Andrea Lehmeier aus Amberg war am Mittwochvormittag gerade beim Kochen, als die frohe Botschaft sie erreichte: Auf der Crowdfunding-Plattform GoFundMe waren 10.000 Euro für ihren Sohn Luca (17), der die Glasknochenkrankheit hat, eingegangen. Diese Spende ließ die Gesamtsumme auf 44.885 Euro hochschnellen. Somit waren 90 Prozent des Spendenziels (50.000 Euro) erreicht. Für Luca und seine Familie bedeutete dies: Das rollstuhlgerechte Auto, das durch das Crowdfunding-Projekt finanziert werden soll, kann gekauft werden. Denn: Die Klaus-und-Gertrud-Conrad-Stiftung hatte sich bereit erklärt, den Restbetrag bis zu einer Summe von 10.000 Euro drauf zu legen, sollte sich abzeichnen, dass der Kauf des Autos zustande kommt. Und das war am Mittwochvormittag der Fall.
"Das ist unglaublich", sagt Andrea Lehmeier. "Ich bin total überwältigt." Die zweifache Mutter ringt nach Worten, so gerührt ist sie angesichts dieser enormen Spendenbereitschaft. Am 3. Juni hatte sie die Spendenaktion auf GoFundMe eingerichtet. Der Schritt, in die Öffentlichkeit zu gehen und um Unterstützung zu bitten, sei ihr zunächst nicht leicht gefallen, gesteht die 42-Jährige. Doch sie habe keinen anderen Weg gesehen, ein rollstuhlgerechtes Auto zu finanzieren.
Bisheriges Auto nicht rollstuhlgerecht
Das bisherige Familienauto der Lehmeiers ist eben nicht rollstuhlgerecht. Heißt: Will Luca mitfahren, müssen seine Mama oder ihr Mann den 17-Jährigen ins Auto heben, den elektrischen Rollstuhl in Einzelteile zerlegen und im Auto verstauen. Am Zielort dann die Rolle rückwärts. Vor allem für Andrea Lehmeier ist das jedes Mal ein Kraftakt, der auf den Rücken geht: Jedes Einzelteil wiegt rund 20 Kilogramm. Will Luca seine Mama nur mal schnell zum Einkaufen begleiten, ist dies oft nicht möglich – Andrea Lehmeier müsste den Rollstuhl zerlegen, wieder zusammenbauen, nach dem Einkauf wieder auseinandernehmen und daheim erneut zusammensetzen.
Luca hat Glasknochen. "Osteogenesis Imperfecta Typ 3" lautet der medizinische Fachausdruck für diese seltene Krankheit. Mit sechs Brüchen war Luca am 18. Juni 2008 zur Welt gekommen, in den 17 Jahren seines Lebens hat er sich über 80 Mal etwas gebrochen. 22 Operationen hat der Jugendliche hinter sich. So wurden ihm, wie seine Mama erzählt, Teleskopnägel und Drähte eingesetzt, um die Knochen zu stabilisieren und zu begradigen. Jüngste OP war Anfang Juli in Stuttgart. Ein Draht war aus einem Knochen herausgewandert und musste entfernt werden. Alle elf Wochen bekommt Luca im Krankenhaus zudem Infusionen zur Stärkung der Knochendichte. Gegen seine ständigen Schmerzen nimmt der 17-Jährige hochdosierte Schmerzmittel.
Mehr Freiheit, mehr Teilhabe
Zeitlebens ist Luca, für den jeder Sturz oder Stoß "fatale Folgen haben kann", wie seine Mama erklärt, auf den Rollstuhl angewiesen. Glücklich ist der junge Mann, dass er seit Anfang 2024 einen elektrischen Rollstuhl hat. So kann er selbstständig das Haus verlassen, saust damit in den nahegelegenen Supermarkt, um einzukaufen. Ein rollstuhlgerechtes Auto würde für Luca mehr Freiheit, mehr Teilhabe und damit enorm mehr Lebensqualität bedeuten.
Bei einem Amberger Autohändler steht solch ein Fahrzeug: ein umgebauter VW Caddy Maxi mit Rampe und Sicherungssystemen, in das Luca direkt im Rollstuhl reinfahren kann. Gleich am Montag wird die Familie ins Autohaus gehen und alle weiteren Modalitäten für den Kauf des Autos abklären. Dafür hatte Andrea Lehmeier die GoFundMe-Spendenkampagne mit einem Zielbetrag von 50.000 Euro eingerichtet. Am Mittwochmorgen, als die zweifache Mutter den aktuellen Spendenbetrag checkte, waren 34.865 Euro und damit 70 Prozent des Spendenziels erreicht. Wenig später gingen 20 Euro ein. Und kurz darauf dann sensationelle 10.000 Euro, die ein anonymer Spender Luca zukommen ließ.
Überwältigt von der Hilfsbereitschaft
"Oh mein Gott", schoss es Andrea Lehmeier durch den Kopf, als sie diesen Betrag sah. 44.885 Euro plus die Zusicherung der Klaus-und-Gertrud-Conrad-Stiftung, den Restbetrag bis zu einer Summe von 10.000 Euro zu übernehmen – es war geschafft! "Einfach unglaublich", sagt Andrea Lehmeier, völlig überwältigt von der Hilfsbereitschaft so vieler Menschen. 518 Einzelspenden waren seit 3. Juni eingegangen – von 5 bis 10.000 Euro. Dankbar sind Luca und seine Familie für jeden einzelnen Euro. "Was es doch für tolle Menschen gibt", sagt seine Mama überglücklich. Zumal die meisten sie und ihre Familie gar nicht kennen. Diese Empathie rührt die 42-Jährige zutiefst.
Und Luca? Der kann sein Glück noch gar nicht fassen. "Haben wir es geschafft?!", hatte er seine Mama gefragt, als der Jubel im Hause Lehmeier ausgebrochen war. "Luca ist total aus dem Häuschen", berichtet die 42-Jährige. Ob telefonisch, auf Facebook, über WhatsApp oder im Nachrichtensystem von GoFundMe: Den ganzen Mittwoch über erreichten Andrea Lehmeier Glückwünsche. "Alle freuen sich mit uns und sind glücklich", erzählt die Ambergerin.
Spendenfunktion deaktiviert
Die Spendenfunktion auf der Crowdfunding-Plattform hat sie inzwischen deaktiviert, die Kampagne selbst auf GoFundMe (Gemeinsam für Luca - ein rollstuhlgerechtes Auto) bleibt weiterhin sichtbar. Dort bedankte sich Andrea Lehmeier am Mittwoch in einem Update bei den Spendern: "Dank Eurer unglaublichen Unterstützung haben wir es nun geschafft." Posten will sie dann auch, wenn sie, ihr Mann Edi, Luca und der vierjährige Liam das Fahrzeug abholen werden. Damit sichtbar für alle ist, dass die Spenden genau dafür verwendet werden, wofür sie gesammelt wurden: für das rollstuhlgerechte Auto, das Luca das Leben erleichtern wird.















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