22.10.2019 - 16:02 Uhr
AmbergOberpfalz

"Ein Grab ist wie ein kleiner Garten"

Zu schattig, zu sonnig, zu wenig Zeit? Gärtnermeisterin Tanja Götz aus Amberg hat Tipps für gepflegte Gräber und für den besten Schmuck zu Allerheiligen.

Gärtnermeisterin Tanja Götz hat sich intensiv mit Grabbepflanzung und Grabpflege auseinandergesetzt. Für sie ist ein Grab wie ein kleiner Garten, bei dessen Bepflanzung – gerade zu Allerheiligen – ein paar Regeln beachtet werden müssen.
von Adele SchützProfil

Wenn an Allerheiligen nach guter Tradition der Heiligen und Märtyrer gedacht wird, so steht tags darauf an Allerseelen das Gedenken an die Verstorbenen im Mittelpunkt. Die Hinterbliebenen richten im Vorfeld die Gräber her, bepflanzen sie neu, schmücken sie mit Gestecken und zünden Grablichter an. Gärtnermeisterin Tanja Götz aus Amberg hat sich intensiv mit Grabgestaltung und Grabpflege auseinandergesetzt und hat dazu wertvolle Tipps, die sie regelmäßig auch in Vorträgen weitergibt.

Grabpflege:

Zur Grabpflege empfiehlt Tanja Götz, den Boden vor der Pflanzung richtig vorzubereiten. Eine gezielte Auflockerung sorgt für Wachstum und gute Wasserdurchlässigkeit. Zur tiefen Lockerung des Bodens nimmt sie eine Grabgabel. Zu achten ist auf einen luftigen, fruchtbaren und wasserdurchlässigen Boden. Unkraut ist zu entfernen und eventuell muss gute Erde aufgefüllt werden.

Je nach Pflanzen- und Blumenarten kann es sinnvoll sein, eine handbreit Torf auszulegen, bevor man mit der Bepflanzung beginnt. Sie empfiehlt außerdem, vor der Anpflanzung die Gründüngung mit organischem Dünger wie Hornspänen nicht zu vergessen. In trockenen Perioden benötigen viele Stauden öfter eine kräftige Wassergabe. Der Rück- und Ausschnitt von Stauden sollte erst im Frühjahr erfolgen, von Gehölzen im August. Auch bei zu langer Trockenheit im Winter sollte man das Gießen nicht vergessen. Eine gute Winterabdeckung zum Schutz des Grabbodens vor direkter Frosteinwirkung sind Tannenzweige.

Grabgestaltung:

"Heutzutage hat kaum jemand mehr die Zeit, ein Grab intensiv zu pflegen", sagt die Gärtnermeisterin. Ihrer Ansicht nach, sei ein bepflanztes Grab wie ein kleiner Garten. Damit die grüne und blühende Decke auf der Grabstätte leicht zu pflegen sei und lange Bestand habe, sei die Wahl der Pflanzen entscheidend. Winterharte Stauden böten laut Tanja Götz vielfältige und zeitsparende Möglichkeiten, die noch zu wenig genutzt würden. Außerdem sei die passende Pflanzenauswahl für sonnige und schattige Lagen wichtig: "Nur Pflanzen am optimalen Standort gedeihen wirklich gut." Dabei muss bedacht werden: "Wie ist die Lage des Grabs? Sonnig, schattig, unter Bäumen oder an einem Hang?"

Für die perfekte Grabbepflanzung für Allerheiligen sollte nicht nur auf die Schönheit der Pflanzen und die Vorlieben geachtet werden, sondern hauptsächlich darauf, dass die Pflanzen winterhart seien, rät Tanja Götz. Sie empfiehlt dazu robuste und pflegeleichte Stiefmütterchen, die durch ihre Farbenvielfalt bestechen. Eine besondere Spezies der Stiefmütterchen ist das Hornveilchen. Es blüht das ganze Jahr über und kommt mit wenig Wasser aus. Das Stiefmütterchen liebt Halbschatten, gewöhnt sich aber auch an sonnige Standplätze.

Tanja Götz empfiehlt zudem eine Grabbepflanzung mit Erika ("der Novemberpflanze schlechthin"). Sie beginnt jetzt bis zum Mai im nächsten Jahr zu blühen. Momentan ist die optimale Pflanzzeit in lockere Erde mit einer ausreichenden Torfschicht darauf. Auch Chrysanthemen sind ideal für die Grabbepflanzung. "Wobei hier auf eine winterharte Sorte geachtet werden muss", so Tanja Götz. Während die Chrysantheme im Sommer viel Wasser brauche, müsse im Winter lediglich darauf geachtet werden, dass sie nicht austrockne.

