26.02.2020 - 15:09 Uhr
AmbergOberpfalz

Fünf Flaschen Schnaps und fünf Monate Gefängnis

Weil der Schnaps für ihn eine tragende Rolle spielt und er sich die hochprozentigen Spirituosen gerne aus Supermarktregalen klaut, kam es vor dem Landgericht für einen 48-Jährigen zur Ernüchterung.

Weil er 22 Vorstrafen hat, muss ein Ladendieb wegen fünf Flaschen Schnaps ins Gefängnis.
von Autor HWOProfil

Der Mann aus dem Kreis Neustadt/WN muss zum vierten Mal in seiner langen kriminellen Karriere hinter Gitter.

Weshalb kam der 48-Jährige nach Amberg? "Ich habe damals auf der Straße gelebt", erfuhr die 3. Strafkammer des Landgerichts. Das war im Herbst 2018, wobei sich der rastlose Wanderer offenbar immer auf der Suche nach Alkohol befand. Ohnehin schon sturzbetrunken, ging er zunächst in einen Supermarkt und sackte drei Flaschen Schnaps ein. Kurz darauf, es war morgens kurz nach 8 Uhr, erschien er in einem anderen Selbstbedienungsladen und klaute zwei Flaschen mit hochprozentigem Inhalt.

Insgesamt 22 Vorstrafen

Hatten es die Richter mit einem ganz normalen Ladendieb zu tun? Der Kammervorsitzende Peter Hollweck vermeinte diese Frage. Denn vor ihm lag ein Auszug aus dem Bundeszentralregister, im dem 22 Vorstrafen standen. Darunter waren auch solche, die sich deckungsgleich mit den Delikten in Amberg zeigten. "Da haben Sie ebenfalls Schnaps gestohlen", sagte der Vorsitzende und machte deutlich, dass man den 48-Jährigen erst kurz vor den Ladendiebstählen in Amberg aus dem Gefängnis entlassen hatte.

Was Richter Hollweck anschließend hörte, kommt ihm in solcher Form öfter zu Ohren. In einem Satz zusammengefasst: "Ab sofort wird alles anders." Im vorliegenden Fall nahm sich das so aus: Kein Alkohol mehr, fester Wohnsitz und enge Bindung an eine Partnerin. Außerdem mehrere Krankheiten und deswegen nicht mehr in der Lage, einer geregelten Arbeit nachzugehen. Der Vorsitzende nahm das zur Kenntnis und hielt dagegen: "Das Trinken ist wohl noch immer Ihr Problem."

Zu den Ladendiebstählen hatte bereits das Amtsgericht verhandelt und zum Schluss in einer Art Gnadenakt fünf Monate Haft mit Bewährung verhängt. Dagegen ging die Staatsanwaltschaft mit einer Berufung zum Landgericht vor. "Bei 22 Vorstrafen kann es unmöglich Bewährung geben", sagte Oberstaatsanwalt Stefan Täschner mit Nachdruck. Er beantragte, den unbelehrbaren Mann einzusperren.

Zwischen Hoffen und Bangen

Danach befand sich der 48-Jährige in einem Zustand des Hoffens und Bangens. Nach einer Beratung der Richter war am Aschermittwoch alles vorbei für ihn: Die Strafkammer revidierte das Ersturteil und schickte den Dieb von fünf Flaschen Schnaps für fünf Monate ins Gefängnis. Der Richter: "Bewährung war hier nicht mehr vertretbar."

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.