13.09.2020 - 14:15 Uhr
AmbergOberpfalz

Für Klaus Peter Beer und gegen das Verdrängen und Ignorieren

Mit einem lauten „Haut ab!“ wurden die wenigen Corona-Demonstranten von ihrem Platz gescheucht und „Schrei nach Liebe“ ertönte aus den Lautsprechern: In Gedenken an Klaus Peter Beer versammelten sich Antifaschisten.

von Dagmar WilliamsonProfil

"Dieser Mord war so ein einschneidendes und entsetzliches Ereignis, dass er auch nach 25 Jahren nicht in Vergessenheit geraten darf," sagte Christian Oberthür vom Bündnis für Toleranz und Menschenrechte aus dem Landkreis Cham und kritisierte die Stadt Amberg für jahrelanges Schweigen und gar die Verharmlosung der Tat. Oberthür sprach am Samstag bei der Gedenkveranstaltung für den von Skinheads bewusstlos geschlagenen und anschließend in die Vils geworfenen Beer, der dort ertrank. Deswegen sei es weiterhin wichtig und richtig, Bündnisse zu organisieren und somit den Aktionsraum der Rechten wesentlich einzuschränken. Oberthür hofft auf die Einsicht der Stadt und wünscht sich bereits im nächsten Jahr das Gedenken auf einem Klaus-Peter-Beer-Platz fortzusetzen.

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Amberg

Unmut über Stadt Amberg

Auch Gewerkschafter und Publizist Stefan Dietl gab seinem Unmut der Stadt Amberg gegenüber eine Stimme. Jedoch begrüßte er, dass zahlreiche Stadträte zu dieser Versammlung in Gedenken an Beer erschienen seien.

Wegweiser ist ein Anfang

Der neu errichtete Wegweiser in der Nähe des Tatorts sei ein erstes Signal, aber kein Alleinstellungsmerkmal. Dietl erinnerte an mehrere Übergriffe im Jahr 1995: Vier Neonazis prügelten zwei Flüchtlinge krankenhausreif. Im Oktober zogen mehrere bekannte Gesichter der rechten Szene durch die Stadt und riefen Hitler-Parolen und sangen SS-Hymnen.

"Menschenverachtendes Denken hat auch hier in Amberg - in unserer Mitte - seinen Nährboden." Im Laufe der Jahre habe sich dieses Verhalten nicht geändert. "Ein Werbeausträger wurde mit einem glühenden Bügeleisen von Nazis misshandelt. Eine Gruppe Roma wurde mit Baseballschlägern bedroht. Ein Gewerkschafter wurde am helllichten Tag am Markplatz verprügelt. Ein Juso wurde von Neonazis verfolgt."

Tat muss klar benannt werden

Die Tat an Klaus Peter Beer müsse klar benannt werden, um es sichtbar zu machen. "Ein Mensch wurde hier in Amberg von Neonazis ermordet, weil er nicht in das faschistische Weltbild seiner Mörder passte", so Dietl.

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