15.03.2019 - 10:30 Uhr
AmbergOberpfalz

Freudenberger startet mit Statement-Fashion durch

Oliver Pocher hat seine Klamotten im Schrank, Jan Josef Liefers und Dunja Hayali auch. Benjamin Hartmann (31) ist Modeschöpfer geworden. Dabei war der Freudenberger mit einer Lehre als Fleischfachverkäufer ins Berufsleben gestartet.

von Uli Piehler Kontakt Profil

Das mit dem Fleisch, das geht gar nicht mehr. Benjamin Hartmann hatte in den vergangenen Jahren ein Schweinchen namens Shade bei sich in seiner Wohnung in Berlin-Weißensee. Er badete es, führte es spazieren und erlangte mit dem Tier Kultstatus in der Hauptstadt. "Das war schon krass. Wo wir auch hingegangen sind wurden wir erkannt und fotografiert", erzählt Hartmann. Spätestens als die Deutsche Presseagentur im September 2018 eine Reportage über das Berliner Mini-Schwein verbreitete, wurden Shade und sein Herrchen deutschlandweit bekannt.

Doch Shade ist nur ein Kapitel aus dem jungen, aufregenden Leben des Freudenbergers - eines, das mittlerweile abgeschlossen ist, noch dazu. Denn als sich Hartmann vor einem halben Jahr entschloss, mit seinem Freund nach Barcelona umzuziehen, musste er sich schweren Herzens von seinem Haustier trennen. Shade lebt seitdem auf einem Hof für Tiere, die kein Zuhause mehr haben, in Ahlsdorf in Sachsen-Anhalt.

Die Berliner Morgenpost berichtet über den Umzug des Schweinchens aufs Land

Nicht ganz so bekannt ist Hartmann wegen der Mode, die er macht. "Es geht ja auch nicht um meine Person, sondern um meine Marke und die Botschaft, die damit verbunden ist", erklärt er. Der 31-Jährige hat vor fünf Jahren einfach mal einen Slogan auf ein T-Shirt drucken lassen. Seitdem ist "Human Blood" Hartmanns Markenzeichen geworden.

"Human Blood" - menschliches Blut - dahinter steckt eigentlich der Satz "Human Blood is all one colour" (deutsch: menschliches Blut hat immer die gleiche Farbe). Warum er sich für diesen Spruch entschieden hat? "Ich wollte mit meinen Klamotten ein Statement setzen", sagt Hartmann. Ein Statement gegen Homophobie und Rassismus, beide Einstellungen sind ihm in seinem noch jungen Leben zuhauf begegnet. "Als schwuler Junge vom Land mit einem farbigen Freund weiß man eben, was es heißt, angefeindet zu werden."

Berlin hat anscheinend auf Hartmanns Statement-Fashion gewartet. Jedenfalls wollten bald ziemlich viele Menschen in der Hauptstadt T-Shirts und Hoodies mit den Aufdrucken von Benjamin Hartmann haben. Irgendwann trat TV-Moderatorin Vera Int-Veen mit einem "Human Blood"-Shirt auf, dann die Kollegen Hugo Egon Balder und Dunja Hayali, die Comedians Faisal Kawusi und Ingo Appelt, der Sänger Clueso und der Schauspieler Jan Josef Liefers.

Mittlerweile beschäftigt der 31-Jährige fünf Leute, um sein Modeunternehmen am Laufen zu halten. Die Textilien müssen ausgesucht, eingekauft, bedruckt und verschickt werden. Für die Aufdrucke hat sich Hartmann in Berlin eine Maschine gekauft, die so viel kostet wie ein Einfamilienhaus. "Die Nachfrage steigt, es gibt so viele Leute, die mit ihrer Kleidung ein Zeichen setzen wollen." Hartmann ist einer, der keine Grenzen kennt. Das gilt auch für sein Zuhause. Im Herbst 2018 hat er sich in Barcelona eine Wohnung genommen, die Geschäfte kann er von dort aus online verwalten.

Gerade ist er dabei, Spanisch zu lernen. Englisch spricht er ohnehin fließend. "In Englisch hatte ich die Abschlussnote 4", blickt er auf seine Schulzeit in Freudenberg zurück. Eine bitter-süße Erinnerung. Einerseits ist da die Geborgenheit, die seine Familie ihm gegeben hat, andererseits hat er hier auch Ausgrenzung erlebt. Er erinnert sich, wie ihn sein Lehrer nach seinem Berufswunsch fragte. Als Hartmann "Lehrer" antwortete, gab es einen Schlag in die Magengrube. "Benny, ja, du wirst mal Lehrer", antwortete ihm der Pädagoge, "Mülltonnenleerer". Viele in seiner Klasse hätten das witzig gefunden.

Was folgte, waren die Ausbildung zum Fleischfachverkäufer, ständige finanzielle Engpässe und der Traum von einem anderen Leben. Hartmann konnte als 17-Jähriger seine Handyrechnungen nicht mehr bezahlen und wandte sich an die damals brandheiße, neue Fernsehsendung "Stern TV". Ausgerechnet die Pleite-Show entpuppte sich als Türöffner zu einer neuen, besseren Welt. Der Freudenberger fand Gefallen am TV-Geschäft, heuerte bei RTL und schließlich bei der ARD, beim WDR, bei Sat 1 und anderen Fernsehsendern als Statist an, zog nach Köln und lernte dort seinen Freund kennen. Mit ihm ging er schließlich nach Berlin.

"Lasst euch nicht von Fremden vorschreiben, wie euer Leben wird - entscheidet selbst", rät er jungen Leuten, die so wie er früher nach dem richtigen Weg für das Leben suchen. "Wenn euch jemand mobbt, denkt an mich", sagt er mit einem Lächeln im Gesicht. Hartmann hat Ausgrenzung überwunden und akzeptiert Grenzen nicht - weder auf der Landkarte und schon gar nicht im Kopf. Der 31-Jährige mit dem dicken Lettern von "Human Blood" auf dem Shirt ist ein Glückskind - seine Lebenseinstellung zahlt sich für ihn jetzt auch in barer Münze aus.

Hier gehts zum Internet-Auftritt von Human Blood

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