14.10.2018 - 11:50 Uhr
AmbergOberpfalz

Wer griff der Dame ans Gesäß?

In einer Amberger Behörde geschieht etwas sehr Dreistes. Eine Bedienstete muss den zupackenden Griff eines Mannes an ihr Hinterteil erdulden. Nun sitzt jemand auf der Anklagebank und sagt entrüstet: "Ich war's nicht."

Eine 43-Jährige wird an ihrem Arbeitsplatz unsittlich berührt. Das ist jetzt ein Fall fürs Gericht.

(hwo) Die 43-Jährige war nach eigenen Angaben "einfach fassungslos." Im Mai vergangenen Jahres stand sie auf dem Gang einer Behörde und sprach mit einer Kollegin. Dann plötzlich, so erzählte sie jetzt der Amtsrichterin Sonja Tofolini, sei eine jähe Attacke erfolgt, die sie in solcher Form noch nie erlebt habe. Ihr griff jemand im Vorbeigehen an das Hinterteil.

Die empörte Frau mochte diesen rüden Angriff auf ihr Gesäß nicht dulden. Sie ließ die Polizei ins Amt rufen und teilte den Beamten ihre Beobachtungen mit. Die Hauptrolle dabei nahm ein 64-Jähriger ein, der sich zum besagten Zeitpunkt in der Behörde aufgehalten hatte, um zwei jungen Männern Unterstützung bei der Wohnungssuche zu geben.

Der mutmaßliche Täter, angezeigt wegen sexueller Belästigung, sagte schon damals: "Ich war das nicht." Das wiederholte er jetzt vor der Richterin, die den Erlass eines durch die Staatsanwaltschaft beantragten Strafbefehls abgelehnt und auf einer mündlichen Verhandlung bestanden hatte. Dabei ergaben sich Argumente, die der mutmaßliche Täter für sich ins Feld führte. Die Richterin hörte: "Es ist durchaus möglich, dass ich an der Frau vorbeigegangen bin und sie mit einem von mir getragenen Aktenordner berührt habe." Niemals allerdings sei seine Hand an irgendeine Körperstelle der 43-Jährigen gelangt. Denn er kenne die Dame nicht und neige keinesfalls zu derlei derben Ausfälligkeiten.

Die Frau blieb zwar dabei, dass es nur dieser Herr gewesen sein könne, der sie begrapschte. Doch weil sie mit dem Rücken zu den vorübergehenden Personen stand, hätte der jähe Griff ans Gesäß auch durch einen anderen verursacht worden sein können. "An einer Berührung bestehen keine Zweifel", sagte Staatsanwältin Barbara Tutsch. "Doch es fehlen die Beweise dafür, dass es der Angeklagte war." Deshalb verlangte sie Freispruch und bekam Unterstützung in dieser Forderung durch Verteidiger Dieter Spieß.

Die Richterin schloss sich an und sprach den bisher nie mit dem Gesetz in Konflikt gekommenen Mann frei. "Es könnte auch jemand anderes gewesen sein", begründete Sonja Tofolini ihre Entscheidung. Zuvor noch hatte ihr der 64-Jährige mitgeteilt: "Ich habe jetzt eineinhalb Jahre mit diesem schlimmen Verdacht leben müssen." Ein Stoßseufzer, der die Justiz traf und sich mit der berechtigten Frage verband, warum es so lange dauert bis zu einer Entscheidung.

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