12.09.2018 - 08:53 Uhr
AmbergOberpfalz

Wie der Hammer hungrig macht

Sommerferien - das ist nicht nur wochenlang schulfrei. Viele Schüler nutzen die Zeit, um sich etwas Geld dazu zu verdienen. Doch diese Arbeit ist nicht immer ein Zuckerschlecken - AZ-Redakteure erinnern sich an ihren schlimmsten Ferienjob.

Irgendwie liegt der große Hammer heute viel schwerer in der Hand als vor 30 Jahren.
von Markus Müller Kontakt Profil

Die Kollegen haben mich sehr skeptisch angeschaut, als ich ihnen erklärt habe, bei der Serie "Mein schlimmster Ferienjob" könne ich nicht mitmachen - weil ich nie einen hatte. Genau dieser nicht existente Ferienjob ist jetzt gleichzeitig mein schlimmster, weil er mich zum Außenseiter stempelt. Wobei die damit (unausgesprochen) verbundene Vorstellung, ich wäre in den Ferien nur auf der faulen Haut gelegen, nicht der Realität entspricht. Ich bin auf einem Bauernhof aufgewachsen. Bei mir und meinen vier Geschwistern war es selbstverständlich, dass wir dort bei den anfallenden Arbeiten mithalfen. Hätte ich vorgeschlagen, ich könnte mir ja mal einen Ferienjob suchen, hätte das sicher zur Frage geführt, ob ich mich nicht ausgelastet fühle.

Die Folge meiner frühen Bekanntschaft mit der Landwirtschaft ist heute, dass ich in ihr nichts Romantisches sehen kann. Mit Heu verbinde ich die Erinnerung an den Staub und das Jucken, das er auf der Haut entstehen lässt, wenn man große Mengen davon in der enormen Hitze auf dem Heuboden verteilt. Stroh steht für aufgestochene Arme, wenn man die Büschel auf einem Wagen schlichtet. Kuhställe meide ich nach Möglichkeit, weil ich weiß, dass der Geruch der Tiere sofort in die Kleidung und kaum mehr rausgeht. Um nicht falsch verstanden zu werden: Ich bin nach wie vor der Überzeugung, dass es für ein Kind nicht Schöneres gibt, als auf einem Bauernhof aufzuwachsen - aber sicher nicht wegen der Arbeit, die dort zu erledigen ist.

Wenn ich es recht überlege, so eine Art familieninternen Ferienjob hatte ich doch: Ich habe im Steinmetz-Geschäft meines Großvaters mitgeholfen, wenn auf Friedhöfen Grabanlagen zu setzen waren. Am nachdrücklichsten ist mir dabei der große Hammer in Erinnerung geblieben, mit dem man die Pfähle in die Erde trieb, die das Fundament stützten. Das Teil war so schwer, dass man nach zehn Schlägen damit vollkommen ausgepumpt war. Unvermeidbare Konsequenz dieser Beschäftigung: Man bekam ordentlich Muckis und gewaltigen Kohldampf. Zum Teil mit Spätfolgen, aber nicht, was die Muskeln betraf: Nur der gesegnete Appetit ist mir geblieben.

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