24.05.2019 - 15:49 Uhr
AmbergOberpfalz

Nach Gewalttat wieder versöhnt

Was bringt eine Frau dazu, immer wieder zu einem Mann zurückzukehren, der sie schlägt und übel beleidigt? Der Richter muss diese Frage nicht aufklären. Aber er soll heftige Straftaten ahnden, die in der Partnerschaft geschehen sind.

Ein 30-Jähriger soll seiner Partnerin blutige Wunden zugefügt haben und muss sich dafür vor Gericht verantworten.
von Autor HWOProfil

Als er noch in Regensburg wohnte, hat er auch dort schon eine Frau misshandelt. Dann zog der 30-Jährige nach Amberg. Nahezu mittellos, im Obdachlosenheim untergekommen und umgezogen wegen einer neuen Freundin, die im Landkreis wohnt. Die Verbindung stand anschließend öfter auf dem Prüfstand. Die jungen Leute trennten sich mehrfach und fanden dann doch wieder zueinander.

Blut und Wunden

Was Amtsrichter Markus Sand jetzt beschäftigte, waren zwei sehr heftige Vorwürfe. Der 30-Jährige ging gewalttätig gegen seine vier Jahre jüngere Partnerin vor. Das geschah vor dem Haus der Frau und hatte zur Folge, dass sie erhebliche Verletzungen am Auge und am Mund erlitt. Es floss viel Blut, eine der Wunden musste genäht werden.

Später erhielt die 26-Jährige zudem SMS-Botschaften aus der untersten Schublade. Zitate: "Früher hätte man dich verbrannt, du Hexe. Fahr zur Hölle!" Alles andere war nicht druckreif. Der mit zwölf Vorstrafen auf der Anklagebank sitzende Mann gestand das. Allerdings einschränkend: "Es gab keine Schläge mit der Faust, sondern eine Ohrfeige mit der flachen Hand."

Bereits zu diesem Zeitpunkt wunderte sich der Richter: "Mit einem einzigen Hieb können diese Verletzungen nicht verursacht worden sein." Sand hörte auch: "Wir hatten beide vorher Drogen genommen."

Dann wurde das Opfer der rüden Attacke vernommen. Wieder mit dem 30-Jährigen versöhnt, ließ die 26-Jährige anklingen: "Keine Fausthiebe. Nur ein Schlag mit der flachen Hand." Seltsam dabei: Vor der Polizei hatte sie ganz andere Angaben gemacht. Von daher muss nun in einer zweiten Prozessrunde eine Beamtin aus Sulzbach-Rosenberg kommen, die seinerzeit die Vernehmung zu Protokoll nahm. Außerdem zwei Männer, die mit dabeistanden, als die Attacke geschah.

Fortsetzung im Juni

In dem Verfahren, das im Juni fortgesetzt wird, ging es noch um einen weiteren Anklagepunkt. Der 30-Jährige, dem der Landgerichtsarzt Reiner Miedel eine "krankhafte seelische Störung" bescheinigte, ging in einen Supermarkt, packte sich seinen Rucksack mit Lebensmitteln voll und zahlte an der Kasse nur ein paar Kleinigkeiten. Von einem Ladendetektiv wurde er als Dieb entlarvt.

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