Der Name "Tag des offenen Denkmals" sagt es eigentlich schon: Da kann man sich Denkmäler von innen anschauen. Amberg beteiligte sich am Sonntag mit sieben Veranstaltungen. Bei einer blieben die Türen verschlossen. Es geht um die umstrittene Baracke am Amberger Bergsteig, die zwar seit 2000 unter Denkmalsschutz steht, für deren Abriss der Amberger Stadtrat im Oktober 2022 aber dennoch mehrheitlich stimmte. Auch wenn die rund 30 Besucher nicht in das Gebäude durften, das sich im Besitz der Amberger Stadtbau befindet, wollte Stadtheimatpflegerin Beate Wolters die Geschichte des historischen zweistöckigen Baracken-Baus erzählen. "Wir stehen tatsächlich vor einem Denkmal", sagte Wolters und begann mit der Frage, was denn wäre, wäre es nicht mehr dort. Ein Teilnehmer sagte: "Es würde fehlen, wenn es wegkäme, das ist ein Merkmal dieses Stadtteils." Ein anderer war konträrer Meinung. Für ihn sei die Baracke die Ursache für die früher despektierliche Bezeichnung der Menschen vom Bergsteig als "Barackler". "Für mich ist es kein Denkmal, sondern eine Schande", sagte er.
Wolters betonte, dass die zweigeschossige Baracke zusammen mit der daneben stehenden eingeschossigen, die heute von der Russisch Orthodoxen Kirche der Heiligen Apostel Peter und Paul genutzt wird, gesehen werden muss. "Sie zeigen die Wurzeln des Viertels, denn hier standen nicht immer die Geschossbauten, die Sie hier rundherum sehen."
Zeugnis der Zerstörung
Im Ersten Weltkrieg wurden demnach große Teile des heutigen Bergsteigs militärisch genutzt. Es gab dort rund 30 Holzbaracken. Militärische Nutzung erfuhr das Gebiet auch im Zweiten Weltkrieg. Besonders das Heereszeugamt und die heutige Leopoldkaserne spielten eine wichtige Rolle. Während Amberg von Bomben im Zweiten Weltkrieg großteils verschont blieb, wurde das Gebiet im April 1945 dem Erdboden gleich gemacht. In einem Zeitzeugenbericht von Wilhelm Frank aus dem Stadtarchiv werden die Ereignisse so geschildert: "Die während der NS-Zeit hier vorhandenen militärischen Baulichkeiten gingen gegen Kriegsende in einem gewaltigen Bombenhagel unter. Das gesamte Terrain war durch unzählige Bombentrichter von jeweils mehreren Metern Durchmesser und Tiefe total umgepflügt. Betonbrocken mit herausragendem Armierungsstahl, unzählige Reste von gelagerten Materialien und Gegenständen, zerstörte Bahngleise."
Die Flucht brachte 6000 Menschen nach Kriegsende nach Amberg. Die brauchten Unterkünfte und eine Beschäftigung. Laut Frank wollte die US-Militärverwaltung Arbeitsplätze für mehr als 400 Personen in der "Bayerischen Grenzland Kunst und Industrie", einer Glasfabrik am Bergsteig, die den Bombenangriff überstanden hatte, schaffen. Für die Arbeiter brauchte es Wohnraum. Der war leicht und kostengünstig durch Baracken zu schaffen. 1947 wurden vier von ihnen errichtet, 1950 dann zwölf winterfeste Holzbaracken, 1951 zwei Steinbaracken und zwei zweistöckige Holzbaracken. Dadurch entstanden 104 Wohnungen, die für Geflüchtete gedacht waren, die aus der Möhlkaserne ausziehen mussten. Ab 1968 wurden die Baracken abgerissen. Nur zwei zeugen noch von dieser Zeit. Die eine wird seit jeher als Kirche genutzt, die andere war lange noch Wohnbaracke und soll jetzt abgerissen werden.
Denkmal womöglich jünger
Warum sagt Wolters, dass die zweistöckige Baracke erhalten bleiben soll? Ihre Antwort: "Diese Geschichte von der Zerstörung der militärischen Versorgung über die Unterbringung der Arbeiter der Grenzland 1947 und die Unterbringung der Flüchtlinge, die in der Möhlkaserne gelebt hatten, diese Geschichte erzählt die Baracke." Anders als in der Denkmalliste mit 1940 aufgeführt, ist Wolters aufgrund des Zeitzeugenberichts und der Tatsache, dass 1947 keine zweistöckigen Baracken dokumentiert sind, der Meinung, dass das Gebäude, das abgerissen werden soll, vermutlich erst 1950 gebaut wurde. "Das schmälert aber nichts an seiner Bedeutung als Denkmal." Vermutlich ist die Baracke nach den Plänen des berühmten Architekten und Schülers von Walter Gropius, dessen Glaskathedrale ebenfalls am Bergsteig steht, Ernst Neufert, gebaut worden. Das aber ist laut Wolters bis heute nicht vollständig geklärt.
Ort der Begegnung schaffen
Das Landesamt für Denkmalpflege hatte den Denkmalschutz des Gebäudes so begründet: "Die beiden Baracken auf dem Bergsteig in Amberg spiegeln aber nicht nur die Bedeutsamkeit des Provisoriums für das Bauen in der NS-Zeit und die für die moderne Architekturgeschichte wichtige Entwicklung zur Normierung und zum Fertigbau wider. Als Notkapelle und Behelfswohnung inmitten einer Neubausiedlung bilden sie darüber hinaus die letzten Zeugnisse der entbehrungsreichen Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg und erinnern an einen wichtigen Abschnitt der Geschichte der Stadt Amberg.“ Für Wolters sind die Aussagen der Stadtbau, es rentiere sich nicht, das Gebäude zu sanieren, hanebüchen. Es sei nicht einmal geprüft worden, ob die Kosten der Erhaltung so immens hoch wären, dass eine Wirtschaftlichkeit niemals gegeben ist. "Ich meine, wir können der Baracke diesen Ort zugestehen und wir können sie nutzen", sagte sie. Einem Teilnehmer, der meinte, das Gebäude lasse sich niemals so sanieren, dass es durch Mieteinnahmen lukrativ würde, entgegneten andere, dass man mit dieser Logik auch jedes Museum schließen müsste und dass dem Bergsteig in diesem Gebäude ein Kultur- oder Jugendzentrum guttäte.




















Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.
Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.