24.07.2018 - 17:41 Uhr
AmbergOberpfalz

Geteilte Meinungen zum Frühschwimmen

Ein Überschuss der Stadtwerke von 2,136 Millionen Euro im Jahr 2017 - das sorgt im Stadtrat nicht nur für zufriedene Gesichter, sondern auch für Begehrlichkeiten. Und in der Folge zu Streit um vorgezogene Öffnungszeiten für Frühschwimmer.

Eine einsame Schwimmerin zieht im Hocko ihre Bahnen.

(ll) Nachdem Stadtwerke-Geschäftsführer Stephan Prechtl die Bilanz seines Unternehmens für 2017 vorgestellt hatte, war es Michaela Frauendorfer, die einen Antrag der CSU-Fraktion auf eine Ausweitung der Öffnungszeiten des Hockermühlbads ankündigte. Das Freibad solle nicht erst ab 8 Uhr, sondern bereits ab 7 Uhr den Frühschwimmern die Gelegenheit geben, ihre Bahnen zu ziehen. "Dann könnten das noch mehr Leute vor der Arbeit nutzen." Bei Bedarf könne man zudem abends länger als 20 Uhr öffnen.

Prechtl nahm den Vorschlag etwas reserviert auf. Man werde ihn aber im Oktober in der Sitzung des Aufsichtsrats besprechen. Der Stadtwerke-Chef verwies gleichzeitig auf ohnehin schon recht lange Öffnungszeiten - zwölf Stunden am Tag zwischen dem 1. Mai und Mitte September. Das könnten andere Bäder nicht bieten. Zudem müsse klar sein, dass die Mitarbeiter mindestens zwei Stunden vor der Öffnung anfangen müssten, da es einen längeren Vorlauf brauche. Ausgeweitete Öffnungszeiten wären deshalb wohl nur mit zusätzlichen Mitarbeitern umzusetzen. "Es ist aber im Moment nicht einfach, Fachpersonal zu gewinnen."

"Bei dem tollen Jahresergebnis wird das zu schaffen sein", wollte CSU-Fraktionsvorsitzender Dieter Mußemann sich nicht von finanziellen Erwägungen ins Bockshorn jagen lassen. "Die 7-Uhr-Öffnung wäre im Sommer eine große Bereicherung für die Bevölkerung." Und übrigens auch für die Landkreis-Bewohner, denen so etwas in ihren Gemeinden nicht geboten werde. Womöglich steigere das zusätzliche Angebot sogar den Dauerkarten-Absatz, meinte Helmut Weigl (CSU).

Es reiche eigentlich, das Bad um 8 Uhr aufzusperren, fand dagegen Dieter Amann (SPD). Das Hockermühlbad sei super geführt, was nicht zuletzt den Mitarbeitern zu verdanken sei. "Man sollte die Leute nicht überfordern." Amann hielt hier vor unumkehrbaren Entscheidungen zumindest eine Umfrage unter den Badbesuchern, wer schon ab 7 Uhr zu schwimmen wünsche, für sinnvoll. Dem CSU-Vorgehen konnte er nichts abgewinnen: "Schaufensteranträge sind das für mich."

Dieter Mußemann betonte im Gegenzug, natürlich dürfe dadurch nicht das vorhandene Personal zusätzlich belastet werden, sondern "es muss dann zusätzliches Personal zur Verfügung stehen". Im Winter sei zu beobachten, dass viele Besucher des Kurfürstenbads das Angebot des Frühschwimmens ab 7 Uhr nutzten. Vielleicht könne man im Sommer auch dieses Angebot reduzieren und dafür das im Hockermühlbad ausdehnen. Dieter Amann konnte das nicht überzeugen. Sein Credo lautet: "Lieber bei 8 Uhr bleiben und dafür den Bestand sichern." Mußemann hielt dagegen: "Die Stadtwerke machen ein schönes Plus, da können wir uns die eine oder andere Begehrlichkeit schon mal erlauben."

Kommentar:

König Kunde ist launisch

Dieter Amann wählte einen Vergleich mit dem ÖPNV, um seine Bedenken gegen eine 7-Uhr-Öffnung des Hocko zu illustrieren: Womöglich gehe es dann wie bei den Bus-Zusatzfahrten, die zwischen der Kräuterwiese und der Marienstraße eingerichtet worden waren, um dort wegfallende Parkplätze zu kompensieren. Das Ergebnis war ernüchternd: im Mai kein einziger Fahrgast, im Juni einer; in Zahlen: 0 und 1.
Das ist das Los der Kommunalpolitiker, sie machen sich Gedanken, was für die Bürger gut sein könnte, aber die sehen es oft anders. Auch beim Frühschwimmen ist das schwer vorherzusagen. Da geht es um private Fragen: Wie ich mir meinen Tag einteile, wie bequem oder sportlich ich bin. Wenn nicht finanzielle oder Personal-Gründe das Projekt zum Kentern bringen, wird wohl nur eine Testphase zuverlässig Auskunft geben.

Markus Müller

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