Ein junger Mann aus dem Landkreis Amberg-Sulzbach zählt plötzlich zu den jüngsten Abgeordneten im Deutschen Bundestag: David Mandrella (25) aus Kümmersbruck rückte im März 2026 in das Parlament nach, nachdem ein SPD-Abgeordneter aus Bayern überraschend gestorben war. Dabei war Mandrella gerade erst ins seinen Herzensberuf als Realschullehrer gestartet. Doch das Mandat ging vor.
Nach einem halben Jahr steckt der 25-Jährige mittendrin im politischen Betrieb zwischen Plenum in Berlin und Wahlkreis in Amberg, pendelt häufig hin und her, muss sich einlesen, diskutieren, Kritik einstreichen, viele Hände schütteln, immer freundlich sein, spät abends noch gut gelaunt bei Vereinsfeiern vorbeischauen. Selbstverständlich auch am Wochenende. Gibt es da eine Sehnsucht nach dem Leben vorher? "Es ist wie erwartet", sagt Mandrella. "Ich mache die Arbeit gern."
Diskutieren am Bauernmarkt
Ein typischer Freitag: Frühmorgens ist Mandrella in die Amberger Berufsschule eingeladen. Einer Klasse mit Auszubildenden erklärt er, wofür er sich im Bundestag einsetzt, versucht Bundespolitik greifbar zu machen. Danach geht er auf den Marktplatz. Seine Mitarbeiterin Jentry Meissner wartet dort schon, hat ein paar Stehtische aufgebaut. "Kaffee und Klartext" steht auf einem Aufsteller, der SPD-Politiker will mit den Leuten ins Gespräch kommen. Mandrella arbeitet im Landwirtschaftsausschuss des Bundestags mit, da bietet sich der Bauernmarkt als Kontaktbörse an.
"Ich bin schon überrascht, wie viele verschiedene Themen es sind, um die man sich kümmern muss." Der Bundestag bildet die gesamte Lebenswelt der Bevölkerung ab und die Welt, das weiß jeder, ist mehr als komplex. "Allein das Thema Landwirtschaft lässt sich auf so viele Einzelbereiche aufspalten." Da geht es um Die Anliegen der Erzeuger, aber auch um die Verbraucher, um das Tierwohl, den Natur- und Umweltschutz und viele Schnittmengen mit anderen Themen: Energie und Bauen, Bildung und Erziehung zum Beispiel. Eines hat der Kümmersbrucker schnell gelernt: "Man wird nach allem gefragt."
Wie man im Bierzelt redet
Vor ein paar Tagen war Mandrella zu einer Talkshow im Fernsehen eingeladen. "Was würden die Jungen anders machen?" war das Thema der Runde spätabends im Sender Phönix. 45 Minuten Sendezeit, vier Gäste aus unterschiedlichen Parteien und mehrere Themen. Der junge Abgeordnete aus Kümmersbruck im Trachtenjanker. Die Moderatorin will von ihm wissen, ob die Linke der SPD beim Thema soziale Gerechtigkeit den Rang abgelaufen habe. "Ich komme vom Land, bei mir ist die Linke gar kein Problem", sagt er. "Da sind ganz andere Sachen Thema. Ich geh auch nicht ins Cafè und trink' Matcha Latte, sondern gehe ins Bierzelt und da wird ganz anders geredet als hier in Berlin."
An diesem Freitag ist er auch deswegen daheim in Amberg, weil er in der Bahnhofstraße sein Wahlkreisbüro eröffnet. Es gibt Häppchen und Sekt, Parteifreunde schauen vorbei und auch zwei Landkreis-Bürgermeister von den Freien Wählern. Die Stadt Amberg schickt ihre Zweite Bürgermeisterin Birgith Fruth, die die Räumlichkeiten natürlich längst kennt. "Heute bin ich aber nicht als SPD-Vertreterin da", betont sie. Es herrscht Small-Talk zwischen den Bürotüren, aber nicht nur. Neue Projekte werden abgesprochen und Termine ausgemacht.
Ab 2. November wieder in Berlin
Als die ersten sich verabschieden, wünschen sie ein "schönes Wochenende" und meinen damit ein freies. Für David Mandrella gehen die Termine am Freitagnachmittag erst richtig los. Vereine und Firmen wollen besucht werden. Auch beim Theater in Freudenberg schaut er vorbei. Von der Bauernbühne in der Heimat geht es schon in wenigen Tagen wieder auf das politische Parkett nach Berlin. Am Allerseelentag, 2. November, beginnt die nächste Sitzungswoche. Der Landwirtschaftsausschuss trifft sich am Mittwoch, 4. November. Was Mandrella da sagt, kann man live mitverfolgen. Das Parlamentsfernsehen streamt solche Sitzungen auf der Webseite unter www.bundestag.de.























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