20.12.2019 - 17:26 Uhr
AmbergOberpfalz

Geldstrafe für Reizgas-Attacke im Casino-Saal

Die ätzende Wolke wabert durch den Casino-Saal. Junge Leute werden durch Pfefferspray verletzt, müssen ins Krankenhaus. Das Amtsgericht hat den Verursacher zu 8500 Euro Geldstrafe verurteilt und eine Haftstrafe abgelehnt.

Symbolbild
von Autor HWOProfil

Der zweite Prozesstag zu den Ereignissen des 22. Juli 2018 war weitaus kürzer, als zunächst angenommen. Keine neuen Zeugen mehr. Stattdessen ein sogenanntes Rechtsgespräch zwischen Richter Florian Meißner, Staatsanwältin Jasmin Hertel und Verteidiger Heiko Übler. Dabei wurden die Vorgänge einer Sommernacht in der Innenstadt noch einmal erörtert. Hinter verschlossenen Türen.

So sah die Lage damals aus: Ein 24-Jähriger und sein Kumpel (23) hatten in mehreren Kneipen gezecht. Dann kamen sie in den Casino-Saal, wo über 200 junge Menschen feierten. Um 2.30 Uhr morgens gab es Zoff zwischen dem Freund des späteren Täters und einem Mann, der in unmittelbaren Nähe stand. Der 24-Jährige zog ein Pfefferspray aus der Tasche und sprühte eine Reizgas-Wolke in Richtung des vermeintlichen Widersachers seines Freundes. "Von Notwehr konnte keine Rede sein", sagte Richter Florian Meißner jetzt.

Die Wirkung war heftig. Das Gas zog durch den Saal, es setzte sich in Augen und Atemwegen fest. Mehr noch: "Menschen sind panikartig über mich hinweggelaufen", sagte eine junge Frau in ihrer polizeilichen Vernehmung. 16 Verletzte wurden registriert. Im seinem Urteil ging Richter Meißner von elf Verletzten aus. Von den anderen gab es keine genaueren Beschreibungen der Blessuren. Die Frage aber lautete: Waren es im Sinn des Gesetzes ausnahmslos gefährliche Körperverletzungen? Der Vorsitzende verneinte und stellte fest: Die gefährliche Körperverletzung traf nur auf denjenigen zu, der unmittelbar zum Ziel der Gas-Attacke geriet. Bei allen anderen wurde eine fahrlässig verursachte Körperverletzung angenommen. Am zweiten Verhandlungstag hätten weitere Zeugen gehört werden sollen. Doch das unterblieb. Meißner reichte letztlich das Geständnis des 24-Jährigen. Gleichwohl merkte der Richter an: "Es hätte noch weitaus schlimmer ausgehen können. Denn eine Massenpanik war nicht auszuschließen." Der Reizgasangriff hätte nach Ansicht von Staatsanwältin Jasmin Hertel eine zur Bewährung ausgesetzte Haftstrafe von acht Monaten nach sich ziehen sollen.

Anwalt Heiko Übler plädierte für eine Geldstrafe. Dieser Auffassung schloss sich der Richter an. Allerdings in der fühlbaren Form von 8500 Euro. Wohl lange abzuzahlen für den Mann aus dem Raum Sulzbach-Rosenberg. Mit der zusätzlichen Erkenntnis für ihn: Da werden Rettungsdienst-Rechnungen und Klinikkosten sein, die nach und nach bei ihm eintrudeln. Er selbst sagte: "Mir wird immer mehr klar, was ich angerichtet habe."

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