17.01.2020 - 14:47 Uhr
AmbergOberpfalz

Haft nach turbulenter Nacht mit Tritt in Schritt

Sechs Zeugen werden gehört, sechs andere könnenwieder gehen. Es ist ein Verfahren vor dem Amtsgericht, bei dem es um tätliche Auseinandersetzungen in einem Amberger Saal geht. Der Täter kommt um einen Gefängnisaufenthalt nicht herum.

Ein 22 Jahre alter Amberger war angeklagt. Der Mann muss nun ins Gefängnis.
von Autor HWOProfil

Discomusik dröhnte, der Alkohol floss. Zum Vergnügen vieler junger Leute, die sich 2019 an einem Februarmorgen um 4.45 Uhr in einem Saal der Amberger Innenstadt aufhielten. Draußen standen eher zufällig zwei Funkstreifenbeamte. Das sollte später noch eine Rolle spielen. Zu den Nachtschwärmern gehörte auch ein 22-Jähriger. Erst tanzte er, dann wollte der Mann Getränke für sich und seine Begleiterin holen. Was daraus wurde, beschäftigte nun Amtsrichter Peter Jung über mehrere Stunden hinweg. Kurz vor dem Tresen sah sich der 22-Jährige damals drei Männern gegenüber. Es kam zu Rempeleien und verbalen Ausuferungen. Dann setzte es zwei heftige Hiebe. Sie kamen von dem Getränkeholer und trafen einen Gleichaltrigen im Gesicht. Er trug eine Platzwunde davon, es floss Blut.

Wurde eine Flasche zum Zuschlagen benutzt? Der Verdacht lag nahe. Doch ein konkreter Beweis dafür ergab sich im Prozessverlauf nicht. Der Angeklagte bestritt den Vorwurf. Doch fest stand: Auch er blutete, als kurz darauf die bis dahin vor dem Gebäude stehenden Polizisten in den Saal kamen. Sie hatten von der tätlichen Auseinandersetzung erfahren, griffen ein und wollten von dem mutmaßlichen Schläger einen Ausweis sehen. Doch der entgegnete: "Lasst mich in Ruhe!"

Damit war der Richter bei einem zweiten Anklagepunkt angelangt. Er lautete auf tätlichen Angriff gegen einen Polizeibeamten. Nach längerer Beweisaufnahme stand fest, dass der 22-Jährige in Gewahrsam genommen werden sollte und sich wehrte. Von daher, so die spätere juristische Bewertung des Richters, ein Widerstand. Also keineswegs ein Angriff. Dass erheblicher Alkoholgenuss beim Beschuldigten eine entscheidende Rolle spielte, nahm der Vorsitzende ebenso zur Kenntnis wie dessen eher nebenbei geäußerte Bemerkung, er sei rüde behandelt und "durch einen Tritt in den Schritt getroffen worden".

Obgleich sich die ursprünglich angeklagten Tatbestände der gefährlichen Körperverletzung und des Angriffs auf Uniformträger änderten und schließlich als vorsätzliche Körperverletzung und Widerstand eingestuft wurden, waren die Folgen sehr gravierend für den 22-Jährigen. Richter Jung schickte den jungen Mann wegen diverser Vorahndungen für acht Monate hinter Gitter und sah keinen Anlass zur Bewährung. Staatsanwältin Julia Weigl hatte neun Monate beantragt. Verteidiger Jörg Jendricke stellte die Höhe der Ahndung zwar in das richterliche Ermessen, wollte aber eine Chance zur Bewährung ins Urteil geschrieben sehen.

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