25.08.2020 - 12:20 Uhr
AmbergOberpfalz

Gepflegter Jazz im Amberger Casino-Biergarten

Bratwurst- und Sauerkrautdampf zog unter alten Kastanienbäumen hindurch in die Riechorgane etlicher Musik-Fans. Diese wurden im Casino-Biergarten nicht nur kulinarisch bedient, sondern auch mit Jazz von der Band Leroy Liqueur.

"All Blues" von Miles Davis im Sechsachteltakt ist in ihrem Repertoire: Uli Wähner (Piano), Max Gellfart (Schlagzeug), Michael Scherer (Bass) und Markus Strobl (Saxophon) sind Leroy Liqueur.
von Dagmar WilliamsonProfil

Die erste Melodie, nach einem kurzen Soundcheck und der darauf folgenden Atempause, heißt bei Leroy Liqueur immer „On the sunny side of the street“, so auch beim Auftritt der Band im Casino-Biergarten. Ein Jazz-Standard – von vielen namhaften Künstlern interpretiert, wie Dave Bruback oder Louis Armstrong. Billie Holiday und Doris Day verleihten der Melodie die passende Stimme während sie „lass deine Sorgen an der Hausstür und lenke deine Füße einfach zur sonnigen Seite der Straße“ trällerten. Und das Amberger Jazz-Ensemble Leroy Liqueur führte Auserwählte direkt in den Biergarten von Hans Graf. Der Wirt ist es nämlich, der dieses „gepflegte Sommerritual“ laut Front-Mann Uli Wähner, jährlich iniziiert.

Neben dem Realbook of Standards, ergo der Jazz-Bibel mit Melodien und Akkordsymbolen, hätten sie auch „Espresso, Calvados und jede Menge Tabletten“ in ihrem Repertoire. Zumindest behauptete das der Schlagzeuger Max Gellfart. Zur Beruhigung: die Herrschaften passen keineswegs in die Musikschublade der wilden Rock 'n' Roller mit Groupies im Schlepptau. Dennoch liefert dieses Jazz-Ensemble mehr, als man im ersten Augenblick in einem Biergarten zu erwarten vermag. Wein, Weib und Gesang also. Letzteres fehlte. „Kusse ist verhindert.“ Der Marcus Ehbauer, der da singt und trompetet.

Dafür war Markus Strobl anwesend und glänzte mit und am Saxophon. Den nötigen Dampf verlieh Michael Scherer am Bass, der sich in die zum Takt schwingenden Füße des Publikums zupfte. Cool steht ihm auf der Stirn geschrieben; auch zu erkennen an der Blues-Brothers Sonnenbrille getragen in der lauen Abendröte. Selbst die simpelste Begleitung verwandelt Schlagzeuger Max Gellfart in eine Performance. Das Jazz-Urgestein Uli Wähner klimpert wie Schroeder aus den Peanuts am Piano. Einfach zum Wohlfühlen und perfekt. Nur eine zweite CD sei nicht „in der Pipeline“, sagte der Pianist. Also, geplant, erklärte er. Nach kurzem Grummeln stimmten sich die Musiker etwas ein und gaben zu, es sei gar nicht so eine schlechte Idee nach zwölf Jahren eine Aufnahme-Party in Wähners Wohnzimmer zu organisieren. Dieser hielt sich in seiner Euphorie bedeckt. Vielleicht käme da ein Konzert-Video für den Front-Mann eher in Frage.

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