Amberg
10.09.2020 - 17:10 Uhr

Haftstrafen für Fahrraddiebe

Reiner Zufallsfund: Die Polizei kommt, sucht nach Drogen und findet 14 geklaute Räder. Zwei junge Männer haben sie gestohlen, eine Frau leistet Hilfestellung. Alle drei bekommen Haftstrafen vom Landgericht, einer sogar viereinhalb Jahre.

Das Landgericht Amberg hat Fahrraddiebe verurteilt. Bild: Oliver Berg/dpa
Das Landgericht Amberg hat Fahrraddiebe verurteilt.

Seit wann ist die Erste Strafkammer zur Aburteilung von Fahrraddiebstählen zuständig? Weil der Hauptverdächtige noch drei Jahre wegen eines Raubs offen hatte und das Amtsgericht bei einer Gesamtstrafenbildung nur bis zu vier Jahren hätte gehen können, musste das Landgericht entscheiden.

Vor der Strafkammer saßen drei Angeklagte: Ein 23-Jähriger, ein 30-Jähriger und eine 23 Jahre alte Frau. Sie spielte, wie sich herausstellen sollte, bei der ganzen Sache nur eine untergeordnete Rolle. Es ging um zwei Diebstahlsserien in Amberg. Die erste spielte sich im August 2018 ab und war ziemlich heftig. Die Männer brauchten Geld für Rauschgift. Sie beschlossen, Fahrräder im Stadtgebiet zu stehlen, und gingen auf Tour. Dabei setzten sie einen Bolzenschneider zum Knacken von Schlössern ein. Irgendwann sprachen Polizisten bei dem 23-Jährigen vor. Sie suchten Drogen - und fanden 14 Räder. Der Mann war geständig und nannte bei etlichen der Bikes die genauen Tatorte. Einer davon, die nächste Kuriosität, befand sich direkt vor dem Landgericht. Viele Radbesitzer erhielten nach diesem Polizeieinsatz ihr Eigentum zurück. Die nächste Serie begann im Februar letzten Jahres. Keller wurden nach Beute durchsucht, unversperrte Autos ausgeräumt. Außerdem wurde ein E-Bike im Wert von 3000 Euro gestohlen. Womit im Prozess endgültig deutlich geworden war: Erfolgreich bei ihrer Suche nach Sachen, die sich hätten verkaufen lassen, waren die Männer nicht. In dem von der Vorsitzenden Richterin Roswitha Stöber geführten Verfahren zeigte sich: Der 23-jährige Hauptangeklagte und sein 30-jähriger Mittäter haben sich unterdessen Therapien wegen ihrer Drogensucht unterzogen. Eher nur am Rande beteiligt war die Frau. Sie hatte wohl Beutestücke bei sich untergestellt und wurde von der Strafkammer wegen Begünstigung zu sieben Monaten Haft mit Bewährung verurteilt. Dies geschah unter Einbeziehung einer noch offenen Geldstrafe.

Ungleich härter traf es ihre Kumpels. Der 30-Jährige muss zweieinhalb Jahre hinter Gitter. Bei ihm wurden 16 Monate Gefängnis aus einer anderen Verurteilung einbezogen. Der 23-Jährige bekam eine Gesamtstrafe von viereinhalb Jahren. Darin enthalten sind drei Jahre wegen eines Raubs. Auch dabei spielten Drogen eine Rolle. Im Stadtsüden war ein Rauschgift-Kunde in die Falle gelockt, von zwei Männern misshandelt und ausgeraubt worden. Der 23-Jährige war einer von ihnen. Seinen Komplizen hatte das Landgericht zu vier Jahren Haft verurteilt. Drinnen im Sitzungssaal drehte sich vieles um geklaute Räder. Der Prozess ging mit Kuriositäten einher, die sich draußen in der Regierungsstraße während einer Verhandlungspause fortsetzten. Neben ihren zwei Kumpels saß eine 23-Jährige auf der Anklagebank. Sie nutzte eine Verhandlungspause, um ihr weiter weg abgestelltes Bike näher an das Gerichtsgebäude zu bringen. Sie trat in die Pedale und sah wohl jemanden, den sie kannte. Mit fataler Folge: Der Vorderreifen geriet leicht an die Stoßstange eines geparkten Transporters. Schaden entstand nicht. Wohl aber hob es die Frau aus dem Sattel. Beim Sturz zog sie sich Schürfwunden zu. Justizbeamte eilten helfend herbei, nur ein paar Minuten wurde die Verhandlung fortgesetzt. Mit einer besorgten Frage der Richterin: „Können wir fortsetzen?“ Man konnte.

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