27.02.2020 - 17:18 Uhr
AmbergOberpfalz

Grundloser Streit landet vor Gericht: "Hast du ein Problem?"

Fünf junge Leute geraten in Amberg grundlos in einen Streit. Schließlich stehen sie vor Gericht. Doch das Beleidigungsverfahren wird gegen eine Geldauflage von 600 Euro eingestellt.

"Hast du ein Problem?" Mit dieser Frage beginnt häufig eine Auseinandersetzung. Nicht immer landet die auch vor Gericht, wie nun in Amberg.
von Autor HWOProfil

Das wird häufig vor Gerichten erörtert: Junge Leute, die einander nicht kennen, treffen nachts zufällig aufeinander und giften sich sofort an. Ohne erkennbaren Grund - aber mit Standardformulierungen. Erst: "Hast du ein Problem?" Dann: "Schau nicht so blöd." Danach wird es oft heftig.

So gingen an einem Abend im Juni 2019 auch in Amberg zwei Männer durch die Stadt. Sie waren auf Kneipentour und wollten eben das Lokal wechseln, als plötzlich drei junge Leute des Weges kamen: ein 26-Jähriger und seine beiden jeweils 20 Jahre alten Begleiterinnen. Im Prozess vor Amtsrichterin Sonja Tofolini spielte dabei dieser Umstand eine wesentliche Rolle: Es handelte sich um Übersiedler.

Was genau geschah, konnte die Vorsitzende in Details nicht klären. Allerdings stand fest: Es gab massiven Zoff von einem Moment auf den anderen. Gewiss war auch: Der 28-Jährige, den die Staatsanwaltschaft auf die Anklagebank geholt hatte, war nicht an Schlägen beteiligt, die es gesetzt haben soll. Allerdings soll er Beleidigungen wie "Scheiß Russen", "Schlampen" und eine weitere nicht zitierfähige Formulierung bei der Auseinandersetzung von sich gegeben haben. Der Beschuldigte bestritt das. "Solche Ausdrücke gehören nicht zu meinem Wortschatz", unterstrich er mit Nachdruck. Doch als dann die Kontrahenten des nächtlichen Zwists als Zeugen vernommen wurden, offenbarte sich, dass Beleidigungen fielen. "Da war schon etwas", beschrieb die Richterin ihre gewonnenen Eindrücke. Doch seltsam mutete an, dass der 28-Jährige später selbst über Handy die Polizei gerufen hatte. Weil sein Kumpel, wie er nun wissen ließ, "zweimal eine geschossen bekam". Damit waren Ohrfeigen gemeint.

Der mutmaßliche Beleidiger wandelte auf einem schmalen Grat. Denn ausgerechnet zu jener Zeit, als sich der Zwischenfall ereignete, neigte sich bei ihm eine Bewährungsfrist dem Ende zu. Die Richterin nahm das zwar zur Kenntnis, sie mochte dem 28-Jährigen aber keinen Strick daraus drehen.

Tofolini machte den Vorschlag, das Verfahren gegen eine Geldauflage einzustellen. Einer solchen Lösung stimmte Staatsanwältin Julia Weigl zu. Der Mann bezahlt nun 600 Euro. Wenn das geschehen ist, schließen sich die Aktendeckel. Gewiss aber ist: Es wird auch in Zukunft Verhandlungen um Geschehnisse geben, die mit der Frage "Hast du ein Problem?" ihren Anfang genommen haben.

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