Die Kraft der Symbole:

Früher wurde bei der Grabgestaltung vor allem auf die Symbolik der Pflanzen geachtet. "Mit einfachen Symbolen können einer Grabstätte besondere, persönliche Aussagen verliehen werden. Sicherlich spielen dabei die Lieblingspflanzen der Verstorbenen eine Rolle", sagt Tanja Götz. Das Stiefmütterchen ist ein Sinnbild für Bescheidenheit. Buchs, Efeu, Eibe und Kiefer sind Symbole für Unsterblichkeit. Chrysanthemen, Rosen und Vergissmeinnicht bedeuten Liebe über den Tod hinaus.

Auch Farben besitzen Symbolwert: Weiß steht für Reinheit und Frieden, Grün für Ruhe, Ewigkeit und Hoffnung, Blau für Treue und Rot für die Liebe.

Formen auf dem Grab sprechen ebenfalls eine Sprache, die zum Gedenken an die Toten passt. Rosen mit ihren Dornen (die botanisch allerdings Stacheln sind) drücken Trauer, Schmerz und Tränen aus. Ein Dreieck steht für Dreieinigkeit. Hängende Pflanzen stehen für große Trauer wie die Trauerweide. Ein Herz bedeutet Zuneigung und Liebe, ein Kreis und eine Kugel wie beim Buchs stehen für unendliches Leben.

Blumengesteck zu Allerheiligen:

"Das Gesteck zu Allerheiligen, mit dem man das Grab individuell schmücken kann, ist und bleibt ein absoluter Klassiker auf dem Friedhof", sagt Tanja Götz. Das Gesteck ist ein individuell arrangierter Grabschmuck mit farbenprächtigen Frischblumen, der keiner weiteren Pflege mehr Bedarf. Wenn das Gesteck mit Frischblumen durch die Witterung in Mitleidenschaft gezogen wurde, lässt es sich schnell und leicht entsorgen und durch ein neues Gesteck, auch als Trockengesteck, ersetzen. Gestecke gibt es in allen Größen und Preislagen.

Gärtnermeistern Tanja Götz bietet zu Themen rund um Grabgestaltung und Grabpflege sowie Gartengestaltung und Gemüseanbau für Gruppen sowie Obst- und Gartenbauvereine auch Vorträge und Praxisseminare an (Anfragen per E-Mail an t.a.goetz[at]web[dot]de).

Tipps & Co.:

Grabbepflanzung

Rahmenbepflanzung:

Zur Rahmenbepflanzung gehören Gehölze und Stauden, die dem Grab einen optischen Rahmen verleihen, so Tanja Götz. Bei einem Doppelgrab sollte die Rahmenbepflanzung nicht mehr als 25 Prozent betragen, bei einem Einzelgrab nicht mehr als 15 Prozent. Zu den bewährten Pflanzen dafür gehören Buchs und Gräser. Ideal sind auch immergrüne, langsam wachsende Gehölze wie kriechender Wacholder für sonnige Standorte, Efeu für vollen Schatten, Muschelzypressen, die nicht geschnitten werden müssen, und Säuleneiben, die wenig Schnitt brauchen. Zwergkiefern eignen sich ebenfalls für eine Rahmenbepflanzung, müssen aber nach ein paar Jahren ausgetauscht werden. Bei kleinen Urnengräbern empfiehlt Tanja Götz, auf eine Rahmenbepflanzung zu verzichten.

Bodendecker:

Bodendecker sorgen für ein pflegeleichtes Grab, denn sie bilden im Laufe der Zeit dichte Teppiche und verhindern damit den Aufwuchs von Wildpflanzen, erklärt die Gärtnermeisterin. Ein Doppelgrab sollte nicht mehr als 60 Prozent Bodendecker enthalten, ein Einzelgrab nicht mehr als 50 Prozent. Zu den Bodendeckern zählen beispielsweise Katzenpfötchen, Feldthymian und Silberwurz für sonnige Lagen, Goldbeeren, Kriechender Günsel und Andenpolster für halbschattige und schattige Lagen.

Stauden statt Wechselbepflanzung:

Tanja Götz weist auch auf die Möglichkeit einer Grabbepflanzung mit pflegeleichten Stauden anstatt Wechselbepflanzung hin. Besonders pflegeleichte Stauden für sonnige Plätze, die mit wenig Wasser auskommen, sind Purpurglöckchen, Ziersalbei, Salbei, Wollziest, Ehrenpreis und Küchenschelle sowie Polsterstauden wie Schleifenblume, Sedum (alle Arten) und Perlkörbchen. Stauden für Halbschatten sind Sterndolde und Herbstanemone.

Pflegeleicht sind Grabgestaltungen nach Art von Steingärten, mit Gräsern oder eine Kombination von beidem mit einer Wechselbepflanzung. (ads)

Die robusten, farbenprächtigen Hornveilchen sind eine Unterart von Stiefmütterchen und eine geniale Grabbepflanzung.
Allerseelen wird der Verstorbenen gedacht, deren Gräber bereits im Vorfeld von den Angehörigen liebevoll gepflegt und geschmückt werden.
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