14.03.2019 - 11:32 Uhr
AmbergOberpfalz

Grüne fordern Ökostandards für Gewerbegebiet

Das Angebot an Gewerbeflächen in Amberg ist mittlerweile sehr klein geworden. Jetzt sollen aber wieder 25 Hektar auf den Markt kommen. Darüber entwickelt sich im Bauausschuss eine interessante Diskussion.

Die heute noch landwirtschaftlich genutzte Fläche in Richtung Speckmannshof soll der Erweiterung des Gewerbegebiets West dienen.
von Andreas Ascherl Kontakt Profil

Das Gewerbegebiet West an der Fuggerstraße soll wachsen. Und zwar um mindestens 25 Hektar in Richtung Speckmannshof. Um das bewerkstelligen zu können, bedarf es der üblichen Aufstellung eines Bebauungsplans samt Änderung des Flächennutzungs- und Landschaftsplans. Grund für die Maßnahme: Absolute Knappheit an Gewerbeflächen im Stadtgebiet. Wo es die in den bestehenden Industrie- und Gewerbegebieten noch gibt, sind sie laut Baureferent Markus Kühne nicht greifbar: "Die wenigen noch freien Grundstücke sind aufgrund mangelnder Verkaufsbereitschaft der Eigentümer nicht bebaubar", so heißt es in den Unterlagen.

Im Prinzip will der Bebauungsplan, der dem Bauausschuss zur Beratung vorlag, die jetzt landwirtschaftlich genutzte Fläche im Westen des bisherigen Gewerbegebiets einbeziehen und via Speckmannshofer- und Fuggerstraße anschließen. Unter Berücksichtigung der 110-kV-Freileitung und eines Wasserabflusses sowie einer 40-Meter-Begrünung am künftigen Rand des Areals könnten hier neue Flächen in der Größenordnung zwischen 2500 und 12 000 Quadratmeter entstehen. Wobei der Baureferent darauf hinwies, dass die finale Gestaltung wohl sehr stark von den Wünschen der künftigen Nutzer abhängen wird. "Wir werden dafür auch in erheblichem Maße Ausgleichsflächen ausweisen müssen", machte Kühne deutlich.

Gegen Flächenfraß

Womit sich Hans-Jürgen Bumes von den Grünen aufgerufen fühlte. Seine Partei stemmt sich enorm gegen den Flächenfraß, der in Bayern immer mehr Boden versiegelt. "Wir werden da zwar mitgehen", sagte Bumes, setzte aber ein sehr deutliches "Aber" in den Raum. "Wir müssen die Flächennutzung künftig anders gestalten", forderte er: Mehrstöckige Nutzung der Flächen, keine ausufernden Parkplätze, Anschluss an den öffentlichen Nahverkehr und optimale Erschließung für die Radfahrer, waren vier Beispiele, die er nannte. "Wir sollten hier Qualitätsstandards entwickeln", so seine Position.

Unter anderem könnten die Flächen beispielsweise nicht mehr verkauft, sondern in Erbpacht vergeben werden. "Wir sind nicht dagegen", machte er deutlich. "Aber wir brauchen eine Basis für nachhaltige Flächenentwicklung. Sollte das nicht passieren, dann werden wir in Zukunft gegen solche Maßnahmen stimmen", sagte Bumes wörtlich. Für die spätere Baugestaltung stimmte ihm der Baureferent durchaus zu, machte aber auch deutlich, dass er es für sinnvoller halte, das bestehende Gewerbegebiet zu erweitern, als irgendwo ein völlig neues anzulegen.

Nicht auf der Linie von Hans-Jürgen Bumes befand sich hingegen Michaela Frauendorfer (CSU). "Flächenverbrauch, das klingt immer so negativ", sagte sie. "Aber wir brauchen das doch für unsere finanzielle Zukunft." Den Beifall von Hans-Jürgen Bumes erntete sie dafür nicht, doch ging die Diskussion anschließend ohnehin einen ganz anderen Weg. Das Baureferat hatte den Unterlagen nämlich auch eine deutlich größere Variante beigelegt, wie das Areal künftig aussehen könnte. Problem dabei: Die Flächen gehören der Stadt nicht - noch nicht.

Große Variante nehmen

Trotzdem plädierten einige der Stadträte dafür, die alternative Variante künftig zur Abstimmung zu stellen. "Die größere Lösung gibt erheblich mehr her", befand Rudolf Maier von der CSU. "Das kann man schon machen, man muss nur die Flächen bekommen", schränkte Markus Kühne die Euphorie des Ausschusses gleich wieder ein. Und so plädierte Oberbürgermeister Michael Cerny dafür, erst einmal über die kleine Lösung abzustimmen, die große aber nicht aus den Augen zu lassen. Darauf konnte sich der Ausschuss einigen, er empfahl dem Stadtrat einstimmig, den Aufstellungsbeschluss und die Beteiligung der Öffentlichkeit einzuleiten.

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