Amberg
29.03.2019 - 16:43 Uhr

Grenzen setzen und Fäuste vors Gesicht

Im Ernstfall zählt jede Sekunde. Nachts auf einem Parkplatz oder auch im Gedränge: Täter suchen Opfer. Wenn Frauen angegriffen werden, ist selbstbewusstes Handeln gefragt. Krav Maga ist die psychologische und physische Lehre des Nahkampfes.

Abwehrhaltung einnehmen: Einen Schritt nach vorne, Hüfte leicht zur Seite drehen, Hände vor das Gesicht. Signalisierende Körpersprache und ein selbstbewusstes Auftreten halten Täter ab, weiß Krav-Maga- Trainer Alan Ribica. Bild: Dagmar Williamson, dwi
Abwehrhaltung einnehmen: Einen Schritt nach vorne, Hüfte leicht zur Seite drehen, Hände vor das Gesicht. Signalisierende Körpersprache und ein selbstbewusstes Auftreten halten Täter ab, weiß Krav-Maga- Trainer Alan Ribica.

Freundlich sieht er aus und macht gar nicht den Anschein eines Übeltäters oder gar Verbrechers. Und dennoch versucht eine junge Dame dem schwarz gekleideten Mann eine Ohrfeige zu geben. Alan Ribica heißt der Gentleman, der einer zwölfköpfigen Gruppe von Frauen im Auftrag von Oberpfalz-Medien die Kunst der Selbstverteidigung beibringen möchte. Zur Auftragskillerin werde hier niemand ausgebildet, erklärt der Trainer vom Verein "Get ready 2 defend" und warnt vor trügerischer Sicherheit. Weil diese Art des israelischen Kontaktkampfes jedoch schnell zu begreifen ist, eignen sich die beinhalteten Techniken für alle Altersgruppen. Wissen, wo es am meisten schmerzt und lernen, sich nicht selbst zu überschätzen - das ist Teil der Lehre.

Um aus der Opferrolle schlüpfen zu können, brauchen unsichere und eingeschüchterte Frauen auch mentale Übungen. Alan Ribica verdeutlicht: Stärke und Selbstbewusstsein beginnen im Kopf und übertragen sich schließlich auf das Äußere. Schon allein das souveräne Auftreten kann einen gewaltbereiten Dieb oder Vergewaltiger davon abhalten, überhaupt anzugreifen. Der Einsatz von Pfefferspray ist nur dann empfehlenswert, wenn er geübt wird. Bei unsicherem Gebrauch besteht die Möglichkeit, sich selbst zu treffen. Vor allem bei panischer Angst verstreichen wertvolle Sekunden, die Waffe zur Abwehr aus der Hand- oder Jackentasche zu kramen. So habe der Angreifer sogar noch mehr Spielraum.

Vertrauen sollen Frauen auch auf das innere Bauchgefühl, das signalisiert, eine Situation ist seltsam. "Beim nächtlichen Spaziergang immer wachsam bleiben", empfiehlt Ribica. Obwohl das Smartphone auch Leben retten kann, lenkt es beim Gehen zu sehr vom eigenen Umfeld ab. Ein Krimineller wird dieses Verhalten zu seinen Gunsten ausnutzen. "Ein Schlag auf das Handy, es fällt, man bückt sich danach, und dann ist es bereits zu spät." Wichtig sei, dem Täter so wenig Angriffsfläche wie nur möglich zu bieten. Hände nicht vor der Brust verschränken oder in den Hosentaschen verstecken, sondern besser am Handtaschengurt festhalten. So können Frauen schneller reagieren und einen Schlag mit Hilfe der erlernten Technik abwenden. "Und wenn diese Abwehr richtig sitzt, dann schmerzt es nur den Schurken." Selbst wenn man in der Lage ist, sich zu wehren : Erlaubt es der Augenblick, sollte jeder die Fluchtchance nutzen und Hilfe suchen.

Unterscheidungen gibt es beim Krav Maga Training dennoch. Für Privatpersonen fällt der Unterricht selbstverständlich anders als bei der Polizei oder dem Militär aus. Der Ursprung liegt beim slowakischen Boxer Imrich Lichtenfeld. In Bratislava unterrichtete er bereits 1930 die dort lebenden Juden, um sich vor antisemitischen Angriffen schützen zu können. Demnach gehört Krav Maga laut Ribica nicht in das Sport-Genre, sondern zum taktischen Kampf, der in Notwehr einsetzbar ist.

"Komm, schlag' mich!" Zum Watschen setzt diese Kursteilnehmerin ihren ganzen Körper ein - Trainer Alan Ribica hingegen wehrt den Angriff aus dem Stand mit einer Handbewegung ab. Bild: Dagmar Williamson, dwi
"Komm, schlag' mich!" Zum Watschen setzt diese Kursteilnehmerin ihren ganzen Körper ein - Trainer Alan Ribica hingegen wehrt den Angriff aus dem Stand mit einer Handbewegung ab.
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