Amberg
31.01.2019 - 17:33 Uhr

Vor Gericht: Die Story von den 1000 Autos

In der Anklageschrift ist von über 1000 Automobilen die Rede. Außerdem von einem, der die Fahrzeuge quasi als Paket kaufen wollte. Und von einem anderen, der nun wegen Betrugs vor dem Amtsgericht sitzt.

Ein kurioser Fall beschäftigt derzeit das Amberger Amtsgericht - es geht um 1000 Autos. Und um Betrug. Symbolbild: Oliver Berg/dpa
Ein kurioser Fall beschäftigt derzeit das Amberger Amtsgericht - es geht um 1000 Autos. Und um Betrug.

Die Geschichte ist ebenso kompliziert wie abenteuerlich - und zu einem guten Teil auch nahezu unglaublich. Es ist nun bald drei Jahre her, als ein Kfz-Meister aus dem südlichen Landkreis einem ihm bekannten Autohändler aus dem nördlichen Kreisbereich eine Offerte machte, die den Rahmen gewöhnlicher Geschäftsverbindungen doch ein wenig sprengte. Der Kfz-Meister, heute 48 Jahre alt, bot die Vermittlung von weit über 1000 Neu- und Gebrauchtwagen aus Rumänien an. Zu einigermaßen erschwinglichen Einkäuferpreisen und mit einer Provison von 2000 Euro pro Pkw für ihn, den Kontraktvermittler.

Angesichts dieses Betrages begannen die im Gerichtssaal sitzenden Leute zu rechnen. Nach Adam Riese über zwei Millionen. "Die Provision wäre nicht für mich, sondern für meine Firma gewesen", korrigierte der Kfz-Meister eine Nachfrage von Amtsrichterin Sonja Tofolini.

Richterin hat viele Fragen

Die Vorsitzende hatte in dieser Verhandlung viele Fragen. Sie kämpfte sich förmlich zwei Stunden lang durch ein Dickicht von Ungereimtheiten wie zum Beispiel dieser: Konnte es sein, dass es sich bei dem Lieferunternehmen in Rumänien um eine Briefkastfirma handelte? Die Herstellerfirma, ebenfalls in Rumänien ansässig, war es jedenfalls nicht.

Der an dem Autotransfer interessierte Käufer, heute in der Insolvenz, unterschrieb eine Vereinbarung und zahlte 20 000 Euro. "Weshalb das?", erkundigte sich die Richterin und hörte vom Angeklagten, dies sei eine Art Sicherheitsleistung an ihn gewesen. Um diesen Betrag geht es nun. Der Vermittler nahm das überwiesene Geld und gab es für seine laufenden Geschäftsverbindlichkeiten aus. Alles weg also, kein Cent bis heute zurückerstattet.

Was folgte, war ein weiterer Hammer in dieser obskuren Story, "Was ist denn nun aus den vielen Autos geworden?", erkundigte sich die Vorsitzende und hörte: "Sie sind seit damals in der Oberpfalz und stehen in einer Halle am Regensburger Hafen." Heraufgebracht seinerzeit aus dem Osten Europas mit Transportern. Die müssen oft gefahren sein. Ob das allerdings stimmt, wurde im weiteren Prozessverlauf nicht geklärt. Derjenige, der sie erwerben wollte, sagte jedenfalls: "Ich habe keinen der Wagen je gesehen."

Fortsetzung folgt

Die Richterin hatte sich vom Kfz-Meister schriftliche Unterlagen erwartet. Doch die brachte er nicht mit. Schlichtweg daheim vergessen, wie er beklagte. Doch vielleicht legt er sie im Februar vor, wenn es mit weiteren Zeugen zu einem Fortsetzungstermin kommt. Dann wird sich vielleicht auch ergeben, was das für eine riesige Halle ist, in der die über 1000 Fahrzeuge angeblich seit 2016 ihrer Abholung harren. Womöglich wartet da einer seit drei Jahren auf die Erstattung seiner Standgebühren.

 
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