28.04.2019 - 12:05 Uhr
AmbergOberpfalz

"Größte Hürde sind wir selbst"

"Politik ist eine viel zu ernste Sache, als dass man sie allein den Männern überlassen könnte." Das Zitat von Käte Strobel stimmt auch heute noch. Unter diesem Motto versammeln sich am Samstag viele politische Powerfrauen im Ring-Theater.

Frauen unter sich vor der Leinwand im Ring-Theater und vor vielen Gästen: Bei der Podiumsdiskussion mit (von links) Katharina Schulze, Ekin Deligöz, Moderatorin Maria Simon, Margit Kunc, Dr. Manuela Rottmann und Sigi Hagl wurde offen über Probleme und Hürden für Frauen in der Politik geredet.

Eines stand nach dem ersten überregionalen Frauenkongress der Grünen in der Oberpfalz für Organisatorin Tina Winklmann fest: "Das machen wir wieder", freute sich die Bezirksvorsitzende über das gelungene Debüt. Unter dem Motto "Frauen in der (Kommunal-)Politik: Da geht was" erlebten rund 76 Damen aus der ganzen Oberpfalz und vielen weiteren Gemeinden in Bayern einen ereignisreichen Tag im Ring-Theater.

Alle mit Rang und Namen

Zu einer Podiumsdiskussion waren die Fraktionsvorsitzende im Landtag, Katharina Schulze, die Chefin der Landesgruppe der bayerischen Grünen im Bundestag, Ekin Deligöz, die Fraktionsvorsitzende der Stadtratsfraktion Regensburg, Margit Kunc, MdB Manuela Rottmann und Landesvorsitzende Sigi Hagl gekommen. Moderiert von Maria Simon stellte sich die bunte Runde zunächst ihren Fragen. "Grün sein bedeutet nicht nur Öko sein", meinte Katharina Schulze. Als Frau ist für die Jungpolitikerin der feministische Blickwinkel, der ihrer Meinung nach vielen Debatten in unseren Gremien fehlt, besonders wichtig. Ekin Deligöz wählte mutmachende Worte für die anwesenden Damen: "Nur Menschen die nichts machen, machen keine Fehler. Es ist in Ordnung, auch Fehler zu machen und es ist wichtig, Kollegen zu haben, die hinter einem stehen." Für Rottmann ist vor allem der große "Vorher-nachher-Effekt" auf der kommunalpolitischen Ebene interessant: "Da gibt es einfach noch so viel zu tun für uns Frauen."

Auf die Frage, welche Barrieren und Schwierigkeiten es fürs weibliche Geschlecht in der Politik gäbe, wussten die fünf Rednerinnen einiges zu antworten. Für Sigi Hagl ist das unter anderem immer noch die Vereinbarkeit von Familie, Beruf und Ehrenamt: "Hier muss es einfach Verständnis geben. Und die Frauen müssen sich auch trauen, das Problem konkret zu benennen." Aber auch das Durchbrechen von männlichen Gesprächs- und Umgangsregeln in den Gremien sei eine zentrale Aufgabe. Margit Kunc erzählte besonders ausführlich über ihre "Kämpfe" als Frau in der Politik und wie sie sich gegen überhebliche Männer wehrte: "Für mich ist Gleichstellung auf allen Ebenen das Ziel."

Mut und Humor haben

Die Vorsitzende der Landesgruppe im Bundestag, Ekin Deligöz, stellte fest: "Unsere größte Hürde sind wir selbst." Und sie gab den Besucherinnen deshalb mit auf den Weg, bei jeder Möglichkeit das Reden zu üben, Humor und Mut zu haben. Für Katharina Schulze ist Frauensolidarität das Thema: "Wir müssen einfach zueinander stehen und füreinander eintreten." Schulze führte aus, dass Frauen sich auch heute noch anderen Bewertungsmaßstäben in der Öffentlichkeit stellen müssten als Männer. "Wenn ich ein rotes Kleid anhabe, steht das sofort in den Medien. Die Krawattenfarbe meines Nachbarn interessiert keinen." Für viele seien starke Frauen immer noch eine Provokation - das müsse sich ändern.

Nach einer Pause stellte sich die bayerische Spitzenkandidatin der Grünen fürs Europaparlament, Henrike Hahn, den Fragen des Publikums. Auch sie betonte: "Frauen wollen über Inhalte und Kompetenzen wahrgenommen werden." Abseits der Diskussion einer unterrepräsentierten Frauenrolle, zum Beispiel auf der Ebene der Außen- und Sicherheitspolitik, wurden viele weitere Themen querbeet angerissen. Darunter die Flüchtlingsthematik, Ankerzentren, Parität oder der Gedanke eines europäischen Mindestlohns. Nach einem Tag voller Gespräche über ernste Themen sorgte zum Abschluss die Kabarettistin Inge Faeß für viele Lacher in den Zuschauerreihen des alten Kinosaals.

Fragen und Themen aus dem Publikum:

Besonders das Thema Vereinbarkeit von Familie und politischem Engagement sorgte für intensive Gespräche und regen Austausch der Podiumsgäste mit dem Publikum. In einer freundschaftlich anmutenden Atmosphäre hofften die Besucherinnen auf Ratschläge und Tipps, wie man als Frau in der Politik erfolgreich sein kann. Für alle stand dabei fest: Ein schlechtes Gewissen für ihr politisches Engagement müssen auch Mütter nicht haben. Selbst die Frage, „Kann ich mir eine Kandidatur überhaupt leisten“, wurde eifrig diskutiert. Gerade die Finanzierungsmöglichkeiten fallen häufig unter den Tisch, wie auch Manuela Rottmann feststellte: „Das Thema Arbeitslosigkeit bei Kandidatur wird noch zu wenig diskutiert.“ Um sich gegen rechte Tendenzen und besonders die AfD zu wehren, seien jedoch ein starkes Engagement und vor allem eine klare Position unerlässlich.

Auch die bayerische Spitzenkandidatin der Grünen fürs Europaparlament, Henrike Hahn, stellte sich den Fragen des Publikums.
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

Aktuell und Wissenswert

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.