhere Ebene gehoben und nicht auf die Gemeinden abgeschoben." Auch die Energiewende brauche neuen Schwung. "In den Schulen, vor allem in den Inklusionsschulen, brauchen wir mehr Lehrerstunden für individuelle Betreuung, beim Unterhalt von Kläranlagen und Kanälen sind die Bürger von Landgemeinden eindeutig benachteiligt. Dies müsste meines Erachtens zügig geändert werden."

Besonders gerne werden den künftigen FW-Ministern in den von Freien Wählern geführten Kommunen Ammerthal, Auerbach, Edelsfeld, Freihung, Gebenbach, Ursensollen und Vilseck rote Teppiche ausgerollt. Der Kontakt zum Vize-Ministerpräsidenten steht: „Den besten Draht habe ich zum Vorsitzenden Hubert Aiwanger, der bereits bei einigen Veranstaltungen bei uns war“, freut sich der Vilsecker Bürgermeister Hans-Martin Schertl.

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