23.08.2019 - 20:06 Uhr
AmbergOberpfalz

Gestört, aber geil: Richard Wagner über sein Leben als Profi-Rennfahrer

Der Amberger Richard Wagner fährt seit zwei Jahren im Porsche Carrera Cup Deutschland. Der 19-Jährige erzählt von seiner Karriere als professioneller Rennfahrer - und zeigt uns sein Können auf der Kartbahn in Wackersdorf [Video].

von Julian Trager Kontakt Profil

Richard Wagners Dienstwagen ist ein Porsche 911 GT3 und so stark wie 485 Pferde. Wie es ist, in so einem Geschoss über den Asphalt zu brettern? Richard Wagner grinst, bevor er antwortet: „Es macht Spaß, aber man muss schon ein wenig gestört sein.“ Ein Fehler bei 260 km/h könne schließlich „böse enden“, auch wenn die Autos heute sehr sicher seien. „Da ist man natürlich angespannt“, sagt Wagner. „Aber mit der Erfahrung kommt auch die Gelassenheit.“ Die scheint bei dem 19-Jährigen bereits ausreichend vorhanden zu sein, im Gespräch über seine Leidenschaft, die mittlerweile auch sein Beruf ist, wirkt er vor allem: entspannt und lässig. „Ich merke es gar nicht, wenn ich so schnell fahre“, sagt Wagner. Erst Videoanalyse und Daten-Auswertung zeigen, wie rasant er unterwegs gewesen ist. „Es ist einfach ein Mega-Adrenalinschub.“ Gestört, aber geil.

Richard Wagner stammt aus Amberg und ist seit diesem Jahr, seinem dritten Rennjahr, professioneller Rennfahrer. Er fährt fürs niederbayerische Rennteam Huber Racing im Porsche Carrera Cup Deutschland, unter anderem auf dem Hockenheimring, dem Nürburgring oder im niederländischen Zandvoort. Davor war Wagner ein Jahr in der ADAC Formel 4, einer Nachwuchsklasse der Formel 1. Der Amberger gilt als Quereinsteiger. Im Gegensatz zu den meisten anderen Fahrern drehte er seine ersten Runden im Rennwagen ohne jegliche Kart-Erfahrung.

Rennfahrer vs. Redakteur auf der Kartbahn in Wackersdorf

Die Spedition der Familie Wagner ist seit rund 25 Jahren in der Formel 1, der Königsklasse des Motorsports, tätig. Seit ein paar Jahren machen die Oberpfälzer mit der Firma Sport Signage auch die Streckenwerbung für alle Formel-1-Kurse. Wenn es zeitlich passte, war der jugendliche Richard Wagner immer mit dabei, so nahe an der Rennstrecke wie möglich. „Da habe ich das erste Mal Benzin geschnuppert und mich in den Sport verliebt“, sagt der 19-Jährige. Wagner nutzte die Kontakte in der Motorsport-Welt. Ein Formel-4-Team lud ihn ein, zum Probefahren. „Da habe ich mich dann nicht ganz so dumm angestellt“, sagt Wagner. „Man hat gesehen, dass ein gewisses Potenzial vorhanden ist.“ Kurz darauf hatte der Amberger sein erstes Cockpit.

"Kohle regiert den Motorsport"

Im ersten Jahr landete Wagner in der Rookie-Wertung auf Rang drei, war also gleich einer der besten Neueinsteiger – obwohl er die wenigste Erfahrung mitbrachte. Im Porsche ist er von solchen Erfolgen noch etwas entfernt. „Ich fahre momentan nicht an der Spitze mit.“ Wagner steht in der Carrera-Cup-Fahrerwertung auf Platz 22 von 29. „Es fehlt die Erfahrung“, sagt der 19-Jährige. „Manche Konkurrenten fahren den Porsche seit sieben Jahren. Die wissen haargenau, wie das Auto funktioniert.“ Motorsport ist ja nicht nur im Kreis fahren – Rennfahrer sitzen oft stundenlang mit ihren Ingenieuren und Mechanikern zusammen. Tüfteln am Wagen, kitzeln Sekunden aus dem Auto heraus, die dem Mann hinterm Lenkrad sonst auf der Strecke fehlen.

Der Rennsport ist für Richard Wagner mittlerweile mehr als ein Hobby. Seit diesem Jahr hat er einen Sponsor, einen Textilhersteller aus Deggendorf. „Damit ist es jetzt ein Beruf“, sagt Wagner, der auch eine Ausbildung zum Speditionskaufmann im Familienbetrieb macht. Ohne Sponsoren läuft in der Branche ohnehin nichts. „Kohle regiert die Welt, und vor allem den Motorsport.“ Ein Platz in der Formel 3 koste etwa eine Million Euro – pro Jahr, erzählt Wagner. Sein Ziel ist der Sprung ins Porsche-Förderprogramm. „Ich möchte Porsche Junior werden.“ Das ist der erste Schritt zum Werksfahrer. Auf lange Sicht heißt der Traum DTM, die deutsche Tourenwagenmeisterschaft. Oder die ADAC GT Masters. Oder die berühmten 24-Stunden-Rennen. „Da möchte ich irgendwann hin“, sagt der Amberger.

Eigener Simulator zu Hause

Ein weiter Weg, das weiß auch Richard Wagner. Um seinem Traum näher zu kommen, trainiert er täglich. Der 19-Jährige hat sich in einem Zimmer daheim einen Simulator einbauen lassen. „Das Lenkrad, der Sitz, die Pedalerie, alles ist wie in meinem Porsche.“ Im Schnitt sitzt Wagner pro Tag drei Stunden vor dem Bildschirm und rast virtuell über Strecken, auf denen er bald danach im echten Rennwagen Gas gibt. „Durch den Simulator lernst du das schnelle, konstante Fahren. Du lernst die Strecke und das Auto kennen. Du lernst, das Auto am Limit zu bewegen.“ Der Simulator sei schon fast real.

Auf der Strecke ist Wagner meistens erst am Rennwochenende, dann trainiert er zwei Tage vor Ort. „Das Rennen ist nur die Kirsche auf der Torte“, sagt der Amberger. Die meiste Arbeit stecke in der Zeit davor. In der Werkstatt, im Simulator. Und im Kopf. „Das ist auch wichtig.“ Wie ein Skirennfahrer geht er die Runde vorm Rennen in Gedanken durch. Das sei gar nicht so einfach. „Da braucht man lange, um sich das vorstellen zu können“, sagt Wagner. Ein Rennfahrer sollte eben auch mental fit sein – ein Fehler bei 260 km/h kann schließlich böse enden.

Prokart Raceland Wackersdorf:

Wer auch mal Rennluft schnuppern möchte, ist hier richtig: Das Prokart Raceland in Wackersdorf gilt als größte Kartbahn Deutschlands. Die Strecke im Freien ist mehr als 1,2 Kilometer lang, in der Halle gibt‘s eine 0,6 Kilometer lange Bahn. Jedes Jahr kommen mehr als 200000 Besucher. Auch Formel-1-Rekordweltmeister Michael Schumacher fuhr mehrmals auf der Kartbahn im Kreis Schwandorf.

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