19.03.2021 - 11:21 Uhr
AmbergOberpfalz

Eine Garage voller Spenden für Bedürftige

Ein Amberger will Bedürftigen helfen. Also gründet er die Gruppe "Amberger(n) helfen" bei Facebook. Die Resonanz von Menschen, die etwas abgeben, ist enorm. Jetzt sucht Stefan Dürbeck weitere Kooperationspartner.

Stefan Dürbeck hat vor einigen Wochen die Facebook-Gruppe "Amberger(n) helfen" gegründet, um für Bedürftige das Nötigste zu sammeln. Mittlerweile hat er eine Garage angemietet, wo er die Spenden zwischenlagert.
von Stephanie Wilcke Kontakt Profil

„Gesucht werden zwei Fahrräder für Jugendliche“, „Gesucht werden Matratzen“ und „Gesucht wird ein Katzenkratzbaum“: Aufrufe wie diese stellt Stefan Dürbeck seit gut sechs Wochen in seiner Facebook-Gruppe „Amberger(n) helfen“ regelmäßig ein. Dann dauert es oft nur wenige Stunden bis Menschen aus der Region ihre Hilfe anbieten oder Fotos posten, um zu zeigen, was sie abgeben können. „Der Zuspruch ist riesig“, sagt der 37-jährige Kümmersbrucker. „Und vielen Bedürftigen konnten wir schon helfen.“

Doch von vorn: Vor einigen Wochen lagen die Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt. „Bei der Kälte dachte ich: Ich möchte Obdachlosen in unserer Region helfen“, erinnert sich Dürbeck. Er fand bei sich zu Hause Jacken und Decken, die er spenden wollte. Doch wohin?

Schon mehr als 350 Mitglieder

Eine „kommerzielle“ Einrichtung kam für ihn nicht infrage. „Ich will, dass meine Sachen dahin kommen, wo sie wirklich an Bedürftige gehen.“ Also gründete er die Gruppe, die es im Übrigen mit dem gleichen Titel bei Instagram gibt. Nur Wochen später sind es mehr als 350 Mitglieder und Unterstützer in der geschlossenen Gruppe. „Ich glaube, ich habe damit eine Lücke entdeckt.“ Dürbeck erfuhr schließlich, dass „es so gut wie keine Obdachlose in Amberg gibt“, wenn, seien es „Durchreisende“. „Aber im Ring-Hotel war man dankbar für meine angebotene Hilfe.“ Nur kurze Zeit später reagierten die Amberger genauso und boten Gebrauchtes an. „Kein Glump“, wie Dürbeck versichert. „Das finde ich so faszinierend. Teilweise sind die Sachen nicht einmal benutzt. Ein zweiter Wertstoffhof wollte ich nämlich nicht sein.“ Mittlerweile haben sich Einrichtungen wie das Ring-Hotel, das Ernst-Naegelsbach-Haus in Sulzbach-Rosenberg und das Netzwerk SoNet Ostbayern mit Anfragen an Dürbeck gewendet.

Kürzlich machte der Kümmersbrucker mit seiner Initiative eine 14-Jährige glücklich. Das SoNet Ostbayern unterstützt eine irakische Familie, die mit nichts hierher kam. „Ihr Wunsch war ein Schminktisch. Was sich 14-jährige Mädchen eben so wünschen“, sagt Dürbeck lachend. Tatsächlich fand sich jemand unter den Mitgliedern, der so etwas zu Hause hatte. „Als ich das Möbel vorbeibrachte, hatte das Mädchen Tränen in den Augen.“ Nun sei die Familie mit Sofa, einer Wickelkommode, Schreibtisch für die schulpflichtigen Kinder und Babyklamotten ausgestattet.

Wer was braucht, nimmt es sich raus

Amberg

Der 37-Jährige ist von Beruf Lkw-Fahrer und stemmt derzeit selbst die Abholung und Verteilung seiner eingesammelten Spenden – im Feierabend. „Ja, ich mache das nebenbei“, sagt er schmunzelnd. Wobei sich von den Gruppenmitgliedern auch schon einige bereit erklärten, Spenden etwa zum Netzwerk SoNet Ostbayern zu fahren. Dürbeck hat inzwischen auch eine Garage in Amberg angemietet, in der er die Fahrräder, Babyfone, Rucksäcke, Kleidertüten zwischenlagert, bis er wieder mit einem vollen Auto Spende abgibt.

Kooperationspartner gesucht

Jetzt überlegt Dürbeck, ob er den Menschen im Amberger Ring-Hotel Hygieneartikel zukommen lassen kann. „Ich stelle mir vor, dass zum Beispiel in einem Drogeriemarkt so ein Korb steht, in dem man Duschgel, Seife, Haarshampoo hineinlegen kann. Etwa wie bei den Futterspenden fürs Tierheim.“ Ob das rechtlich möglich sei oder ob er ein Geschäft beziehungsweise eine Drogerie findet, die mit ihm kooperieren kann und will: „Das muss ich prüfen.“

Kooperieren ist ein Stichwort. Denn Dürbeck würde sich freuen, wenn sich so ein ähnliches unbürokratisches Hilfsangebot in Sulzbach-Rosenberg etablieren würde. „Vielleicht kann ich mich auch mit anderen bereits bestehenden Netzwerken zusammentun“, hofft er. Denn: „Die Amberger wollen helfen, sonst wäre ich nicht so sehr überrannt worden mit Angeboten“, bilanziert er die bisherigen Wochen seines Engagements.

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